Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 606

Verkafferung. Unter V. versteht man in Deutsch-Südwestafrika das Herabsinken eines Europäers auf die Kulturstufe des Eingeborenen, eine Erscheinung, für die man in anderen Schutzgebieten Vernegern oder Verkanakern gebraucht. Einsames Leben im Felde, in stetem Verkehr mit Farbigen, ganz besonders aber die Mischehe mit jenen begünstigt diese bedauerliche Entartung weißer Ansiedler. Der verkafferte Europäer ist trotz bisweilen vorhandener persönlicher Intelligenz stets ein verlorenes Glied der weißen Bevölkerung, da ihm selbst in diesem besten Falle eine der wesentlichsten Förderungen der heimischen Kultur, das energische Wollen und das Festhalten an einem bestimm ten Plane, völlig abgehen. Solche Unglücklichen sind selbst in Anstellungen meist weniger brauchbar als ein intelligenter Eingeborener. Nur durch gesetzgeberische (Verbot der Mischehe) und gesellschaftliche Maßnahmen läßt sich diesem Übel auf die Dauer Steuern. Das sicherste Mittel gegen diese keineswegs zu unterschätzende Gefahr besteht in der Erleichterung der Eheschließung mit weißen Frauen. Daneben aber in der Förderung der Erwerbsgelegenheiten. Denn auch das Ausbleiben wirtschaftlicher Erfolge führt im Zusammenhange mit gewissen klimatischen und geographischen Einflüssen (Mangel an Berührung mit anderen Europäern, Fehlen geistiger Anregung usw.) leicht zu einem Nachlassen der inneren Energie und zu einer gewissen Resignation, die ebenfalls gefährlich wirken, wie die soziale Geschichte des Trekburentums in zahlreichen Beispielen beweist. Daher ist die Förderung des geistigen Zusammenhanges mit der Heimat, sind Schule, Mission, Bibliotheken und Zeitungen ebenfalls heranzuziehen, um dieser die Kultur junger Kolonistenländer bedrohenden Gefahr entgegenzuwirken.

Dove.