| Wangoni, westlich vom Njassa Angoni,
von der alteingesessenen, unterworfenen Bevölkerung des Gebietes zwischen
Njassa und der Ostküste Äquatorialafrikas Wamatschonde,
von den Küstenleuten Masitu, Maliti, Magwangwara und Walihuhu (s.d.), von den Njassa- und
Tanganjikavölkern,
sowie den Wanjamwesi Watuta, von den
Bewohnern des Livingstonegebirges Wajoja genannt, der Kern der unter der
Literaturbezeichnung
Mafiti in den letzten Jahrzehnten vielgenannten
räuberischen
Völkerschaften im Süden von Deutsch-Ostafrika vom Quellgebiet des
Rovuma
bis über den mittleren Ruaha hinaus. Die W.
sind Sulu (s.d.), die erst im Laufe des 19. Jahrhunderts die alte Heimat
im südöstlichen Afrika verlassen haben. Der Tradition nach war es ein
Regiment
Schoschonganes, des Vaters des bekannten Umsila, das nach erfolglosem
Kampf
am Sambesi statt der Rückkehr in die Heimat es vorzog,
nach Norden in die Gegend westlich vom Njassa vorzubrechen und im weiteren
Verlauf der Wanderung bis Ufipa
vorzudringen.
Ein späterer Haufen ließ sich östlich vom Njassa an den Quellen des Rovuma
nieder; er geriet sehr bald in Streitigkeiten mit den westlichen Brüdern,
aus denen schließlich zwei Reiche hervorgegangen sind, die beide im
heutigen
Ungoni östlich vom Livingstonegebirge
liegen. Hawai erhielt das südliche, Tschipeta das nördliche von ihnen.
Nach
Tschipetas Tod im Kampf gegen die Wahehe
(s.d.) ist sein Reich von Schabruma, das andere bis 1889 von Mharuli
beherrscht
worden. Mharulis Nachfolger sind Mlamiro, und Tschem - Tschaja. Durch die
W. sind die gesamten ethnographischen und politischen Verhältnisse des
Südens
von: Deutsch-Ostafrika von Grund aus umgestaltet worden. Sie haben vor
1860
große Gebiete im Westen des Njassa und in den späteren Jahrzehnten das
ganze
weite Gebiet zwischen dem Rovuma und dem Rufidji auf das grausamste
verwüstet
und entvölkert, bis ihrer Herrlichkeit durch die Deutschen ein jähes Ende
bereitet worden ist. Ihre endgültige Unterwerfung ist 1897 erfolgt. Acht
Jahre später haben sie sich am Majimaji - Aufstande beteiligt, sind aber
nach zähem Widerstand und starkem Verlust an Menschenleben besiegt worden
und scheinen sich nunmehr in ihr Schicksal zu fügen. - Von den zahlreichen
Stämmen ihres früheren Raubgebiets, den Wanjassa, Wanindi,
Wandendeuli, Wapangwa, Wanjonga, Wamatschenja, Wandonde, Waruanda, Wamuera,
Jao usw. (s.d. betr. Art.) haben die W. bei
ihren Zügen je einen Teil vernichtet, während sie andere Teile mit sich
in ihre Sitze geschleppt haben. Der Rest bildet die heutige dünne
Bevölkerung
jenes Gebietes zwischen Njassa und dem Stillen Ozean. Manche der
bedrängten
Stämme sind übrigens freiwillig nach Ungoni
gezogen,
um nur Ruhe vor ihren Feinden zu bekommen. Andere wieder haben aus der Not
eine Tugend gemacht und sind zu Suluaffen
(s.d.) geworden. - Die Durchsetzung mit den den Küstenlandschaften
entstammenden
Elementen ist für die W. nicht ohne Wirkung geblieben; sie stellen heute
ein buntes Gemisch süd- und ostafrikanischer Bantu dar, unter denen nur die Schabruma - Wangoni
und die Fürstengeschlechter sich reiner erhalten haben. Im allgemeinen
sind
sie große, wohlgestaltete Menschen; die Frauen gar sind berühmt ob ihrer
Anmut und der Regelmäßigkeit ihrer Gesichtszüge. Auch geistig sind die W.
