Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 627

Vipern (Viperidae), Familie der Schlangen, gekennzeichnet durch vorn im Oberkiefer stehende, lange, durchbohrte, zurücklegbare Giftzähne. Von der Mehrzahl der nicht giftigen Schlangen unterscheiden sich die V. durch den plumpen Körperbau und den breiten, fast herzförmigen, stark vom Halse abgesetzten Kopf. Sie zerfallen ihrerseits wieder in zwei Gruppen, in die altweltlichen, echten V. und die amerikanisch- asiatischen Grubenottern, die durch eine tiefe Grube vor dem Auge ausgezeichnet sind. Der Biß aller Arten ist bei der Vollkommenheit ihres Giftapparates außerordentlich wirksam, doch kommen Verletzungen von Menschen bei der nächtlichen Lebensweise und der oft unglaublichen Trägheit der Tiere nicht so oft vor, wie bei der Häufigkeit mancher Arten anzunehmen wäre. Die V. bewohnen alle heißen und gemäßigten Zonen der Erde, mit Ausnahme Australiens und seiner Inselwelt. -Besonders reich an echten V. ist Afrika. Die verbreitetste Art ist hier die Puffotter (Bitis arietans s. farbige Tafel Tropische Giftschlangen, Abb. 1), eine mehr als meterlange, armdicke Schlange. Sie bewohnt die Steppen und Wüstensteppen Afrikas vom Südrande der Sahara bis zum Kaplande, und tritt stellenweise, z.B. in Deutsch-Südwestafrika, ungemein häufig auf. Neben ihr findet sich in Togo und Nordkamerun die auch sonst in Nordafrika und Westasien weit verbreitete Efa (Echis carinatus), in Deutsch - Südwestafrika die Hornotter (Bitis caudalis), Schlangen von der Größe einer Kreuzotter (s. farbige Tafel Tropische Giftschlangen, Abb. 2). In den Waldgebieten des äquatorialen Afrikas wird sie dagegen durch zwei riesige Verwandte, die Nashorn -V. (Bitis nasicornis) und die Rhinozeros - V. (Bitis gabonica), vertreten (s. farbige Tafel Tropische Giftschlangen, Abb. 3). Sonst treten die V., und zwar Vertreter der Grubenottern, noch in Amerika stark hervor. In Nordamerika sind es vor allem die Klapperschlangen, die in mehreren Arten die weiten Prärien bewohnen. Westindien und das tropische Südamerika beherbergen verschiedene Vertreter der sehr gefürchteten Lanzenschlangen, so Brasilien den riesigen Buschmeister (Lachesis mutus) und die kleinen Antillen die echte Lanzenschlange (Lachesis lanceolatus).

Sternfeld - Tornier.