| Vulkan (s. Tafel 75, 141, 150). Unter einem
V. kann man jedes
selbständige Formengebilde verstehen, welches durch das zur Erdoberfläche
aufgestiegene Magma oder durch explosiv vom Magma freigewordene, bis zur
Atmosphäre gelangte Gasmassen geschaffen worden ist. Die Formengebilde
können
sehr verschiedenartig sein: Flächen, Vertiefungen, Erhebungen; das
Wesentliche
ist das Vorhandensein eines Verbindungskanals vom Magmaherd bis zur
Oberfläche.
Als Vater aller vulkanischen Vorgänge ist das Magma zu betrachten, eine
gasdurchtränkte, silikatische Schmelzmasse, die in unbekannten Tiefen der
Erdkruste ihren Sitz hat und durch sehr hohe Temperaturen ausgezeichnet
ist. Ob dies Magma in zusammenhängender Schicht den ganzen inneren Erdkern
umgibt, oder ob nur mehr oder minder große Ansammlungen dieses
Schmelzflusses
in begrenzten Räumen vorhanden sind, wissen wir nicht. Dagegen wissen wir
durch Untersuchung der geförderten vulkanischen Gesteine, daß dieselben
unter sich manchmal auf weite Strecken hin doch, trotz vielerlei
Unterschieden
im einzelnen, stoffliche Verwandtschaft zeigen; soweit als diese
Verwandtschaft
in den Eruptivgesteinen der Oberfläche erkennbar ist (petrographische
Provinz),
muß mindestens auch im Erdinnern die Ausdehnung der zugehörigen
Magmakammer
oder -schliere reichen. Was das Magma zum Aufsteigen bringt, ist uns noch
unbekannt; die Beobachtung aber, daß V. und vulkanische Gesteinsmassen
hauptsächlich
an Faltengebirge (und zwar besonders an die Innenseiten der Bögen, z. B.
wahrscheinlich im Gebiet von Neuguinea und Neupommern) oder an Bruchgebiete (so in Kamerun
und besonders auffällig in Deutsch - Ostafrika) geknüpft sind, hat zu der
Anschauung geführt, daß tektonische Bewegungen der Erdkruste, die durch
Schrumpfung der Erdrinde infolge Wärmeverlustes erfolgen sollen, das Magma
befreien oder sogar geradezu herausquetschen. Später haben sieh aber die
Beobachtungen gehäuft, wonach man annehmen muß, daß das Magma nicht passiv
an die Oberfläche gebracht zu werden braucht, sondern auch aktiv sich
selbst
einen Weg dahin bahnen kann, sei es durch fortgesetzte Explosionen oder
durch Aufschmelzen des darüber liegenden Gesteins oder aber durch
Abbröckelung
desselben infolge der Hitze und nachträgliche Auflösung der
herabgestürzten
Gesteinsmassen. -Wenn das Magma in die Nähe der Oberfläche kommt, so kann
es unter Umständen bereits erkennbare Wirkungen auf diese ausüben;
entweder
mag es sich zwischen vorhandene Schichten eindrängen und die oben
lagernden
emportreiben, aufwölben (also Lakkolithberge erzeugen, deren freilich
keiner
in den Kolonien nachgewiesen ist), oder
es können Explosionen in der liefe erfolgen, die das Gestein an der
Oberfläche
entweder zerrütten oder aber unter Hinterlassung einer schacht-,
kesseloder
trichterförmigen Vertiefung durchbrechen, wobei die losgerissenen
Gesteinsfragmente
für sich allein oder mit zerspratztem Magma vermengt in den Schlot
zurückfallen,
zum Teil auch oft rings um die. Öffnung als Wall sich anhäufen. Diese H
ohlformen, deren Grund in vielen Fällen durch Seen ausgefüllt ist, benennt
man Maare oder Explosionskrater. Dergleichen
Maare sind sowohl in Kamerun als in Deutsch - Ostafrika mehrfach
nachgewiesen
worden, so in Kamerun der Große und der Kleine Ndüsee, neben manchen, andern, bei denen der
Ursprung
minder sicher ist, in DeutschOstafrika der Balbal am Meru, der
Schwalbenkrater
(150 m tief, ca. 500 m Durchmesser), und der Embagai, nahe dem Kerimassi
und einige weitere im Tungobeschplateau. Nicht selten sind auch ähnliche
Explosionsgebilde, die von seichteren Herden aus gebildet worden sind, an
V. und in Kratern; so sind 2 große runde Eruptionsschächte (von 555 und
460 m Durchmesser) in dem großen Graf Götzen - Krater des durch die neue
Grenzbestimmung allerdings aufs belgische Gebiet gefallenen Niragongo -
V. nördlich vom Kiwusee vorhanden. -
Während
in vielen Fällen der einmal geschaffene Schlot nicht weiter benutzt wird
und von Bruchstücken des Anstehenden und von vulkanischen Lockermassen
ausgefüllt
bleibt (Tuffmaare), ist in anderen Fällen Lava in ihnen aufgestiegen und darin erstarrt
(Lavamaare).
In sehr vielen Fällen erfolgen aber häufigere Ausbrüche aus dem einmal
geschaffenen
Verbindungskanal, und wenn die Lava durch Explosionen zerspratzt wird, so
bilden die ausgeworfenen Lockermassen (Sande, Aschen, Lapilli, Schlacken,
Bomben, Blöcke) zunächst ringförmige Wälle um die Öffnung herum und bauen
sich bei fortdauernden neuen Ausbrüchen allmählich zu steilen
Aufschüttungskegeln
auf, deren Spitze durch einen Krater abgestumpft ist. Ein Beispiel eines
solchen Locker- oder Tuff - V. ist der steile
Lengai in Deutsch - Ostafrika, der noch immer Zeichen der Tätigkeit
aufweist.
