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Waffen der Eingeborenen (s. farbige Tafel
Waffen und Schnitzwerke und Tafel 30).
1. Allgemeines. 2. Nah - W. (Schlagring,
Dolch, Schwert, Keule, Streitaxt, Speer). 3. Fern
- W. Wurfstock, Wurfkeule, Wurfholz, Wurfeisen, Schleuder, Bogen und Bogengerät,
Blasrohr, peerschlender, Wurfschlinge). 4. Schutz
- W. Parierstock, Schild, Rüstung, Helm).
1. Allgemeines. Werkzeug und W. sind ursprünglich dasselbe. Zähne und Nägel,
die Faust können Werkzeug oder W. sein; der spitze Stock, mit dem man Wurzeln
ausgräbt, ist dem Speer eng verwandt, die Keule dient dem Krieger und der
Rindenstoff bearbeitenden Frau. Nur durch den Zweck unterscheiden sich
ursprünglich Werkzeug und W., doch bildet er das Gerät für die besondere
Verwendung allmählich um, ohne doch eine unbedingt durchgreifende Scheidung
herzustellen; jedes ausgebildete Werkzeug kann als W. verwendet werden, und
manche W. können im Notfalle Werkzeuge vertreten. Andererseits sind einzelne W.
wie die Keule oder der Speer mit mehreren Geräten verwandt, während andere auf
dem Umwege über die Verwendung bei der Jagd sich wieder den Geräten nähern, wie
das nach Art einer Armbrust gebaute Fanggerät.
Ist also der Zweck oder die Absicht entscheidend, so er gibt sich die übliche
Unterscheidung von Schutz - W. und Trutz - W. oder Verteidigungs- und Angriffs -
W. Dabei stellen die letzteren Verstärkungen und Projektionen des Armes, die
ersteren der Haut und des Skeletts darüberdies sind die Schutz - W. durch die
Trutz - W. bedingt. Die Angriffs - W. sind entweder unmittelbare Verlängerungen
des Armes (Schwert) oder werden in die Ferne entsandt (Pfeil), (Nah -W., Fern -
W.), sie sollen ferner durch Stich (Speer) oder Hieb (Keule) wirken (Hieb - W.,
Stich - W.), wobei der letztere stumpf oder scharf sein kann. Die Fern - W.
endlich können nur durch die Muskelkraft des Armes geschleudert werden
(Wurfmesser) oder durch eine sie vervielfältigende Vorrichtung (Bogen). - Eine
wesentliche Vormehrung der Formen ergibt sich für einzelne W. daraus, daß sie im
Kriege und auf der Jagd verwandt werden. Die Jagd - W. ist gewöhnlich leichter,
aber vielgestaltiger, da der Jäger sie - der Wildart anpaßt. -Die Haupt - W.
gehen auf sehr wenige Urformen zurück.
2. Nah - W. Eine einfache W. ist der Schlagring (Mikronesien,
Westsudan).
Er besteht aus einem Griff, durch den die Enger der Faust gesteckt
werden,
und an der Außenfläche angebrachten Spitzen. Das Material ist Metall
(meist
Eisen), selten Holz, oder dieW. besteht aus einem Ring von verflochtenen
und versteiften Schnüren, an die z.B. Haizähne angesetzt sind. - Das Messer als Schneidewerkzeug ergibt zunächst den Dolch (s.d.), der Stich - W. ist. Gleichen Ursprungs
ist das für Hieb und Stich bestimmte Schwert, das eine gerade Klinge hat
(Massai, Sudan) oder eine gebogene, wobei die
Schneide
auf der konvexen (Sudan) oder auf der konkaven (Kongogebiet) Seite
liegen
kann., Zum Schwert, meist auch zum Dolch, gehört eine Scheide (Leder,
Fell, Holz), die schon das Steinmesser schützt, und an ihr befindet sich
eine Vorrichtung zum Tragen. Die dem Messer verwandte Säge scheint mit
den Reiß - W. der Mikronesier
zusammenzuhängen,
Stäben, die in einer oder mehreren Zeilen dicht mit Haizähnen besetzt
sind und in ihren kleinsten Formen Frauen -W. sind. - Auf den Knüppel
geht eine große Gruppe von W. zurück. Der einfache Sto ck ist bereits
eine W., der am Ende verdickte liefert die Keule, der zugespitzte lange
Stab den Speer. Die Keule besteht in einfachen Formen aus einem
geglätteten
Wurzelstock mit längerem oder kürzerem Stil (Afrika, Melanesien).
