Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 693 f.

Webervögel, Ploceidae, finkenartige Vögel, von den Finken dadurch unterschieden, daß sie zehn Handschwingen haben, während bei diesen nur neun deutlich sind, indem die erste verkümmert. In ihrer Lebensweise unterscheiden sich die Weber von den Finken im allgemeinen dadurch, daß sie geschlossene, kugel- bis retortenförmige, diese dagegen offene, napfförmige Nester bauen. Die Weber sind bezeichnend für die afrikanische Landschaft und allenthalben, im Urwalde ebensowohl wie in der Steppe und in den Ortschaften, in Gebirgen wie in Ebenen anzutreffen. Die Nahrung besteht in mehligen Sämereien, zur Brutzeit vorzugsweise in Insekten, mit denen sie meistens, nicht immer, ihre Jungen auffüttern. Auch Früchte werden von vielen Arten gern gefressen. Ihre geschlossenen, kugelförmigen oder retortenförmigen Nester mit seitlichem oder unterem, oft durch eine lange, abwärts gerichtete Röhre gebildeten Eingang sind sehr häufig künstlich und fest gewebt, bisweilen bestehen sie aber auch aus Klumpen unordentlich zusammengehäuften Reisigs. Die meisten Arten nisten gesellig in großen Kolonien beisammen. Die Eier sind bald einfarbig weiß, bläulich, grünlich oder bräunlich, bald rötlich, grau oder bräunlich gefleckt. Flug und Stimme gleichen denen der Finken. Die Weibchen der meisten Webervögel sind in der Färbung von den Männchen verschieden, oft haben sie gar keine Ähnlichkeit mit diesen, tragen ein unscheinbares, ammer- oder sperlingsartiges Gefieder, während die Männchen in prächtigen gelben oder roten Farben glänzen. Bei diesen Arten besteht auch doppelte Mauser; die Männchen b ekommen zum Winter ein bescheidenes, dem der Weibchen ähnliches Gefieder. Gegen 400 Arten von Webern sind bekannt, von denen gegen 300 Afrika angehören, die übrigen über Madagaskar, Indien, die Sunda- und Papuasischen Inseln und Australien verbreitet sind. Der Ursprung der Gruppe ist offenbar in Afrika zu suchen. Die artenreichste Gattung der Webervögel ist in Afrika die der Goldweber, Ploceus. Man betritt kein Negerdorf, wo nicht die Kokospalmen mit Nestkolonien der Goldweber dicht behängt wären. Die Vögel beschränken sich aber nicht auf die Dörfer, sondern verstehen in den verschiedensten Örtlichkeiten sich einzurichten. Ihre Nester hängen ebensowohl in den Kronen riesiger Bombaxbäume wie an den Spitzen der breiten Blätter der Pisang und Bananen oder an niedrigen Dornensträuchern und an überragenden Zweigen der Uferbüsche, dicht über dem Wasserspiegel. In Ostafrika ist einer der häufigsten Goldweber der schwarzköpfige Pl. nigriceps, in Westafrika der ebenfalls schwarzköpfige Pl. cucullatus. - Bewohner des Urwaldes sind die weniger geselligen, paarweise oder doch nur in kleinen Gesellschaften lebenden Prachtweber, Malimbus, mit schwarz und rotem Gefieder, deren Verbreitung auf das westafrikanische Waldgebiet beschränkt ist. Ihre retortenförmigen Nester haben oft eine Schlupfröhre von einem halben Meter Länge. - Bei den Feuerwebern, Pyromelana, hat das schwarz und rote oder schwarz und gelbe Gefieder eine samtartige Beschaffenheit. Ihre kugelförmigen Nester mit seitlichem Schlupfloch hängen an Stauden oder starken Grashalmen, die in die Seitenwandungen des Nestes eingeflochten sind. - Die Gattung Amblyospiza, Papageiweber, fällt durch einen ungewöhnlich hohen, starken Schnabel auf. Das Gefieder der hierher gehörenden Arten ist in der Hauptsache tiefbraun. - Sehr zahlreich sind die in Europa gern in Käfigen gehaltenen Webefinken, die Gattungen Spermestes mit stärkerem und Estrilda (Astrilde) mit schwächerem Schnabel, wie die Gattung Lagonosticta mit vorherrschend weinrotem Gefieder. - Die Witwen zeichnen sich durch auffallend langen Schwanz aus. Besonders häufig ist die Dominikanerwitwe, Vidua serena, Gefieder des Männchens schwarz und weiß mit rotem Schnabel, die vier mittelsten Schwanzfedern bandförmig verlängert, und die Paradieswitwe, Steganura paradisea, samtschwarz mit geblichem bis goldbraunem Nackenband, die vier mittelsten Federn breit und hahnschweifartig aufrechtstehend. - Auf Neuguinea und den Bismarckinseln sind die Nonnen, Munia, die sich durch sehr dicken Schnabel auszeichnen, mehrfach vertreten. Bezeichnend für Kaiser-Wilhelmsland ist Munia sharpei, für Neupommern Munia spectabilis, für Neumecklenburg M. forbesi. - Auf Samoa und den Karolinen sind die Weber durch Sittichfinken, Erythrura, vertreten, die grünes Gefieder mit roten und blauen Abzeichen haben, dort durch E. cyanovirens, hier durch E. trichroa.

Reichenow.