In sehr vielen Fällen kommt neben explovisen Ausbrüchen aber auch
ruhigeres
Ausfließen von Lava vor, sei es daß diese im Krater aufsteigt, denselben
schließlich ausfüllt und an der tiefsten Stelle seiner Umwallung
ausfließt,
wie das häufig auf Savai'i (Samoa) beim Matavanu - Ausbruch, 1905 und 1906,
erfolgt
ist, oder daß an irgendeiner Stelle der Hänge die Lava heraustritt und
bergabwärts
als Lavastrom abfließt, wie z. B. am 27./28. Juni 1887 am Manam (Deutsch-
Neuguinea).
Die Lavaströme und die bei Flankenausbrüchen zu ihnen hinführenden Gänge
verfestigen das Gefüge eines V. Man nennt derartige, teils aus
Lockermassen,
teils aus Lavaströmen und Gängen aufgebaute V. Strato- V. oder gemischte
V. Sie sind in den afrikanischen Kolonien weit verbreitet, herrschen aber
noch mehr in Deutsch-Melanesien und den Marianen
vor. Wenn an V. Flankenausbrüche erfolgen, so findet aber häufig kein
ruhiges
Ausfließen der Lava statt, sondern oft treten auch kleine explosive
Ausbrüche
auf, bei denen Schlackenwälle oder Schlacken- und Aschenkegel
aufgeschüttet
werden. Derartige parasitische Kegelchen findet man zahlreich an den
Hängen
oder am Fuß von V.en, so vielfach in Kamerun und in Deutsch-Ostatrika, zum
Teil aber auch in der deutschen Südsee. In den letzten Jahren ist am
Namlagira
mehrfach die Bildung parasitischer Kegelchen neben starkem Lavaerguß
erfolgt,
so im Mai 1904 (Adolf - Friedrich - Kegel) am Südwestfuß, im Juli 1905
(Kanamaharage)
am Ostfuß, und 4. Dez. 1912 bis 2. Jan. 1913 wieder am Südwestfuß. - V.,
bei denen der explosive Ausbruchstypus vorherrscht, wachsen zwar vielfach
durch neue Aufschüttungen in die Höhe; aber gelegentlich auftretende
starke
Explosionen sprengen auch wohl größere oder kleinere Teile des Kegels weg
und können dadurch den Berg plötzlich ganz bedeutend erniedrigen. Das
bedeutsamste
derartige Ereignis in den deutschen Kolonien war der Ausbruch der
Ritterinsel
(Deutsch - Neuguinea). Dieser Insel - V., der Ende März 1700 von Dampier,
am 29. Juni 1793 von d'E ntrecasteaux tätig gesehen wurde (beide Male
sowohl
explosive Ausbrüche als Lavastromerguß), wurde 1827 von Dumont D'Urville
als 780 m hoher Kegel gefunden. Auch v. Schleinitz bildete ihn noch als
steilen Kegel ab. Nachdem er aber schon 1887 lebhaft tätig gewesen war,
erfolgte am 13. März 1888 etwa 5 1/2 Uhr morgens eine gewaltige Explosion,
die eine bedeutende Flutwelle hervorrief und die Gestalt des Vulkans
völlig
veränderte, indem nur noch ein 80 - 100 in hoher, halbkreisförmiger Krater
übrig blieb. - Während in diesem Falle die Trümmer des Berges im Meere
verschwunden
sind, sieht man auf der Ostabdachung des Meru in Deutsch-Ostafrika mehrere
Kubikkilometer betragende Steinmassen in unregelmäßigen Hügelketten,
zwischen
denen zahlreiche Seen liegen, ausgebreitet: offenbar die Überreste der
östlichen
Calderawand des Meru, die durch gewaltige Explosionen gesprengt und
hinabgestürzt
wurden. Während bei vielen Vulkanen der explosive Ausbruchstypus
vorherrscht
und demgemäß hauptsächlich lockere Auswürflinge den Berg aufbauen, wiegt
in anderen Fällen der effusive Typus vor, d.h. das ziemlich ruhige
Ausfließen
von Lava. Erfolgt der Ausfluß dünnflüssiger Lava aus langen Spalten, so
bilden sich mehr oder minder ebenflächige oder leicht geneigte Lavadecken
aus, wie solche in Kamerun und Deutsch - Ostafrika vielfach vorkommen.