Die Beschwerung des Schlagendes kann indessen auch aus anderem Material
als Holz bestehen; so trägt der Stock (Stiel) am Ende eine Scheibe oder
einen Knauf aus durchbohrten Steinen (Neuguinea, Gazellehalbinsel).
Auch eine allmähliche Verdickung vom Griff zum Schlagende zeigen manche
Holzkeulen (Samoa, Neuhannover). Ist die Keule nicht rund, sondern
flach (Neumecklenburg), so
gewinnt
ihre Form Beziehungen zur Paddel (sog. Ruderkeule Ozeaniens), sie kann
dann an den. Haizähnen mit Kanten besetzt werden und eine Verbindung von
Hieb- und Reiß - W. ergeben; auch wird sie so flach, daß die Kanten
stumpfe
Schneiden bilden, man fertigt sie dann auch wohl ganz aus Stein statt
aus Holz. Eine besondere Form geht anscheinend nicht allgemein auf den
Knüppel zurück, sondern auf den der Fiedern beraubten Palmwedel, dessen
Stammende eine natürliche Verdickung bildet; er dient als W. und wird
in Holz mehr oder weniger kenntlich nachgebildet. Aus dem Stock, den ein
Stein beschwert, hervorgegangen, daher vielleicht mit der Keule, aber
besonders mit dem Hammer verwandt, ist endlich die als Hieb - W.
dienende
Streitaxt (Westsudan). Der Speer ist mitunter noch als Jagd - W. ein
langer,
dünner, zugespitzter Stock ohne jede weitere Bearbeitung. Der Regel nach
ist er indessen sorgfältig geglättet und gerundet. Er besteht aus dem
Schaft und der Spitze, der am entgegengesetzten Ende des Schaftes der
Schuh entsprechen kann. Oft sind die Speere
aus einem Stück Holz gearbeitet, doch ist auch dann die Spitze meist
deutlich
gegen den Schaft abgesetzt und durch einen Ornamentstreifen mit ihm
verbunden,
der auch zur Befestigung von allerlei, Schmuck dient, wie z.B. bei den
3 und mehr Meter langen Speeren von Neuguinea. Der Regel nach sind
indessen
Schaft und Spitze aus verschiedenem Material gefertigt. Holz, Rohr, Bambus liefert den ersteren, während die letztere
aus dem gleichen Material oder aus Knochen oder Metall, vor allem Eisen besteht, auch Horn, Stein und Glas kommen vor.
Die Form der Spitze ist höchst verschieden. Auf den Salomoninseln besteht die "Spitze" aus der
in der Längsachse liegenden eigentlichen Spitze und einer Anzahl
schaftwärts
von ihr aufeinanderfolgenden Wirteln aus angebundenen kurzen
Knochenspitzen.
Ebenso können Dornen, Krallen, Haizähne in Zeilen angebracht werden. Ein
natürliches Gebilde verwandter Anordnung ist der Rochenstachel, der in
Mikronesien als Spitze dient, und seinem
Vorbild
entsprechen große Speerspitzen aus Holz, deren sekundäre Zacken als
Widerhaken
erscheinen. In Afrika ist die meist eiserne Spitze mittels eines Dorns
in den Schaft eingelassen oder mittels einer Röhre (Tülle) aufgesteckt.
Sie hat der Regel nach Blattform und kommt in allen Größen vor;
gelegentlich
finden sich auch Widerhaken. Der Schuh, der vor allem Afrika angehört,
ist aus Eisen gefertigt und dient zum Teil als Gegengewicht für die
Spitze.
3. Fern - W. Schon ein Stein oder ein kurzer Knüppel sind Fern - W.,
aber auch Messer und Dolch, Keule und Speer, die Streitaxt bedürfen
keiner
oder nur geringer Änderung der Größe und des Gewichts, um als Wurf - W.
verwendet. zu werden, und viele Formen können gleichzeitig als Nah- und
Fern - W. dienen, während andere als Wurfstöcke,
Wurfkeulen, Wurfspeere besondere Gestalten
annahmen.
