Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 625

Viehversicherung. Der hohe Kapitalwert und die stete Gefahr großer Verluste durch Seuchen läßt für die Farmer in Deutsch-Südwestafrika die Einführung einer V. als erstrebenswertes Ziel erscheinen. Nach Prüfung dieser Frage hat das Gouvernement im März 1911 dem Farmerbund einen vorläufigen Vorschlag zur Begutachtung überwiesen, welcher die Aufgabe dadurch lösen will, daß eine allgemeine Zwangs - Prämienversicherung in Verbindung mit einer staatlichen Beitragspflicht eingeführt wird mit dem Endzweck, diese Versicherung später unter Ausscheidung des Fiskus in eine Versicherung auf Gegenseitigkeit überzuführen. Die Versicherung soll sich auf Vieh im Besitz von Weißen, auf Farmervieh mit Ausschluß des Händlerviehs, auf Verluste im einzelnen durch näher zu benennende Viehseuchen, auf den 10% des versicherten Viehs übersteigenden Verlust und endlich auf Ersatz des halben' Wertes der darnach der Versicherung unterliegenden Tiere beschränken. Als Versicherungsprämien sind 7 M für ein Pferd, 1,50 M für ein Rind, 50 l für ein Wollschaf oder eine Angoraziege, 20 l für ein Fleischschaf angenommen. Eine greifbare Gestalt hat dieser Plan indes noch nicht erhalten, und wenn auch die Sicherung des in den Viehbeständen steckenden Kapitals durch eine allgemeine Zwangsversicherung zweckmäßig erscheint, so sind doch nicht die großen Schwierigkeiten zu verkennen, die ihrer Durchführung entgegenstehen. In dem Gouvernementsvorschlag ist daher auch mit Recht die Frage der allgemeinen Viehlebensversicherung, welche selbst in Deutschland eine allgemein befriedigende Lösung bisher nicht gefunden hat, ganz ausgeschaltet, er beschränkt sich ausschließlich auf die Versicherung gegen die erheblicheren durch Seuchen verursachten Schäden. In Deutschland ist die Entschädigung dieser Verluste in Verbindung mit dem Viehseuchengesetz durchgeführt und der Kreis der zu entschädigenden Seuchen allmählich ausgedehnt worden. Es wird auch für Deutsch- Südwestafrika zu erwägen sein, ob dieser Weg nicht beschritten werden soll, da die beim Ausbruch von Seuchen vorgeschriebene Anzeigepflicht nicht wirksamer unterstützt werden kann, als durch die Einführung einer Entschädigung für den durch Seuchen entstehenden Schaden. In dieser Ansicht bildet diese einen wichtigen Faktor in der Kette der veterinärpolizeilichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuchen. In den übrigen Schutzgebieten ist die Frage der V. mit Rücksicht auf die geringen im Besitz von Weißen befindlichen Viehbestände noch nicht angeregt worden.

Neumann.