Erfolgt
der Ausfluß dünnflüssiger Lava aus einer nicht durch große
Längserstreckung
ausgezeichneten, durch Explosionen oder durch Aufschmelzung von unten her
gebildeten Ausflußstelle, so entsteht bei häufig wiederholtem Überfließen
ein flachschildförmiger, aus einzelnen Lavabänken oder Lavaströmen
aufgebauter
V., ein Schild - V., wie solche in Deutsch - Ostafrika im Hochland der Riesenkrater zahlreich vorkommen, meist
durchaus
aus Laven aufgebaut, zuweilen aber auch Tuffzwischenlagen zeigend (Elanairobi und Lemagrut). Auch der gemeinsame Unterbau des Kibo und Mawensi (Kilimandscharo) ist nach Hans Meyer als
Schild
-V. aufzufassen. Wenn die ausfließenden Laven minder dünnflüssig sind, so
können kuppelförmige V.berge entstehen (Kibo). Wenn die Lava in den
V.schlot
nach dem Aufhören der Erregung zurücksinkt, so entsteht in der
betreffenden
Gegend eine schachtförmige Vertiefung, ein Rücksinkungskrater, von vielen
V.forschern
als "Caldera" bezeichnet. Diese Kraterschächte, die oft sehr steile oder
selbst senkrechte Innenwände haben, erreichen zuweilen sehr bedeutende
Dimensionen,
ganz besonders in dem von F. Jäger genauer erforschten Hochland der
Riesenkrater
in Deutsch - Ostafrika, wo der Ngorongoro einen Krater von 22 x 17 km
Durchmesser
aufweist. Zuweilen bleibt die dünnflüssige Lava auch lange Zeit im
Kraterschacht
stehen und zeigt ein herrliches Spiel von prachtvollen Lavafontänen, einer
machtvollen Lavabrandung und einer eigenartigen Fließbewegung, die einen
oder mehrere Lavaflüsse inmitten des feuerflüssigen Sees nach einer oder
mehreren grottenartigen Vertiefungen der Seitenwände hintreibt. Ein
solcher
feurigflüssiger Lavasee befand sich 1905/1911 in dem im August 1905
entstandenen
Krater des Matavanu auf Savai'i (Samoa); ein lange Zeit deutlich
hervortretender
Lavafluß ergoß sich in eine (oder zeitweise 2) Lavahöhlen (im NW und N)
und setzte offenbar seinen Lauf jenseits des Bergkegels, meist
unterirdisch
in einem langen Lavatunnel, bis zum Meere fort. Von überwältigender
Großartigkeit
war das Schauspiel, das der Lavasee des Matavanu bot, namentlich des
Nachts,
und der Lichtschein, der von ihm ausging, war so groß, daß weithin alles
taghell erleuchtet war (besonders bei bedecktem Himmel). Wenn zähflüssige
Lava aus einer Öffnung hervortritt, so bildet sie einheitliche rücken-,
dom- oder kuppelförmige Berge, die kraterlos bleiben oder höchstens
vereinzelte
Explosionskrater aufweisen. Das
Vorkommen solcher V.dome wird aus Kamerun und Ostafrika berichtet. Die
Entstehung
der einzelnen V. läßt sich häufig nicht sicher aus der äußeren Form
erschließen,
und zuweilen kann man nur dann Sicherheit darüber gewinnen, wenn durch
Erosion
oder Explosionsschächte usw. ein deutlicher Einblick in den inneren Bau
gewährt wird. Da nun z.B. die Insel Savai'i sehr jugendlich und durch
Erosionsrinnen
noch nicht tief hinein zerschnitten ist, so ist es noch nicht klar, ob
sie,
wie manche annehmen, ein Schild - V. ist, der (ähnlich wie der Mauna Kea
auf Hawaii) von zahllosen V.parasiten überdeckt wäre, oder ein
vulkanisches
Gebirge, d.h. ein vulkanisches Gebiet, in dem zahlreiche Ausbrüche an
immer
neuen aber benachbarten Punkten erfolgt sind, so daß an Stelle eines
einheitlichen
V.baus ein Agglomerat von zahlreichen kleineren neben- und übereinander
erbauten V.bildungen entsteht, manchmal in einer Weise angeordnet, daß ein
mehr oder weniger dom-, rücken- oder schildförmiges Gesamtgebilde
entsteht.
Da die letzten Ausbrüche, auf Savai'i (um 1690 bei Aopo im Westen, 1902 an 2 Stellen etwa in der Mitte,
1905/11 im Osten der Insel) jeweils an anderem Ort erfolgt sind, scheint
letztere Auffassung wohl diskutabel zu sein. - Ein vulkanisches Gebirge
stellt auch der große Kamerunberg dar.
dessen letzter Ausbruch im Mai 1909 wieder an einer andern Stelle (Okoli,
im Nordosten des Gebirges) stattgehabt hat, als der nach Traditionen nicht
sehr lange vorher (wohl um 1838) stattgehabte ähnliche Ausbruch des Robert
- Meyer - Kraters. Der aufsehenerregende Ausbruch am Kamerunborg 1909
wurde
durch zahlreiche, in Buea heftig wirkende Stöße angekündigt, die vom 26.
bis 28. April andauerten, feine Risse an Steingebäuden und starke
Erdrutsche
an Berghängen und Kratern hervorriefen. Am Abend des 28. April bemerkte
man zum erstenmal im Norden Feuerschein, und bei bald darauf vorgenommener
Untersuchung durch Dr. O. Mann und Bezirksamtmann
Kirchhoff stellte sich heraus, daß am Nordosthang des Fako in ca. 2400 m Höhe, etwa 3 km nördlich von dem
noch immer Kohlensäure und schweflige Säure aushauchenden Robert - Meyer
- Krater, zwischen zwei älteren Kratern sieh ein neuer Krater von 50 -60
m Durchmesser und ca. 70 m Höhe: gebildet hatte, der im Mai alle 2 - 3
Sekunden
explosive Ausbrüche hatte und jedesmal unter Donnergetöse Lavafetzen 100,
zuweilen 400 - 500 m hoch auswarf. Die Ostseite des Kraters war
aufgespalten;
ein Spratzlavastrom ging hier in wechselnder Breite (im Maximum mehrere
hundert Meter) ca. 4 km weit nach Osten. Im Juni erfolgten die Eruptionen
nur noch alle 8 - 10 Minuten; die Schlacken flogen teils senkrecht, teils
schräg. Die Lava bildete nun ein 800 - 1000 m breites, 4 km langes Feld
mit mehreren abzweigenden Strömen, Der Ausbruch hörte auf, ohne
nennenswerten
Schaden verursacht zu haben, da er sich auf unbewohnte Gegenden
beschränkte.