Die Wurfkeule ist ein kurzer gerader Stiel mit schwerem Knauf, das Wurf
holz ein flaches Holzstück mit zwei Kanten, das so über eine Kante
winklig
gebogen ist, daß ein kürzerer und ein längerer als Griff dienender
Schenkel
entsteht. Dieses Wurfholz (am bekanntesten als Bumerang der Australier)
ist im Sudan verbreitet und das Urbild des Wurfeisens (Wurfmesser), das aus ihm durch die Eisentechnik
entstand. Ursprünglich ein entsprechend gebogener Eisenstab, erhielt es
durch Anfügung von Spitzen und schneidenden Fortsätzen in verschiedener
Zahl und an verschiedenen Stellen, wobei gleichzeitig der Stab sich zu
einer Platte abflacht, sehr mannigfaltige, oft phantastische Formen, bei
denen schließlich ihr Wert als W. fraglich wird; das Verbreitungsgebiet
des (übrigens auch als Geld dienenden) Wurfeisens ist der westliche
Sudan
bis zum Kongowalde. - Unter den besonderen Vorrichtungen für den Wurf
ist zunächst die in Ozeanien
verbreitete,
in Afrika seltene Schleuder zu nennen, ein Stück Leder, Blatt, Zeug, das
jederseits in eine Schnur ausläuft und zum Wurf von Steinen dient. -
Weitaus
die wichtigsten Fern -W. sind indessen Bogen
(s.d.) und Pfeile (s.d.). Während
letztere
kleine Speere darstellen, gleich ihnen die verschiedensten Formen, zumal
der Spitze annehmen und nur durch die meist vorhandene Kerbe, ferner
durch
die Flugsicherung wesentlich von ihnen verschieden sind, ist es bisher
noch nicht gelungen, die Entstehung des Bogens in befriedigender Weise
zu erklären. Zur Ausrüstung des Bogenschützen
gehört der Pfeilköcher, meist ein an einem Ende durch den Boden, am
anderen
durch den abnehmbaren Deckel geschlossenes Rohr aus Holz, Leder, Flechtwerk, ferner ein über dem Handgelenk
angebrachter
Schutz gegen die nach dem Schuß zurückschnellende Sehne in Gestalt eines
Polsters, breiten Ringes oder eines spiralig aufgewundenen
Rindenstreifens
usw.; zur Unterstützung beim Spannen der Sehne dient in Afrika zum Teil
ein Spannring oder Spannmesser, d.h. Ring oder Messer mit einem
gekrümmten
Fortsatz, der die Sehne faßt. Aus dem Bogen ging die aus China zuerst
bekannt gewordene Armbrust (s.d.)
hervor, die kurze Pfeile schleudert.
- Das in Indonesien und Südamerika verbreitete Blasrohr findet sich auch
z.B. im Südwesten von Neupommern,
doch
ist es wesentlich Jagd - W., und die kleinen leichten Pfeile, die im
Rohr
durch Umwicklungen abgedichtet werden, sind größeren Organismen nur bei
Verwendung von Pfeilgiften gefährlich. - Um die Wurfweite des Speeres
zu erhöhen, sind in Australien, Neuguinea, in Jap,
dann in Amerika Speerschleudern im Gebrauch: Bretter oder Stäbe mit
einem
Widerlager an dem oberen Ende, gegen das der Speerfuß gelegt wird; die
Hand faßt Speerschleuder und Speer gleichzeitig und schleudert den Speer
ab, wobei die Speerschleuder als verlängerter Arm wirkt. In Melanesien
(Admiralitätsinseln) und Afrika (Togo) kennt man die Wurfschlinge, eine geflochtene Schnur oder
einen
Lederriemen, die um die Speere gewickelt werden, wobei ein Ende in der
Hand gehalten wird. Beim Wurf wickelt sich die Schlinge ab und gibt dem
Speer eine Drehung um seine Längsachse, wodurch die Treffsicherheit
zunimmt.
