Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 652

Waganda, Baganda, wie sich selbst nennen, die Bevölkerung des Reiches Uganda im Norden und Nordwesten des Victoria Njansa. Die W. sind in ihrer Hauptmasse Bantu, wie die Wanjambo (s.d.) von Karagwe und die Wahutu (s.d.) von Ruanda; sie sind Ackerbauer und werden Bakopi genannt. Über ihnen lagert, wie im übrigen Zwischenseengebiet auch, eine herrschende Schicht eingewanderter Fremdlinge, die nach Stuhlmann zwar ebenfalls von Norden gekommen ist, von den Wahuma (s.d.) aber ziemlich unabhängig zu sein scheint. Von den Umwohnern weichen die W. zunächst durch den Mangel jeder Körperverunstaltung, auch der Beschneidung ab, sodann durch ihre Kleidung, in der sie bis fast in die Gegenwart hinein den aus der Rinde von Fikusbäumen geklopften Baststoff (mbugu) bevorzugten. Auch mit Ritzornamenten verzierte und mit Otterfell besetzte Sandalen gehören zum Anzug. Unter den Waffen fehlten Bogen und Pfeile. Zum langen Speer trat der Schild, der aus einer leichten, mit Calatheageflecht übersponnenen, Holzplatte besteht. Sehr saubere Erzeugnisse liefert die Technik der W.; sowohl ihre Tongefäße und Tonpfeifen, wie die Flechtwerke und Musikinstrumente sind Muster an Eleganz. Die Hütte hat die Form eines riesigen Bienenkorbes mit bis zur Erde reichendem Grasdach und weit vorspringender, verandaartig überdachter Türöffnung. Hauptfrucht des, Feldbaues ist die Banane; ihr folgen Bataten, Bohnen, Zuckerrohr. Das kurzhörnige Buckelrind wird von Wahumahirten gehütet. Vor Eintritt der englischen Herrschaft standen die W. lange unter einem Kabaka genannten König. Dieser war zwar Herr über Leben und Besitz aller Untertanen, doch. war er in. seinen Entschließungen sehr durch die Großen des Landes eingeengt. Zudem stand neben ihm als Mitregentin die lubuga, seine leibliche Schwester. Über den Bakopi, den freien Bauern, steht der Adel, die batacka, deren zahlreiche Familien sich nach je einem bestimmten, von ihnen heilig gehaltenen Tier benennen (Totemismus [s.d.]). Neuerdings werden die W. sehr stark von der Schlafkrankheit (s.d.) heimgesucht, die bereits große Teile des Landes in eine menschenarme Einöde verwandelt hat.

Literatur: Speke, Journal of the discovery of the source of the Nile. Lond. 1863. - Stanley, Durch den dunklen Weltteil. Lpz. 1878. - Wilson u. Felkin, Uganda und der ägypt. Sudan. Stuttg. 1883. - Felkin, Notes on Uganda (Proc. R. Geogr. Soc. Edinburgh, Bd. XIII) . - Ashe, Two kings of Uganda. Neue Ausg. Lond. 1897. - Stuhlmann, Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Berl. 1894. - Kollmann, Der Nordwesten unserer ostafrikanischen Kolonie. Berl. 1898. - Johnston, Zhe U. Protectorate, 2 Bde. Lond. 1902. - Cunningham, Uganda and its people. Lond. 1913.

Weule.