Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 637 f.

Volta, bedeutender Strom an der Westgrenze Togos. Er wird von den Asante - Stämmen Firao, von den Ewestämmen Amu genannt. Seine beiden Quellflüße, der westliche, schwarze, und der östliche, weiße V., entspringen auf französischem Gebiet (Haut - Sénégal et Niger), ersterer in der Gegend zwischen Sikasso und Bobo - Diulasso, letzterer in Jatenga, nordwestlich Wagadugu; sie vereinigen sich westlich Salaga im Gebiete der englischen Goldküste. Von der Einmündung des Daka ab bis zu jener des Daji bildet das linke Ufer des V. die Grenze des Schutzgebietes Togo. - Sein Lauf nimmt auf dieser Strecke und noch weiter bis Kpono, im allgemeinen eine Südliche Richtung. Zwischen Anum und Kpong durchbricht er das von der Goldküste her in nordöstlicher Richtung nach Togo streichende Gebirge. Von Kpong ab schlägt er eine südöstliche Richtung ein und ergießt sich bei Ada in den Atlantischen Ozean. In der Nähe seines Mündungsgebietes hat er zur Bildung der ausgedehnten Kittalagune beigetragen. So weit er deutsches Gebiet berührt, schwankt seine Breite zwischen 180 und 500 m. Die Wassermassen, welche er zu Tal führt, sind außerordentlich verschieden. Am Ende der Regenzeit, meist im Monat Oktober, tritt das Wasser an flachen Uferstellen aus und bedeckt dann ein sich manchmal kilometerweit ausdehnendes Überschwemmungsgebiet; dieses stellt bei Niedrigwasser typische Grassteppe fast ohne Baumbestand dar. Am Ende der Trockenzeit (Februar, März) sinkt der Wasserspiegel so stark, daß die im Flußbett lagernden Felsen, streckenweise sogar das Kiesgeröll, zutage tritt. Die Wassertiefe bei Niedrigwasser ist sehr verschieden; flache, seichte Stellen wechseln mit tieferen ab. Letztere erwecken bei Niedrigwasser den Eindruck stehender Gewässer. Dampfbarkassen verkehren nur zwischen Ada und Akuse. Weiter nördlich beschränkt sich die Schiffahrt wegen der vorhandenen Stromschnellen auf den Verkehr mit Kanus. Ein einzigesmal ist es bei Hochwasser einer Dampfbarkasse gelungen, V. aufwärts Kratschi zu erreichen. Da diese Fahrzeuge bei solcher Fahrt erheblichen Gefahren ausgesetzt sind, so ist dieser Versuch ohne praktische Bedeutung geblieben. Die englische Regierung hat im Jahre 1898 durch einen technischen Sachverständigen den V. weit über Kratschi hinaus auf die Möglichkeit seiner Befahrung mit flachgehenden Dampfern untersuchen lassen. Über das Ergebnis dieser Untersuchungen ist nichts bekannt geworden. Zu praktischen Maßnahmen haben sie nicht geführt. - Die wichtigsten linken Nebenflüsse des V. sind der Daka, der Oti. (s.d.), der Asuokoko (s.d.), der Konsu und der Daji. - Der Daka (Asantebezeichnung) wird von den Guangstämmen Lakä, von den Nanumba und Dagomba Kulukpene genannt. Er entspringt in den Northern Territories der Goldküste unweit Batani in einer Seehöhe von etwa 220 m; in seinem obersten Laufe bildet sein Talweg nur eine kurze Strecke weit die Grenze zwischen dem deutschen und englischen Gebiet. Vom Einfluß des Kuluselong ab bis, zur Mündung, also in seinem Mittel- und Unterlauf, dient sein Talweg wiederum als Landesgrenze. Für die Schiffahrt hat der Daka noch keinerlei Bedeutung erlangen können. Die Kanus der Eingeborenen, welche häufig so klein sind, daß nur ein einzelner Mann darin Platz nehmen kann, dienen fast ausschließlich der Fischerei. Der Höhenunterschied zwischen Hochwasser- und Niedrigwasserstand ist besonders in regenreichen Jahren ein ganz außerordentlicher. Bei einer im Oktober 1901 zu Vermessungszwecken unternommenen Fahrt auf dem Daka zwischen Djonajile und seiner Mündung in den Volta war der Daka so hoch gestiegen, daß sich die Kanus durch die in Schluß geratenen Baumkronen der Uferbewachsung stellenweise mühsam den Weg Bahnen mußten. Nur in seinem untersten Teile, etwa zwischen Banda und der Einmündung in den Volta wird er auch zu Handelszwecken, jedoch nicht. in nennenswertem Maße, befahren. Der Daka enthält bei Wujae und bei Dindo ziemlich starke Stromschnellen. Der Konsu entspringt in der Gegend von Assatu in dem dem zentralen Togogebirge vorgelagerten Bergzug Oprána und mündet in den V. unweit Kwamikrum. Er ist im wesentlichen ein Gebirgswasser, dem eine Bedeutung für den Verkehr nicht zukommt. - Der Daji entspringt in der gleichnamigen Landschaft Daji im zentralen Togogebirge. Er durchfließt ein breites Tal, welches durch das zentrale Togogebirge einerseits und die ihm vorgelagerten Bergzüge von Bailka, Kunja und Kpandu andrerseits gebildet wird. Als Wasserstraße hat er keine Bedeutung.

v. Zech.