Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 662 f.

Walfang, die Erbeutung der Wale (s. Waltiere), die in früheren Jahrhunderten hauptsächlich auf den Fang des echten Grönlandwals (Balaena mysticetus Cuv.) gerichtet war, und damals mit Segelschiffen betrieben wurde. Nachdem der Grönlandswal infolge der rücksichtslosen Verfolgung durch Holländer, Hanseaten, Engländer, Schotten nahezu ausgestorben war, gelang es um 1860 dem Norweger Svend Foyn, durch Erfindung des Waldampfers, und der Walkanone die Möglichkeit zu finden, um die scheuen und wilden, aber minder wertvollen Finwale (Balaenopteridae) zu erbeuten. Die heute gebauten Waldampfer sind Schiffe von etwa 100 Fuß Länge, 19 Fuß Breite und 12 Fuß Tiefgang mit Maschinen von 350 - 375 PS. Auf dem Vordersteven steht die mörserartige Walkanone, die 4 Fuß lang ist und eine Harpune mit vier Widerhaken abschießt. An der Spitze der Harpune befindet sich eine Sprenggranate, am Ende eine mehrere hundert Meter lange Leine. Man schießt auf kleine Entfernungen. Der geschossene Wal wird entweder an eine Landstation geschleppt oder, neuerdings, auf schwimmenden Stationen, die sich an Bord eines den Fangdampfern folgenden, gewöhnlich etwa 5000 Tonnen großen Dampfers, des sog. "Kochschiffes" befinden, verarbeitet. Die gründlichste Verarbeitung erfolgt auf den Landstationen. Hier werden alle Teile des Wals verwertet, die Speckschicht zu Tran, das Fleisch, nachdem das Fett, aus dem ebenfalls Tran hergestellt wird, herausgezogen, zu Futtermehl, die Knochen, ebenfalls nach Extraktion des Fetts, zu Leim oder Knochenmehl verarbeitet. Aus allen Abfällen werden Düngemittel hergestellt. Bei Verarbeitung auf Landstationen werden pro Wal durchschnittlich 36 Faß, auf schwimmenden Stationen 24 Faß Tran gewonnen. Nachdem die Norweger von 1863 ab nach diesem Verfahren mit großem Erfolg in den arktischen Gewässern den W. betrieben hatten, sind sie neuerdings, seit 1906 in immer steigendem Umfange zur Ausbeutung der südlichen und antarktischen Gewässer übergegangen. Im Jahre 1906 waren im "Südfeld" 1 Station mit 2 Dampfern tätig, 1911 waren es schon 26 Gesellschaften mit 60 Fangdampfern. 1906 wurden im Süden 185, 1911 12 635 Wale erlegt. Gewonnen wurde in 1911 im Süden 306 000 Fässer Tran im Werte von 19 500 000 Kronen gegenüber 4200 Fässern im Jahre 1906. Einige der ergiebigsten Stellen der Erde für den W. befindet sich an der West- und Südküste Afrikas, wo der Fang von Mai bis November betrieben wird (s. Karte ). In Durban sind schon seit einigen Jahren Walfanggesellschaften mit großem Erfolge tätig. Im Jahre 1909 begann die in Sandefjord beheimatete norwegische Walfanggesellschaft "Viking" den Fang an der Westküste Afrikas mit dem Stützpunkt in Porto Alexandre (Angola). Die Gesellschaft hat ein Kapital von 600 000 Kronen, betreibt den Fang mit drei Fangdampfern und einem Kochschiff und beabsichtigt die Anlage einer Landstation. Für 1910 wurden 100 % Dividende, für 1911 bisher 50 % Interimsdividende bezahlt. Eine zweite norwegische Gesellschaft "Kastor" ist 1911 mit 800 000 Kronen für den Fang an der Küste Westafrikas gegründet, die den Fang mit zwei Fangdampfern und einem Kochschiff betreiben will. Zwei weitere norwegische Gesellschaften sind 1911 für Mosselbay und für Portugiesisch-Ostafrika mit zusammen 1 650 000 Kronen Kapital gegründet, von denen die erstere eine Landstation mit Guanofabrik errichtet hat. Leider hat man in Deutsch-Südwestafrika viel zu lange gezögert, sich einen Anteil an den ungeheuren Erträgen zu sichern, welche der W. in Südwestafrika zurzeit abwirft. Nachdem auch in Walfischbai zwei W.gesellschaften sich niedergelassen haben, sind endlich im Jahre 1912 auch in deutschem Gebiet zwei Gesellschaften entstanden. für Sturmvogelbucht die deutsche Walfang-Gesellschaft "Sturmvogel" in Bremen mit einem Kapital von 920 000 M und für Swakopmund ein mit 1 Mill. M fundiertes Unternehmen der deutschen Firma Mohnhaupt & Co. in Durban, das 5 km nördlich von der Stadt eine Landstation errichten will. Der W. bietet auch noch für die nächsten Jahre an der Küste Westafrikas - auch in Kamerun, wo in den Monaten August und September häufig Wale beobachtet sind Aussichten auf große wirtschaftliche Erfolge.

Lübbert.