4. Schutz - W. Der Stock, der zum Hieb dient, kann ohne weiteres zum
Parieren des feindlichen Hiebes verwendet werden. Wird der Parierstock
in der Mitte verdickt geschnitzt, so daß man ihn hier an der Rückseite
unter Erhaltung eines Steges als Griff aushöhlen kann, so entsteht der
einfache Holzschild (Dinka). Versieht man den Stock in der Mitte, wo die
Hand ihn umfaßt, mit einem Lederbuckel als Handschutz, so erhält man den
Schild der Schaschi. - Aus diesen Anfängen erwachsen die Fellschilde,
die aus einem verschieden großen Fellstück bestehen, das ein Stab
stützt.
Statt des Fells wird auch hartes Leder verwendet. Das Verbreitungsgebiet
der Fell- und Lederschilde ist in Afrika der Sudan,
der Osten und Südosten; in Neuguinea kommt ein Fellschild am Kaiserin-Augustafluß vor. Die Formen
dieser Schilde sind meist rund oder
oval.
In Westafrika einschließlich des Kongogebiets herrscht der
Geflechtschild
aus Rohr; auch Rinde und Holz werden verarbeitet. Hier ist an die meist
kantig begrenzte Schildfläche, die oft nach außen gewölbt wird, auf der
Innenseite ein Handgriff befestigt, der aus einem oder mehreren Stäben
besteht oder aus einem Brett, in dessen Mitte ein Griff freigeschnitzt
ist. In Melanesien finden sich Geflechtschilde neben Holzschilden von
länglicher oder runder (Neuguinea) Form, die aus einem Stück geschnitten
oder aus breiten Holzleisten (Neupommern, Südwesten) zusammengesetzt
sind;
die Holzschilde können auch beflochten werden, was wohl zum Schmucke
dienen
soll; sie werden ferner bemalt und geschnitzt. Mitunter tragen die
Schilde
Eigentumsbezeichnungen, und aus der Bemalung der Massai - Schilde kann
der Kundige die ganze militärische Laufbahn ihrer Träger entnehmen. -
Während der Schild auch in der großen und schweren Form des Setzschildes
(Neuguinea) oder des Pferd und Reiter schützenden runden Lederschildes
(Togo) eine bewegliche W. darstellt, die leicht abgelegt werden kann,
ist die Rüstung fest mit ihrem Träger verbunden. Ihr Ursprung ist nicht
sicher bekannt; breite, flächenhafte Schmuckstücke können ebenso zu
seiner
Erfindung geführt haben wie Kleidungsstücke oder große Schilde. Aus
hartem
Fell sind die Panzer der Neger im mittleren bis Westlichen Sudan gefertigt,
die von der Achsel bis zur Hüfte reichen, aus Geflecht die von Neuguinea, die ebensoviel vom Körper decken.
Diesen
wenig schmiegsamen W. schließen sich die Rüstungen aus netzartig
gearbeiteten
Kokosschnüren an, die aus Hose und Ärmeljacke bestehen und von den
Guilbertinseln
her nach den Karolinen gebracht
werden.
Sie lassen nur Hände und Füße frei, den Leib schützte mitunter ein
breiter
starrer Gürtel aus Rochenhaut. Vereinzelt stehen in Afrika die Wattepanzer
des Tsadseegebietes. Es sind mantelartige Rüstungen für den Reiter und
Decken für das Pferd, die, am Kopf beginnend, über den Hals und Rücken
reichen und nur die Füße vom Unterarm und Unterschenkel ab freilassen.
Sie werden heute aus zwei Stoffstücken, zwischen denen grobe Watte
liegt,
zusammengesteppt; ihr Vorbild ist unbekannt, dürfte aber in Westasien
gesucht werden. -Endlich ist der Helm zu
erwähnen. Der Schutz des Kopfes spielt bei Naturvölkern keine große
Rolle.
Frisuren und Kopfschmuck sind seine Vorläufer, wo er ausgebildet ist,
handelt es sich wohl der Regel nach um Nachbildungen europäischer oder
asiatischer Vorbilder; so kommen am Tsadsee
entlehnte kaukasisch - persische Formen vor und topfartige, heute aus
Blech hergestellte der Wattepanzerreiter. Auf Nauru
trug der gerüstete Krieger eine schwere runde Kappe aus Kokosgeflecht;
auf den Guilbertinseln kam der Helm aus der getrockneten Haut des
Igelfisches
vor. S.a. Bewaffnung.
Thilenius.
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