| Waheia, Wahaia,
Gesamtbezeichnung
für eine Reihe von Landschaften in Deutsch-Ostafrika auf dem südlichen
Westufer
des Victoria Njansa, zwischen Uganda im Norden, Karagwe im Westen und Ussindja im
Süden. Es sind das von Norden nach Süden: Buddu,
Kissiba, Bugabu mit den Waendagabu, Kjamtwara mit den Wajossa, Kjanja mit
den Wahamba, Ihangiro mit den Waniahangiro und Kimoani. In Karagwe und an der Küste, auch in der
Literatur, hat man die Bezeichnung Wassiba,
also den Namen der Bevölkerung einer der nördlichen Landschaften,
fälschlicherweise
auf die Einwohnerschaft aller "Reiche" übertragen. Sie selbst nennen sich
jedoch nur, Waheia (Wahaia). Von den Wahuma (s.d.), die auch hier wie im
ganzen übrigen Zwischenseengebiet die Herrschaft führen, werden sie Weru (Ueiru) oder Waweru, d.h. Sklaven, genannt. Die Bevölkerungszahl der
einzelnen
Landschaften beträgt nach der amtlichen Zählung von 1912: Buddu 9672,
Kissiba
33 878, Bugabu 19 106, Kjamtuara 22 541,
Kjanja 48 576, Ihangiro 39 237, Kimoani 3084. Rechnet man auch die
Bevölkerung
von Karagwe mit zu den W., so erhöht sich
die Zahl noch um 27 387. - Die W. sind körperlich ziemlich günstig
ausgestattet.
Bis in die jüngste Zeit hinein bestand die allgemeine Tracht aus einem
Schurz
und hier und da auch einem Mantel aus Raphiafasern (s. Tafel 201), doch
gingen die jungen Mädchen, auch die vollkommen erwachsenen, in Kjamtuara
völlig nackt. Durch eingeführten Kattun ist die Raphia- wie auch die Fell-
und Rindenstoffbekleidung stark zurückgedrängt worden. Allgemeiner Schmuck
sind dicke Wülste feiner Ringe um Hand- und Knöchelgelenk (njerere). Sie
werden aus Kuhschwanzhaar gefertigt, das mit reich gemusterter
Drahtumwicklung
umgeben ist. Waffen sind lange Lanzen,
meist
ohne Eisenklinge, aber mit im Feuer gehärteter Spitze, und lange
Haumesser.
Der Schild ist eine riesige, mit Geflecht überzogene Korkholzplatte. - Die
Dörfer der W. liegen vollkommen im Grün der riesigen Bananenhaine
versteckt,
die das ganze Land bedecken. Die Hütten sind bienenkorbförmig; ihr Boden ist mit
Heu bedeckt. Hauptnahrungsmittel ist die Banane in mannigfaltigster
Zubereitung;
Gegenstand der eifrig betriebenen Viehzucht
das Großhornrind. Reich sind die W. an Musikinstrumenten; die einzelnen
Häuptlinge leisten sich richtige Hofkapellen.
In der Technik stehen die höchst sauberen und feinen Flechtarbeiten
obenan.
Ihre Boote ähneln denen der Waganda. In
Kriegszeiten pflegen die W, sich und ihr zahlreiches Vieh in den vielen
und geräumigen Höhlen zu verstecken, die für das Land charakteristisch
sind.
Regierungsform ist die Monarchie; es herrscht unbedingte Heeresfolge. Die
herrschende Schicht gehört teils den Wahuma
(s.d.), teils den Wahinda
(s.d.) an. Diese, in denen wir die früher ins Land gekommenen Hamiten (s.d.) zu sehen haben, stellen überall die
Herrscher, die spätere Welle der Wahuma den Adel.
Literatur:, Stuhlmann, Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Berl.
1894.
Hermann, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1894. Kollmann, Der - Nordwesten unserer
ostafrikanischen Kolonie Berl. 1898. - Graf Schweinitz, In Deutsch-Ostafrika in,
Krieg und Frieden. Berl. 1895. --
Richter Der Bezirk Bukoba. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1899. - Rehse,
Kiziba, Land und Leute. Stuttg. 1910.
Weule.
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