Wasaramo, der Hauptteil der Bevölkerung der im südlichen Hinterland
von Daresalam gelegenen Landschaft Usaraimo in Deutsch-Ostafrika. Die W. sind Bantu, die nach Stuhlmann mit den Wakhutu
(s.d.) verwandt zu sein scheinen, doch weichen sie in vielen Sitten von
den übrigen küstennahen Stämmen, mit denen sie im Habitus sehr
übereinstimmen,
auffällig ab. Zunächst wohnen sie in großen, scheunenartigen, viereckigen
Giebeldachhütten; sodann beerdigen sie ihre Toten in ganz unafrikanischer
Weise, indem sie die Leiche ausstrecken, wobei die Männer auf die rechte,
die Frauen auf die linke Seite gelegt werden. Der Kopf ist nach Westen
gerichtet.
Das Grab umfriedet man mit Pfählen, die von einem freistehenden Dach
überragt
werden. Zu Füßen der Leiche wird ein Pfahl, zu Häupten eine große
Holzpuppe
eingepflanzt, deren Kopf mit einem weißen Turban umwickelt wird. Stuhlmann
ist der Meinung, daß die W. vor langer Zeit einmal indisch - semitisch
beeinflußt
worden seien. - Bemerkenswert ist auch der Pubertätsgebrauch, wonach die
jungen Mädchen von der ersten Menstruation bis zur Geburt des ersten
Kindes
eine kleine weibliche Holzpuppe (mwana ya kiti, Stuhlkind, Farbige Tafel
von Deutsch - Ostafrika Abb. 6) zum Spielen bekommen, offenbar ein Analogiezauber
für die Fruchtbarkeit. In dieser Zeit, bis zur Heirat, muß das Mädchen in
einer dunklen Hütte leben. Politisch sind die W. äußerst zersplittert, so
daß sie den Wangoni - Einfällen völlig
wehrlos
gegenüber gestanden haben. Dadurch und durch den stark herrschenden
Kindesmord,
durch Pockenepidemien und Hungersnöte, ist ihre Zahl recht herabgemindert,
so daß das Land nur relativ dünn bevölkert ist. Feldbau
ist Hauptbeschäftigung, der indische Mangobaum Charakterpflanze in der
Landschaft.
Viele W. bekennen sich zum Islam, der bei ihnen reißende Fortschritte macht.
Literatur: Stuhlmann, Forschungsreise
nach Usaramo. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1894.