Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 663 f.

Walfischbai, geräumige Bai etwa in der Mitte der Küste von Deutsch-Südwestafrika im gleichnamigen britischen Territorium, Der Name stammt wohl von dem früher häufigeren Auftreten von Walen in diesen Gewässern. Die W. verdankt ihre Entstehung dem allmählichen Fortschreiten einer sie im Westen gegen das offene Meer abschließenden Nehrung und bildet so ein geräumiges, gut geschütztes, und nach Norden offenes Becken im Mündungsgelände des Kuiseb (s.d.), das allerdings bis auf 1 km vom Strande nur Fahrzeugen mit sehr geringem Tiefgange das Ankern gestattet. Nach dem Innern zu ist sie gegen freiere Wüstenflächen der Namib durch einen breiten, schwer passierbaren Dünenwall abgeschlossen. Hier, innerhalb des Grundwassergebietes des Kuiseb, findet sich in großer Menge die Naramelone, eine eßbare Frucht, deren Kerne in früherer Zeit in ziemlich großer Menge nach Kapstadt ausgeführt wurden. Die Niederlassung, von rund 30 Weißen mit ihrer zumeist hottentottischen Dienerschaft bewohnt, ist unmittelbar in dem fast immer trocken liegenden Bette der erwähnten Flußmündung gelegen, während die Eingeborenen, etwa 700 an der Zahl, vorwiegend im Dünengebiet in der Nähe der Bucht ansässig sind. Die meisten von ihnen sind Hottentotten vom Stamme der Topnaar (s. Topnaarhottentotten), unter denen die Rheinische Missionsgesellschaft (s.d.) schon seit Jahrzehnten mit Erfolg gearbeitet hat. Das Territorium. W. umfaßt einen im Norden vom Mündungsbette des Swakop begrenzten schmalen Landstreifen, der eine Fläche von 1114 qkm einnimmt. Das Gebiet untersteht der Südafrikanischen Union und wird von einem britischen Residenten verwaltet. Der Schiffsverkehr ist seit dem Aufkommen von Swakopmund vollständig zurückgegangen und die Bedeutung der Bucht damit ebenfalls für alle Zeiten dahin. Ehedem war dies anders. Ursprünglich war W. der wichtigste Eingangspunkt in das Innere von ganz Südwestafrika bis in die Gegend von Gibeon. Von hier führte der Baiweg (s.d.) in verschiedenen Abzweigungen zu den Wasserstellen am unteren Kuiseb, die noch mehr benutzte Linie aber zu der Wasserstelle Usab im Tale des unteren Swakop und zum Khanflusse. Freilich wurde der Verkehr durch die Dünenregion und durch die Länge der wasserund futterlosen Strecke ungemein erschwert, hatte aber schon in den ersten Jahren nach der im Innern erfolgten deutschen Besitzergreifung einen nennenswerten Umfang angenommen. Seit 1890 wurde die Bai 11 - 12 mal im Jahre von einem kleinen, von Kapstadt aus verkehrenden Dampfer angelaufen und auch öfters von kleineren Kriegsschiffen aufgesucht. Dann aber kam die Zeit des Umschwunges. Seit dem Jahre 1893 trat Swakopmund völlig an die Stelle von W., und nun begann, zumal mit der Übersiedlung der größten deutschen Firma nach dort, der Verfall der ehemals recht belebten Hafensiedlung. Es ist nicht unwichtig, sieh diese Tatsache der völligen Verödung zugleich mit derjenigen der geringwertigen Verbindungsgelegenheit mit dem Innern und der völligen Wertlosigkeit des Territoriums außerhalb der Siedlungen an der Bucht gegenwärtig zu halten. Denn infolge dieser ihrer Beschaffenheit ist das Gebiet für Deutschland ganz ohne Nutzen, und es wäre völlig verkehrt, es bei Gelegenheit eines Vertrages mit England als Tauschobjekt in Rechnung zu setzen. W. hat seine Rolle in der Entwicklung des Schutzgebietes völlig ausgespielt und wird eine solche schwerlich jemals wieder übernehmen.

Dove.