Die zahlreichen Kraterchen des Kamerunberges sind sehr häufig
hufeisenförmig
gestaltet un d weichen dadurch nicht unwesentlich von der typischen
Gestalt
der gewöhnlichen Aufschüttungskrater ab. Diese Abweichung der Gestalt
erklärt
sich in vielen Fällen dadurch, daß Lava an einer Seite ausgebrochen ist
und den Kraterwall zerstört hat. In sehr vielen Fällen ist diese
Erscheinung
aber dadurch zustande gekommen, daß während des Ausbruchs starker Wind
geherrscht
und. die Auswurfsmassen nach einer Seite geweht hat. Kann es ja doch sogar
vorkommen, daß trotz gewaltiger Lockerförderung bei einem großen Ausbruch
kein Berg entsteht, sondern nur ein Hohlraum, ein Explosionskrater
zurückbleibt,
während die Aschen- und Lapillimassen sich deckenförmig über ein
ungeheures
Gebiet verteilt haben. Der Wind spielt überhaupt eine große Rolle bei
Ausbrüchen
und kann auf eine Seite eines erumpierenden V.s den ganzen Schaden und die
gesamten Absätze konzentrieren. So hat z.B. während des Ausbruchs des Ghaie
(Neupommern) im Februar 1878 der damals herrschende NW - Monsun die großen
Massen des geförderten Bimssteins in der Hauptsache in den St. - Georgs
- Kanal hinausgeblasen, wo sie zwar eine Zeitlang ein Schiffahrtshindernis
bildeten, aber sonst keinen großen Schaden verursachten. Sollte sieh in
Zukunft ein, Ausbruch wieder zur Zeit des Nordwestmonsuns, also im
Nordwinter,
einstellen, so wäre die Stadt Rabaul also
kaum gefährdet. Wenn aber zur Zeit des Südostpassats, also im Nordsommer,
ein explosiver Ausbruch des Ghaie eintreten würde, so muß man erwarten,
daß große Massen von Lockermaterial auf Rabaul niederfallen müßten. Diese
würden dann wohl großen Schaden verursachen, wenn sie auf flachen Dächern
sich ansammeln könnten, bis die Konstruktionen unter dem wachsenden
Gewicht
zusammenbrechen würden; doch ist diese Gefahr nicht vorhanden, wenn die
Dächer steil sind, weil dann die Aschen und Bimssteine von selbst abrollen
würden. - In etwas anderer Weise hat sich der Wind auch beim Matavanu -
Ausbruch auf Savai'i betätigt. Wohl hat er auch hier die lockeren
Auswürflinge
nach Westen hin verfrachtet, aber mit ihnen auch die Salzsäuredämpfe, die
dem V. entquollen, und die salzhaltigen Wasserdämpfe, die an den
Eintrittsstellen
der Lava ins Meer sich erhoben; diese Dämpfe haben der Vegetation und den
Kulturen erheblichen Schaden zugefügt, wo sie noch in genügender
Konzentration
hinkamen. Der Wind ist aber nur einer der vielen Faktoren, die auf den
Verlauf
von Ausbrüchen und die Gestaltung der Gebilde Einfluß ausüben. Noch
zahlreiche
andere Modifikationen der Bedingungen kommen in Betracht. Wenn z. B., wie
häufig in regenreichen Gegenden, die Regenwässer in Kratern sich
angesammelt
und Kraterseen (s.d.) gebildet haben, so können.
explosionsartige
Gasaushauchungen nicht unmittelbar in die Atmosphäre erfolgen; es werden
dann bei leichten Explosionen Wasser und Schlamm in mächtigen Sprudeln,
oder aber in hohen Säulen emporgeschleudert, und bei starken Ausbrüchen
wird der ganze See samt seinem Bodenschlamm ausgeschleudert und stürzt
dann
in Form primärer Schlammströme an, den Außenhängen zu Tal, große
Verwüstungen
mit sich bringend. Ähnliche Wirkungen könnten auch entstehen, wenn ein
Lavastrom
über die eis- und schneebedeckten Hänge eines in die Schneeregion
hineinragenden
V.s flösse, und noch furchtbarer wäre ein Ausbruch unter dem Eise selbst.
Doch sind derartige Ereignisse bisher in den deutschen Kolonien nicht
vorgekommen.
Wohl aber hat man in deren Gebiet schon submarine Ausbrüche beobachtet.
So wurde von Lass am 5. Nov. 1861 -auf einer Sandbank, die offenbar das
Produkt vulkanischer Tätigkeit war - 5 Meilen nordwestlich von Narage oder
Gipps - Insel (Französische
Inseln)
im Meer eine 45 m hohe Springquelle beobachtet. Besser wenn auch immer
noch
nicht genügend beobachtet war der submarine Ausbruch in der Blanchebucht
(Neupommern), der am 4. Febr. 1878 erfolgte, wenige Stunden vor dem
Hauptausbruch
des oben erwähnten Ghaie. Nach heftigen Erdbeben, die in der Nacht vom 3.
