Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 689 f.

Wassukuma, Wasukuma, die Bevölkerung der am östlichen Südufer des Victoria Njansa gelegenen Landschaft Ussukuma in Deutsch-Ostafrika. Im Nordosten reicht ihr Gebiet bis an den Mbalagetifluß, im Osten bis Meatu, im Süden bis Mondo. Den Victoria begrenzt es vom Smithsund bis zum Spekegolf. W. heißt nach Baumann Nordleute (vom Kinjamwesi sukuma, Norden), woraus viele auf eine Zugehörigkeit des Stammes zu den Wanjamwesi (s.d.) schließen. Andere halten die W. für eine selbständige ethnische Bildung. In jedem Fall sind sie heute ohne hamitische Wahumaüberlagerung, wenn anders ein geringer Wahuma- und Massai - Einfluß auch hier sicher vorhanden sein wird. Physisch sind die W. von grobem, muskulösem Körperbau und breiten Gesichtern. Stammeszeichen ist die so weit verbreitete Kerbe zwischen den mittleren oberen Schneidezähnen. Bei den östlichen W. gehen die Männer bis auf ein kleines Sitzleder ganz nackt, während die Frauen kleine Fellschurze tragen. Im Westen ist Baumwollkleidung ganz allgemein. Des steinigen Bodens wegen trägt man überall Sandalen. - Die Siedelungen der W. liegen in der Nähe des Sees stets im Schutz der zahllosen Felsgruppen des Landes, in deren Gewirr die Bewohner bei Gefahr Unterschlupf finden. Weiter ab liegen sie in der Ebene, wo sie in den früheren unsicheren Zeiten ganz allgemein durch Pfahlpalisaden und Euphorbienhecken geschützt waren. Hüttenform ist der Zylinder mit Kegeldach; nur die eingewanderten Wassindja (s.d.) leben in Kuppelhütten. Viehzucht und Ackerbau werden gleichmäßig stark betrieben; Ussukuma ist der Kornlieferant für alle östlichen Nachbarländer bei Hungersnot und erzeugt neuerdings ganz bedeutende Baumwollmengen. Hauptzuchttiere sind Buckelrind, Ziege und Schaf. Am See treibt man eifrig Fischfang mit Reusen. Die geistigen Fähigkeiten des Volkes wurden früher verschieden beurteilt; manche Europäer hielten sie für beschränkt und entwicklungsunfähig; andere stellten sie fast den Wanjamwesi gleich. Heute lautet das Urteil ganz allgemein nur günstig. Im Karawanenbetrieb Deutsch-Ostafrikas sind sie in den letzten Jahrzehnten ein unentbehrlicher Faktor gewesen. Die Zahl der W. betrug 1910 300 000.

Literatur: Stuhlmann, Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Berl. 1894. - Kollmann, Der Nordwesten unserer deutsch-ostafrikani.schen Kolonie. Berl. 1898. - O. Baumann, Durch Massailand zur Nilquelle. Berl. 1894. - Schlobach, Die Volksstämme der deutschen Ostküste des Victoria, Njansa. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1901.

Weule.