gut veranlagt, intelligent, rege, selbstbewußt, tapfer. Ein Symbol dieser
Tapferkeit ist die Wohnweise: frei und offen im Gegensatz zu den meisten
anderen Negersiedlungen liegen ihre Dörfer da. Hüttenform ist der Zylinder
mit Kegeldach, das fast bis zur Erde herniederreicht (s. Tafel 204). Neuerdings,
wo die W. für ihre Tapferkeit keine Verwendung finden, sind sie rasch zu
ebenso tüchtigen Ackerbauern geworden, wie sie früher Krieger waren. Ihre
Beete nehmen an Sorgfältigkeit der Bestellung und der Unterhaltung den
Vergleich
mit europäischen auf; man wendet Asche und Gründüngung an und übt einen mehrj ährigen
Fruchtwechsel. Hauptnutzpflanzen
sind
Eleusine und Mais, Sorghum, Bohnen, Maniok und
vieles andere. Die Eleusine wird zur Bereitung von Pombe verwandt, von der die W. ganz unglaubliche
Mengen
vertilgen. Die Kleidung der Frauen besteht aus zusammengenähten Schaf- und
Ziegenfellen, die der Männer aus einem togaartigen Mantel von europäischem
Baumwollstoff, unter dem je ein kleines Fell vorn und hinten getragen
wird.
Eine ebenfalls aus Südafrika herübergerettete Eigentümlichkeit sind die
Nutschi, kleine Kapseln zur Bedeckung der Glans penis (s. Tafel 81). -Südafrikanisch
sind auch die Waffen. Hauptangriffswaffen sind ein kurzer, kräftiger
Stoßspeer
und eine Anzahl längerer Wurfspeere; Schutzwaffe ist der bekannte
Suluschild.
Zur Kriegskleidung gehörten vor allem mächtige Kragen von Hahnenfedern und
umfangreiche, auf dem Kopf befestigte kugelförmige Ballen von ebensolchen
Federn. Die W. sind nicht nur auf das Gebiet zwischen dem oberen Rovuma
und dem Rufidji beschränkt, sondern sind in Gestalt der Watuta (s.d.) sogar bis an den Victoria Njansa gedrungen. Andere sind über den
Ulanga in das Gebiet der Wabena, noch andere (die Wambunga [s.d.]) nach Mahenge und Khutu
gezogen.
- W. nennt sich schließlich eine kleine Völkerschaft auf dem Südhang des
Makondeplateaus gegen dessen Westende hin und im darunterliegenden
Rovumatal.
Neben der alten, Kegeldachhütte und dem neueren Viereckhaus besitzen diese
W. auch Pfahlbauten, deren Tafel 38
einen darstellt. Mit den echten W. haben diese W. genetisch nichts zu tun;
sie sind vielmehr ein Konglomerat aus Wangindo,
Wandonde und anderen zersprengten Stämmen. Ihren Namen haben sie in
Verfolg
einer Art Mimikry (Suluaffen [s.d.])
angenommen.
Literatur: Prince, Geschichte der
Magwangara nach Erzählungen des Arabers Raschid bin Masaud. Mitt. a. d. d.
Schutzgeb. 1894. Arning, Die Wahehe, ebenda
1896/97. Merensky, Deutsche Arbeit am Njassa.
Berl. 1894. - Lieder, Reise von der Mpambabai. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1897. -
Livingstone, Last journals. Lond. 1874. -
Wiese, Beiträge zur Geschichte der Sulu im Norden
des Sambesi, namentlich der Angoni. Zeitschr. f. Ethnol. 1900. Fülleborn, Das
deutsche Njassa- und
Ruwumagebiet. Berl. 1906. - Bornhardt, Zur Oberflächengestaltung und Geologie
Deutsch-Ostafrikas. Berl. 1900. -
Häflinger, Land und Leute von Ungoni. Missionsbl.
d. St. Benediktusgenossenschaft. 1901. - Leue,
Ungoni.
DKolZtg. 1904. Weule.
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