zum 4. Febr. besonders stark waren, traten am Morgen des 4. Febr. 2
Flutwellen
auf, die einen großen Teil der Küstenlinie zerstörten. Bald darauf sah man
Dampfwolken von der Bucht aufsteigen in einer geraden Linie vom Ghaie bis
zur Stelle des submarinen Ausbruchs, der zur Bildung einer neuen Insel
(Raluan)
führte. Als Mitte Febr. desselben Jahres Brown die neue Insel betrat,
bestand
sie aus Bimssteinmassen und hartem, vulkanischem Gestein, aus dessen
Sprüngen
Rauch und Dampf hervorkamen. Das Land stieg langsam vom Nordwestrand bis
zur höchsten Erhebung (ca. 21 m) an, wo es fast senkrecht, an einer
großen,
becherförmigen Vertiefung endete; diese war von kochendem Wasser erfüllt,
das durch eine ca. 8 m breite Öffnung ins Meer abfloß. Das Wasser rings
um die Insel war bis auf etwa 4 Meilen mehrere Tage lang brühheiß gewesen,
so daß die Fische und Schildkröten getötet wurden. Der Insel - V.
war 3 oder 4 Tage lang tätig gewesen. Während seiner Bildung waren an
benachbarten
Stellen der Bucht Senkungen und Hebungen erfolgt. Als G. Brown 1897 die
Insel wieder besuchte, war ihre Höhe auf 9 m, ihr Umfang von 3 auf 2
Seemeilen
zurückgegangen - wahrscheinlich infolge von Senkung. - Die eigentliche
Bildung
der Insel ist nicht sichergestellt, da die einen Beobachter von
Aufschüttung,
die andern von Hebung sprechen. Wahrscheinlich ist die in der Hauptsache
aus lockeren Auswurfsmassen aufgebaute Insel submarin gebildet und erst
nachträglich gehoben worden, denn ihre flache Gestalt stimmt nicht mit der
suba?risch gebildeter Aufschüttungsgebilde überein, wohl aber mit der
submarin
gebildeter Tuffinseln. Wenn so explosive Lockerausbrüche unterm Wasser
ganz
besondere Erscheinungen und auch Formgebilde hervorrufen, sind submarine
Lavaergüsse, wie es scheint, hinsichtlich der entstehenden Formen nicht
wesentlich von suba?rischen verschieden, während natürlich die thermische
Einwirkung auf die Umgebung bedeutend sein kann. Auffällig sind aber
wieder
die geiserartigen Explosionserscheinungen, die, wie am Matavanu 1906/10
zu bemerken war, infolge des Niederstürzens von Lava ins Meer eintreten
können. - Manche bedeutsame Formmodifikationen von V.bergen entstehen auch
durch Verlegung der Eruptionsachse bei späteren Ausbrüchen, und häufig
kommt
es vor, daß von dem früheren Krater nur noch ein Rest übrig bleibt, der
den jüngeren V. stellenweise, oft fast konzentrisch umgibt (so ist z. B.
der Manenguba in Kamerun von dem älteren Elengum teilweise umwallt). - Auf
zahlreiche weitere Formmodifikationen kann hier nicht eingegangen werden.
- Wenn die vulkanischen Ausbrüche sich beruhigt haben, so erfolgen oft
noch
lange Aushauchungen von verschiedenartigen Gasen, zuweilen in so großem
Maße, daß man weithin sichtbare Rauchsäulen bemerken kann (so z.B. am Balbi
und Bangana auf Bougainville 1908). Von
V.en, die ansehnliche Gasemanationen besitzen, sagt man, daß sie sich in
solfatarischem Zustand befinden (so benannt nach dem viele schweflige
Dämpfe
aushauchenden V. Solfatara bei Pozzuoli am Golf von Neapel). Solche
solfatarische
V. sind in den meisten V.gebieten der deutschen Kolonien vertreten. Sehr
häufig sind Wasserdämpfe die stark überwiegenden oder die einzigen Gase
einer Aushauchungsstelle (Fumarole). Wenn die Exhalationen heißer Dämpfe
mit Grundwasser zusammenstoßen, so können sie Heiße Quellen (s.d.) und Geiser (s.d.)
bilden.
Nähern sich die V. noch mehr der Ruhe, so finden an ihnen oft nur noch
Kohlensäureemanationen
statt; Stellen, wo diese beträchtlich sind, nennt man Mofetten. Oft ist Kohlensäure auch in Quellen
enthalten
(Säuerlinge). Die vulkanischen Gebilde sind aber, ob groß oder klein,
langsamer
oder Rascher wieder der Abtragung und Zerstörung
ausgesetzt.
Schon gleich nach einem explosiven Ausbruch setzt diese ein: Aschenmassen
geraten an steilen Stellen ins Rutschen und hinterlassen furchenartige
Vertiefungen
auf ihrem Weg; noch viel häufiger aber erzeugen niedergehende Regenmassen
(sekundäre) Schlammströme, die große Mengen lockerer Auswürflinge nach
abwärts
schaffen und im Tiefland oft große Verheerungen anrichten können, wie
solche
glücklicherweise in unseren Kolonien noch nicht vorgekommen sind. Im Lauf
der Zeit arbeitet das fließende Wasser tiefe radiale Furchen und Täler an
den V.en heraus, der Wind beteiligt sich neben Insolation, chemischer Verwitterung und sonstigen Faktoren, im
Hochgebirge
auch Spaltenfrost, an der Zerstörung der V., und sehr energisch greift die
Brandung des Meeres die in seinem Bereich liegenden Gebilde an. Während
diese zunächst den V.fuß zerstört und rasch Steilabstürze an Stelle
gleichmäßig
geneigter Hangflächen schafft (z.B. in besonders auffälligem Maße an
manchen
der nördlichen Marianen- V.), greifen Wind und fließendes Wasser die
gesamten
Hänge an. Im Enderfolg sind aber alle gleich: sie präparieren die härteren
Gesteinsmassen heraus, die viel länger als die Lockermassen erhalten
bleiben.
