Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 619 f.

Victoria (s. Tafel 196). V., am Südfuße des Kamerunberges und im Hintergrund der Ambasbucht gelegen, ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks. V. war ursprünglich eine englische Niederlassung und wurde erst am 7. Mai 1886 gegen Forkados an der Nigermündung und St. Lucia in Südafrika umgetauscht. V. ist nächst Duala der zweitgrößte Ausfuhrhafen Kameruns. Die Tiefenverhältnisse der Bucht gestatten das Anlegen der Dampfer unmittelbar an der langen Landungsbrücke. Zur Ausfuhr gelangen vor allem Kakao, dann Ölpalmprodukte und Kautschuk. V. ist der Hafenort von Buea (s.d.), mit dem es eine Straße verbindet. Der Handelswert beläuft sich abzüglich Geld für 1912 auf 4,7 Mill. M, was gegen 1911 eine Abnahme bedeutet. Seit 1911 ist die 47 km lange Straße nach Bibundi (s.d.) fertiggestellt, die allein 42 feste Brückenbauten nötig machte. Die Zahl der ansässigen Weißen betrug 1912 129, die Zahl der Farbigen etwa 12 000. Die Zahl der Weißen war in früheren Jahren bereits höher, was auf die Heranziehung farbiger Plantagenarbeiter an Stelle der weißen zurückzuführen ist. Die Gesundheitsverhältnisse haben sich in den letzten Jahren gehoben, wozu auch der Bau einer Wasserleitung beiträgt, der den Ort mit Quellwasser versorgt. V. besitzt einen botanischen Garten nebst Versuchsanstalt für Landeskultur (s.u.). Es hat eine 6klassige Regierungsschule und ein Lepraheim für Eingeborene sowie ein Hospital. 1910 wurde von der Westafrikanischen Handelsgesellschaft V. eine Fabrik zur Aufbereitung der Ölpalmprodukte angelegt. Außerdem befinden sich in V. eine Postagentur, ein Zollamt, Polizeistation, Evang. und Kath. Mission, sowie eine Pflanzung der Westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Victoria, eine Anzahl von Faktoreien. V. wurde 1877 im Gebiet der Bimbialeute von den Engländern angelegt und blieb auch nach der Besitznahme Kameruns durch die Deutschen 1885 zunächst englisch, bis es 1886 abgetreten wurde. - Die Kaiserliche Versuchsanstalt für Landeskultur wurde 1891 als Botanischer Garten begründet. Zweck: Versuchsgarten als Anzuchtstelle für tropische Nutzpflanzen, mit chemischem und botanischem Laboratorium; Zentrale des landwirtschaftlichen Versuchswesens in Kamerun; Bearbeitung aller einschlägigen wissenschaftlichen Fragen; wissenschaftliche und technische Untersuchungen und Gutachten; Ausführung von Düngungsversuchen auf Privatpflanzungen und Versuchsanlagen des Gouvernements; Versorgung der Stationen und Plantagen mit Saatgut und Pflanzmaterial. Seit 1. Okt. 1910 ist ein Schulbetrieb zwecks Ausbildung jüngerer Eingeborener zu Pflanzungsaufsehern eingerichtet (KolBl. 1911 Nr. 23). Weißes Personal: 1 Leiter (Dr. Fickendey), 2 Chemiker, 2 Botaniker, 1 Garteninspektor, 1 Gartentechniker. Niederschlagstabelle von V. s. Kamerun.

Passarge - Rathjens, Busse.