Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 731 f.

Würmer. Als Würmer (lat. Vermes) faßte Linné noch alles zusammen, was er nicht bei den Wirbeltieren und den Insekten unterbringen konnte. Spätere Forscher haben von den W. Linnés mehrere Tierkreise abgesondert, namentlich den Kreis der Weichtiere (Mollusca), den Kreis der Stachelhäuter (Echinodermata), den Kreis der Hohltiere (Coelenterata) und den Kreis der Urtiere (Protozoa). Neuerdings will man nur noch die Ringelwürmer (Annelida) als W. gelten lassen. Wir fassen hier dagegen als W. alle Tiere zusammen, die sich durch einen meist sehr gestreckten Körper, durch einen bilateral - symmetrischen Bau.und durch eine weiche, selten am Rücken mit Schuppen bedeckte Haut auszeichnen (s. Tierformen). Die für unsere Kolonien besonders in Betracht kommenden Ordnungen der Wärmer sind folgende Von geringelten oder gegliederten Formen sind zunächst die Egel (Hirudinea) zu nennen, welche vorn und hinten mit einem Saugnapf versehen sind. Dann die stets parasitisch lebenden Bandwürmer (Cestodes), welche sehr flach gedrückt und sehr deutlich gegliedert sind. Die Zungenwürmer (Linguatulidae), ebenfalls parasitisch lebend, sind walzig und am Kopfende mit vier leicht erkennbaren Klammerhaken versehen. Dann das große Heer der freilebenden Ringel- oder Borstenwürmer (Chaetopodes), zu denen von Landtieren die nirgends fehlenden Regenwürmer, von Meerestieren, die bald durch lange Borsten, bald auch nur durch lappige Anhänge an den Körperseiten, mitunter auch durch einen Tentakelkranz um den Mund ausgezeichneten Polychaeta gehören. Von nicht geringelten und nicht gegliederten Formen sind die stielrunden Fadenwürmer (Nematodes), die flachgedrückten, frei lebenden Strudelwurmer (Turbellaria) und die ebenfalls flachen, parasitisch lebenden, mit Saugnäpfen ausgerüsteten Saugwärmer (Trematodes) zu nennen. Unter den freilebenden W. fallen besonders die Regen- W. auf. Die Regen - W. nützen, indem sie oberhalb der Erde ihren Kot entleeren und durch Eindringen in die unteren Erdschichten den Wurzeln der Pfanzen Öffnungen zum tieferen Eindringen schaffen. Sie schaden, indem sie oft zarte Planzenteile in die Erde ziehen. - Unter den Borsten- W. des Meeres ist der Palolowurm (s. Samoa 6) der bekannteste. - Die Egel sind meist Blutsauger. Aber nur wenige Blutegel (s.d.) fallen Menschen an. - Von den parasitisch lebenden W. wechseln viele den Wirt und gelangen erst beim zweiten Wirt zur Geschlechtsreife. Die Band - W. (s. Eingeweidewürmer d. Menschen und Bandwurmseuche) besitzen bei dem ersten Wirt als "Finnen" einen eigenartigen blasenartigen Körper. Unter den Saug - W. ist der Leberegel der bekannteste. Er kommt namentlich bei Schafen vor und lebt in Schnecken als Zwischenwirt (s. Leberegelseuche). - Die Faden - W. leben zum Teil frei, zum Teil parasitisch. Einen bis 10 cm langen, bei Insekten schmarotzenden W. (Gordius) findet man erwachsen frei im Wasser. Von dauernd parasitisch lebenden Formen seien genannt die großen, bis 40 cm langen Spul - W. (s. Eingeweide - W.), der bis 80 cm lange Guinea- Faden- W. (s d.), der bis 1 cm lange Afterwurm der Kinder (Oxyuris, s. Eingeweide - W.) und die noch kleinere Trichine (s. Fleischbeschau). Manche, kaum 1 cm lang werdende Faden - W. sind Pflanzenschädlinge. - Die Zungen- W. gehören trotz ihrer Wurmform zu den Spinnentieren. Sie kommen namentlich parasitisch bei Schlangen, zum Teil aber auch beim Menschen vor (Linguatula, Porocephalus).

Dahl.