In den deutschen Kolonien sind freilich die meisten V. jugendlich und
daher
von gut erhaltener Form; sehr stark abgetragene Ruinen sind selten; häufig
ist aber der Krater durch irgendein tiefes Tal (Barranco) an einer Seite geöffnet worden (so z.B.
Oldeani in Deutsch-Ostafrika oder Ghaie
auf Neupommern), oder es ist das Meer in den Krater eingedrungen und hat
Kraterhäfen gebildet, so z. B. in der Marianeninsel Maug
oder auf Garowe (Französische, Inseln): Peterhafen und den großartigen Johann -
Albrechthafen.
- Groß ist die geographische Bedeutung der V. in der Mehrzahl der
deutschen
Kolonien. Vor allem sind in der deutschen Südsee zahlreiche Inseln ganz oder fast
ausschließlich
durch Aufschüttung vulkanischer Massen (Laven oder lockere Auswürflinge)
gebildet worden; es ist also in solchen Fällen Landbildung erfolgt, und
es sind Stützpunkte für Siedlungen und Verkehr inmitten weiter Wasserwüsten geschaffen
worden.
Auch V. des festen Landes haben oft durch Lavenergüsse oder
Lockeraufschüttungen
die Grenzen des Landes weiter hinausgeschoben und damit einen Landgewinn
erzeugt - wie erst kürzlich 1905/10 auf Savai'i, wo freilich die
Küstengestaltung
durch die einfließenden Lavamassen nicht günstig beeinflußt worden ist.
V.ausbrüche im Innern des festen Landes schaffen zumeist eine Erhöhung des
Bodens, und vielfach ragen die V. so hoch empor, daß sie eine klimatische
Gliederung an sich selbst, und, in Gegenden mit einheitlichen,
vorherrschenden
Winden, auch einen starken Gegensatz zwischen der regenreicheren Luv- und
der regenärmeren Leeseite hervorrufen. Besonders stark ist die vertikale
Klimagliederung beim Kilimandscharo, der durch seine gewaltige Höhe (6010
m) die Grenze des ewigen Schnees und Eises bedeutend übersteigt. Aber
nicht
bloß Differenzen des Klimas und der Bodenformen mit all ihren
Rückwirkungen
auf Pflanzen, Tiere und Menschen schafft
die Entstehung von V., sondern zugleich auch eine starke Differenzierung
der Bodenbeschaffenheit, die in vielfacher Hinsicht bedeutsam für alle
biologischen
Verhältnisse ist. So ist die große Wasserdurchlässigkeit der vulkanischen
Gesteine und Tuffe ungemein bedeutungsvoll für die Wasserversorgung, die meist recht
schwierig
ist, und für die Art der möglichen Kulturen; wo aber genügende Feuchtigkeit vorhanden ist oder künstlich
zugeführt
werden kann und der Boden hinreichend zersetzt ist, da ist häufig
außerordentliche
Fruchtbarkeit zu beobachten, so daß derartige vulkanische Gebiete von der
Besiedlung besonders bevorzugt werden, obgleich die gelegentlich
auftretenden
Ausbrüche, die weite Strecken für kürzere oder längere Zeit der
wirtschaftlichen
Ausnutzung ganz entziehen können, und die häufiger sich einstellenden, oft
heftigen vulkanischen Beben ein Moment wirtschaftlicher Instabilität in
diese Gebiete hineintragen. Wichtig für weite, an sich nicht mehr
vulkanische
Gebiete ist die Tatsache, daß vulkanische Aschen oft von Winden weithin
verfrachtet werden und für die damit bedachten Gebiete geradezu wie Düngung wirken können. Meeresströmungen aber
entführen
oft Bimssteine und setzen sie an fernen Küsten wieder ab; bei ihrer
schweren
Zersetzbarkeit tragen Bimssteine aber meist nicht nennenswert zur
Fruchtbarkeit
der betreffenden Böden bei, können sie aber wohl, wenigstens physikalisch,
verbessern. Die jungvulkanischen Gebilde sind in sehr ungleichmäßiger
Weise
über die deutschen Schutzgebiete
verteilt.
