Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 661

Wakonde (nicht zu verwechseln mit den Makonde auf dem gleichnamigen Plateau nördlich vom unteren Rovuma), Gesamtname für die Bewohner des Kondelandes (s. Konde) am Nordende des Njassa. Nach Fülleborn gehören dazu die Stämme der Wabunduguli mit den Wanjakjusa, dem politisch und an Zahl bedeutendsten Stamm, und den Wanjakiwinga, die Wanjakihawa, Walugulu, Wakukwe und Wakasso. Insgesamt bevölkern diese Stämme, die zwischen 60 und 70 000 Seelen zählen mögen, die ganze Kondeebene und das benachbarte Bergland bis zur Höhe von 1600 m. - Physisch sind die W. ein schöner, kräftiger Schlag von heiterer Gemütsart, großer Intelligenz und Tapferkeit und nicht geringem Kunstsinn, welchen. Eigenschaften allerdings Unzuverlässigkeit, Neigung zur Lüge und zum Stehlen und Leichtsinn als Schattenseiten gegenüberstehen. Die Stellung der Frau ist bei ihnen weit besser und höher als bei den meisten anderen. Negerstämmen. Die Tracht beider Geschlechter bestand bis vor kurzem aus gefärbten Rindenstoffen und Blättern; neuerdings hat auch hier der Kattun die Herrschaft gewonnen. Waffen sind ein dünner, zierlich geschmiedeter Wurfspeer und ein derber Stoßspeer, dazu der Wangonischild als neue Errungenschaft, und ein halbzylindrischer Schild von Meterhöhe, dessen kunstvolles Gestell aus Holzstäben außen mit Kuhhaut überzogen ist, als altüberkommene Schutzwaffe (s. Tafel 40 Abb. 16 a b). Ein Überlebsel aus der uralten eisenlosen Holzzeit sind sog. Kampfstöcke, kurze, vorn zugespitzte und im Feuer gehärtete Holzlanzen ohne jede Eisenwehr. - Höchst bemerkenswert ist die Baukunst der W. Ihre Häuser sind entweder Kegelstümpfe mit dem Schmalende als Basis und mit aufgesetztem Kegeldach (s. Tafel 202) oder Viereckhäuser mit Satteldach (s. Tafel 202). Als Baumaterial kommt für beide ausschließlich Bambus in Frage, selbst für die hübschen Verzierungen auf der Außenseite der Doppelwand, indem man die Bambusstangen der Außenwand mit feinen Bambussegmenten durchflicht. Die Hohlräume zwischen den beiden Bambuswänden werden mit faustgroßen Lehmklößen ausgefüllt, die Innenwand hier und da glatt verstrichen. Alles in allem sind die Bauten ein Muster an Eleganz und Sauberkeit. Auch die in unabsehbaren Bananenhainen weit verstreuten Dörfer rufen mit ihren sauber gekehrten Plätzen und schönen Schattenbäumen (s. Tafel 201) diesen günstigen Eindruck hervor. - Unter den Beschäftigungen der W. steht die Viehzucht obenan. Nachts werden die Tiere in reinlich gehaltene große Ställe mit Scheunendach gebracht, in den kühlen, hochgelegenen Tälern von Oberkonde auch in die Wohnhütten selbst. Kuhmilch und Bananen sind die Hauptnahrung des Volkes. Neben den Bananen zieht man auch noch viele andere Nutzpflanzen mit großer Sorgfalt.

Literatur: Merensky, Deutsche Arbeit am Njassa. Berl. 1894. - Fülleborn, Das deutsche Njassa- und Ruvumagebiet. Berl. 1906. Elton and Cotterill, Travels and researches among the Iakes and mountains of Eastern and Central Africa. Lond 1879. - Kerr - Cross, Notes on the country lying between Lakes Nyassa and Tanganyika. Proc. Geogr. Soc. 1891. v. Elpons, Bericht über eine Bereisung des Kondelandes. KolBl. 1898. -Schumann, Grundriß einer Grammatik der Kondessprache. Mist. a. d. Sein. f. Orient. Spr. 1899.

Weule.