Kiautschou und Togo sind frei davon; auch
Deutsch-Südwestafrika
weist keine jungeruptiven Bildungen auf, wohl aber neben älteren
Eruptivgesteinsdecken
einen alten Porphyrtuff - V. (Geitsegubib oder Großer Brukkaroß nördlich
von Berseba). Dagegen sind in Kamerun vulkanische
Bildungen
außerordentlich häufig. Wenn man absieht von dem (auch bereits auf
französischem
Boden liegenden) alten Rhyolit - V. Hamis el Hadjer, südlich vom Tsadsee,
und einigen mehr isolierten Vorkommen vulkanischer Gesteine im nördlichen
Kamerun, kann man mit Passarge 2 V.gebiete in dieser Kolonie
unterscheiden: die Ostkameruner V.region von Ngaundere,
wo hauptsächlich Basaltdecken auftreten, und die Westkameruner V.region,
die sich in der Fortsetzung der Guineainseln in breitem Streifen bis
Südamaua
(Hochland von Gaschaka), erstrecken und
neben Einzel - V. und Maaren Basalt und
Trachytdecken,
viele kleine Kraterkegel und V.dome und einige mächtige vulkanische
Gebirge
aufweisen. Während auf dem Hochland auf Basalt Trachyt
gefolgt ist, ist beim Kamerunberg der basische Charakter der
Förderprodukte
bis zur Gegenwart erhalten geblieben. Hat sich auch die Tätigkeit wie es
scheint hauptsächlich im Tertiär abgespielt, so ist doch auch die quartäre
Tätigkeit nicht gering gewesen; aber nur im Kamerungebirge
sind, soweit bekannt, Ausbrüche noch bis in die Gegenwart hinein erfolgt
(zuletzt 1909, s. oben; näheres über die vulkanischen Gebilde s. Kamerun,
Kamerun berg, Manenguba usw.). - In Deutsch-Ostafrika kann man mit Hans
Meyer 3 hauptsächliche V.gebiete unterscheiden, die deutlich in
Abhängigkeit
von Bruchbildungen der Erdrinde stehen: 1. Das Vulkangebiet im oberen
Kondeland,
nordwest lich vom Njassasee, das im Rungwe
- V. 3175 m erreicht und stellenweise noch heiße Quellen aufweist. 2. Das
Gebiet der Virunga- V. (s.d.), das im Muhawura
zu 4165 m aufsteigt und das in seinen westlichsten, durch die letzte
Grenzfestsetzung
freilich bereits außerhalb des deutschen Gebiets liegenden V.bergen Namlagira
(3052 m) und Niragongo (3469 m) bis in die jüngste Gegenwart
hinein tätig geblieben ist, und 3. das V.gebiet im zentralen Hochland von
Deutsch - Ostafrika, das im Kilimandscharo 6010 m, im Meru noch 4630 m
Höhe
erreicht. Der Formenreichtum der in diesem Vulkangebiet und seinen
isolierten
Vorposten auftretenden vulkanischen Gebilde ist (nach Jaeger)
ungemein groß: flach gewölbte und kegelförmige Lava - V., Strato - V. und
steile Aschenkegel, zahlreiche parasitäre und selbständige V.hügel mit und
ohne Krater, etliche Maare und ausgedehnte Lava- und Tuffdecken. Recht
mannigfaltig
sind auch die geförderten Gesteine, ohne daß es bisher möglich gewesen
wäre,
eine örtliche Gruppierung oder eine allgemein gültige Eruptionsfolge der
Laven nachzuweisen. Die meisten Essen des Gebiets sind seit lange untätig,
und nur der Meru und der Engai (Lengai)
haben
bis in die Gegenwart noch leichte Tätigkeitsäußerungen gezeigt. Am Olmoti
soll auch eine heiße Quelle vorkommen (s. Deutsch-Ostafrika). - In
Deutsch-Neuguinea
ist die eruptive Tätigkeit im Tertiär sehr ausgebreitet gewesen und hat
im Kaiser - Wilhelmsland, im Bismarckarchipel
und seinen Nachbargebieten, in den Salomon-, den Palauinseln
und den hohen Karolinen (außer Jap),
auch den südlichen Marianen zahlreiche Massen jungeruptiven Gesteins
(vorwiegend
Andesite) und Tuffe gefördert, die für die Oberflächengestaltung dieser
Gebiete sehr bedeutungsvoll geworden sind. Viel enger ist der Bereich der
rezenten vulkanischen Tätigkeit. Sie beschränkt sich in Deutsch - Melanesien
auf 3 Gebiete: 1. den Neupommernbogen mit seiner westlichen Fortsetzung;
2. das Gebiet der Gazellehalbinsel
und 3. das V.gebiet der Salomoninseln,
während in Deutsch-Mikronesien nur der
Marianenbogen moderne und zum Teil noch tätige V. umfaßt. - Der
Neupommernbogen
beginnt im Westen mit den dem Kaiser - Wilhelmsland vorlagernden
vulkanischen
Le Maire- oder Schouteninseln, die nicht nur stellenweise
heiße Quellen aufweisen (Kairu), sondern
auch
(Garnot, Blosseville und Lesson) in historischer Zeit
noch tätig gewesen sind (Lesson oder Bäm bis in die jüngste Gegenwart hinein). Die Le
Maireinseln
gehören einem schmalen Band der Erdkruste an, das gegenüber dem
eigentlichen
Neupommernbogen etwas nach Norden verschoben ist. Die ersten eigentlichen
Glieder desselben, Manam (V.insel) und Karkar sind mehrfach in historischer Zeit bis zur
Gegenwart tätig gewesen, während die Kronen- und die Longinsel seit längerer Zeit in Ruhe verblieben
zu sein scheinen. Von der Lottininsel wird noch Rauch- und
Dampfentwicklung
berichtet, die aber auf Ruk fehlt. Dagegen hat
sich die kleine Ritterinsel in
geschichtlicher
Zeit mehrfach durch energische Tätigkeit ausgezeichnet. Mit den beiden V.
Belowberg und Hunsteinberg, die beide leichte Emanationen
entwickeln sollen, beginnen die V. des eigentlichen Neupommern, die
sämtlich
der Nordküste folgen. Doch ist Tätigkeit unter all diesen nur vom Vater
und Südsohn in historischer Zeit bemerkt worden; auf
der Insel Lolobau oder Duportail am
Ostende
des Bogens sollen in einem Krater ebenfalls noch Dämpfe aufsteigen. -
Nahezu
senkrecht auf dem Neupommernbogen steht das nordwärts vorspringende, dicht
mit V. besetzte Geländeband, welches die Willaumezhalbinsel bildet. Sind
von den Vulkanen selbst auch: keine Ausbrüche bekannt geworden, so
zeichnet
sich doch die Umgebung der Hanambucht durch das Vorkommen einiger Geiser
und heißen Quellen, einer Solfatare, eines Schlammsees und mehrerer
Schlammvulkane
aus, und vom Willaumez- oder Raoulberg
ist ebenfalls schon leichte Tätigkeit berichtet worden. - Einige heiße
Quellen
sind auch auf Naraga, einer der durchaus
vulkanischen französischen Inseln, nachgewiesen, und unfern dieser Insel
hat (1861) ein unterseeischer Ausbruch stattgefunden (s. oben). Das
V.gebiet
der Gazellehalbinsel, ein etwa von NW nach SE streichendes, kurzes aber
ziemlich breites Band umfassend, beginnt mit dem schönen, ruhenden InselV.
Watom und setzt sich in den V. der Gazellehalbinsel
fort. Tätig waren in historischer Zeit der Ghaie und die V.insel Raluan
(s. oben). - Die Gesteine der beiden V.gebiete sind, soweit bekannt,
vorwiegend
Andesite, doch sind auch basaltartige Andesite und bimstein- sowie
obsidianartige
Dazite nachgewiesen. - Von Neumecklenburg kennt man keinerlei Anzeichen
noch fortdauernder vulkanischer Tätigkeit, wohl aber sind auf den
andesitischen
und basaltischen hibernischen Inseln Lir und Anir
heiße Quellen (auf letzterer auch ein Geiser
- Balamussón -auf ersterer bei Luisehafen Schwefelwasserstoffexhalationen)
bekannt. - Die größtenteils jungeruptiven Inseln der Admiralitätsgruppe,
die auf Lou und Pom viel Obsidian enthalten, besitzen, soweit bekannt, auch
einen zerstörten Strato - V. auf Lou. - Das dritte tätige V.gebiet
Deutsch-Melanesiens
ist das der Salomoninseln, dem auf Bougainville die tätigen V. Balbi (3100 m) und
Bagana (ca. 2000 m) angehören, während der
tätige Savo und die durch ansehnliche Solfatarentätigkeit bekannte Insel
Narowo (Simbo) den englischen Salomoninseln angehören. - Von dem aus
bedeutenden
Meerestiefen aufsteigenden Marianenbogen sind nur die nördlichen Glieder
(nördlich von Medinilla) rein vulkanisch und dabei sehr
jugendlich;
einzelne Vulkankegel zeigen noch Äußerungen der Tätigkeit (so der
nördliche
Kegel von Guguan, ferner der Nord- und
Südkegel
von Pagan, sowie Assongsong und Urakas, die beide in historischer Zeit ansehnliche
Ausbrüche hatten. - Die Samoagruppe ist fast ausschließlich aus
vulkanischen
(basaltischen) Gesteinen aufgebaut; ihre Tätigkeit in geschichtlicher Zeit
hat sich aber - abgesehen von einem weit im Osten erfolgten submarinen
Ausbruch
im Jahre 1866 - ganz auf die Insel Savai'i beschränkt, wo ums Jahr 1690
und in den Jahren 1905 - 1911 sehr starke effusive, 1902 aber. an 2
benachbarten
Stellen leichte explosive und effusive Ausbrüche erfolgt sind (s. oben).
Literatur: a) Allgemeine: C. W. C. Fuchs, Die vulkanischen
Erscheinungen
der Erde. Leipz. u. Heidelberg 1865, 2. Aufl. 1875. - G. Mercalli, I vulcani
attivi della terra. Milano 1907. - K. Schneider, Die vulkanischen Erscheinungen
der
Erde. Berl. 1911. - F. v. Wolff, Der Vulkanismus L Stuttgart 1913. -
b) Spezielle: 1. Ostafrika. Hans Meyer, Der Kilimandjaro. Berl. 1900. - C.
Uhlig, Vom Kilimandjaro zum Meru (Ztschr. Ges. f. Erdk., Berl. 1904, S. 627 ff).
-
F. Fülleborn, Durch das deutsche Njassa- u.
Ruwumagebiet. Berl. 1906. - H. Meyer, Deutsch - Ostafrika in: Das deutsche
Kolonialreich 1. Leipz. u. Wien 1909. - F. Jaeger, Das Hochland der
Riesenkrater, Mitt.
a. d. d. Schutzgeb. 1911 u. 1913, Erg. - Heft 4 u. 8. - Hans Meyer, Ergebnisse
einer Reise durch das Zwischenseengebiet Ostafrikas. 1911, Mitt. a. d. d.
Schutzgeb., Erg.-Heit 6. -
2. Kamerun. Ed. A. Esch, Beiträge zur Geologie
von Kamerun. Stuttg. 1904. - S. Passarge,
Kamerun in: Das deutsche Kolonialreich I.
Leipz. u. Wien 1909. - C. Guillemain, Bei
träge zur Geologie von Kamerun. 1909. -
K.Hassert, Das Kamerungebirge. Mitt. a. d.
d. Schutzgeb. 1911. - F. F. Thorbecke, Das
Manengubahochland. Mitt. a. d. d. Schutzgeb.
1911. -
3. Südsee. A. Pflüger, Einige
geol. Bemerkungen über den Bismarckarchipel,
Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1901 S. 113 ff. -
,F. Fritz, Reise nach den nördlichen Marianen,
Mitt. a. d. d. Schutzgeb. X V, 1902 S. 96 ff. -
E. Kaiser, Beitr. z. Petrographie u.
Geologie,
d. d. Südseeingeln (Jahrb. Preuß. geol.
Landesans
talt, XXIV, 1903 S. 91 ff. - K. L. Hammer, Die
geogr. Verbreitung der vulk. Gebilde
im Bismarckarchipel u. au/ d. Salomonen.
Gießen 1907. - M. Weber, Zur Petrographie
der Samoaiwein (Abh. k. bayr. Ak. d. Wiss.
II. Kl. XXIV. Bd. II. Abt. S. 289 - 310. -
Im. Friedlander, Beiträge zur Geologie der
Samoainseln (Ebenda XXIV 1910 S. 509 - 541).
Sapper.
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