Wegebau. In den tropischen Kolonien
mit ihrer üppigen Vegetation und ihren
vielfach recht schwierigen Geländeverhältnissen mußte sich der W. anfangs
auf die Herstellung einfacher Fuß- und Reitwege beschränken. Der Bau von
Fahrstraßen, der größere Mittel und geschultes Personal erfordert, konnte
erst später, als die wirtschaftliche Entwicklung weiter vorgeschritten
war,
in Angriff genommen werden. Hindernd wirkte dabei der Umstand, daß in
vielen
tropischen Gebieten infolge des Vorkommens der Tsetsefliege (s.d.) keine
Zugtiere gehalten werden können, wodurch der Wert der Fahrstraßen,
natürlich
eine erhebliche Einbuße erleidet. Im Laufe der Zeit sind aber auch in
solchen
Gebieten Fahrstraßen entstanden, die trotz des Mangels an Zugvieh gute
Dienste
geleistet haben, weil Menschen mit Hilfe von Fuhrwerken das Mehrfache der
Last fortbewegen können, die sie zu tragen imstande sind. In neuerer Zeit
hat der W. in den tropischen Kolonien durch die Einführung von Kraftwagen
eine starke Anregung erfahren. - In dem subtropischen Südwestafrika spielt
der W. bei weitem nicht dieselbe Rolle. Da hier die kräftige Vegetation
fehlt, Wasserläufe, die eine Überbrückung verlangen, nicht vorhanden sind,
und Zugtiere in reichlicher Menge zur Verfügung stehen, konnte sich ein
Verkehr mit Fuhrwerken ohne nennenswerte
Straßenanlagen entwickeln. Der W. hat sich deshalb im wesentlichen nur auf
die Ausbesserung besonders schlechter Stellen in gebirgigem, felsigem
Gelände
und an den Flußrivieren erstreckt. - Im Schutzgebiet Kiautschou erhält der
W. ein besonderes Gepräge durch das eigenartige Verkehrsmittel Chinas, die
Einradkarre, die meist nur von einem Menschen geschoben, oft aber auch
unter
Zuhilfenahme eines Vorspanns von Menschen oder Zugtieren oder bei
günstigen
Windverhältnissen unter Zuhilfenahme eines Segels fortbewegt wird. Für das
Rad dieser Karre genügt ein schmaler Pfad. In neuerer Zeit sind gute
chaussierte
Fahrstraßen angelegt worden. In Togo waren
bis zur Eröffnung der Eisenbahn die wichtigsten Straßen die von Lome
nach Palime und von Lome nach Atakpame. Sie haben der
Eisenbahn
vorgearbeitet. Nach Eröffnung der Eisenbahn verloren sie naturgemäß ihren
Wert als Hauptverkehrsadern. Indessen haben sie als Lokalwege Bedeutung
behalten. An diese durchgehenden Straßen haben sich mehrere Zweigstraßen
angegliedert, die nunmehr als Zubringerwege der Eisenbahn dienen. Die
wichtigsten
davon sind der Weg von Assahun nach Ho,
die über das Togogebirge von Palime nach Kpandu führende Straße, sowie die Straße von Atakpame in den Sokodebezirk, sämtlich fahrbar. Außerdem bestehen
noch gute Fahrwege hauptsächlich im Bezirk Anecho. Auf den Straßen Togos beginnt der
Kraftwagenverkehr
sich einzubürgern. - In Kamerun sind mehrere wichtige Erschließungswege im
Bau begriffen. Am weitesten vorgeschritten sind die Arbeiten an dem für
den Süden des Schutzgebiets bedeutungsvollen Wege Kribi - Jaunde, der
soweit fertiggestellt ist, daß er schon von leichten Kraftwagen befahren
werden kann. In den nächsten Jahren soll er noch weiter vervollkommnet
werden.
Von Lolodorf zweigt von diesem Wege die Straße nach
Ebolowa ab, die ebenfalls schon befahren wird und
demnächst zu einem für Kraftwagen, benutzbaren Wege ausgebaut werden soll.
Von Kribi aus führt ein fahrbarer Weg längs der Küste nach Longji. Die an
der Küste des Kamerunberges gelegenen Ortschaften werden durch den Weg Victoria - Bibundi
verbunden. Von den übrigen im Bau begriffenen Erschließungswegen sind
hervorzuheben:
der Weg von Ebolowa über Sangmelima zum Dscha, von Longji über Dehane nach Edea, die Fortsetzung des Weges Victoria -Bibundi bis
zum Meine, der Weg Mundek - Ossidinge
und Zubringerwege am Ende der Nordbahn
und an der Mittellandbahn zwischen Duala und
Edea. Wege geringerer Bedeutung, sog. Buschwege, sind in allen Teilen des
Schutzgebiets in ausgedehntem Umfange angelegt. - In Deutsch-Südwestafrika hat sich ein
Netz von Wegen herausgebildet, auf denen die landesüblichen schweren
Ochsenwagen
und zum Teil Personenkraftwagen verkehren. Die Hauptstraßen sind die,
welche
sich an das Eisenbahnnetz angliedern, im Norden die Wege von Omaruru nach
Outjo und Waterberg, in der Mitte der von Windhuk nach Gobabis, im Süden die Wege von Gibeon nach Maltahöhe, von Keetmanshoop nach Has uur und von Aus nach
Maltahöhe,
Der Bau und die Unterhaltung der öffentlichen Wege, sowie die Benutzung
der Weiden und Wasserstellen an den Wegen ist geregelt durch
die V. vom 14. Juni 1912 (KolBl. 1912 S. 710). - In Deutsch-Ostafrika sind Kunststraßen
bisher
hauptsächlich im Gebiete der Usambarabahn
ausgeführt worden, von Korogwe nach Wugiri, ferner von Korogwe nach Handeni, von Mombo nach Wilhelmstal und von Mkomasi auf der Ostseite des Paragebirges nach
Same.
Die mit Steinschlag befestigte Straße Mombo
- Wilhelmstal wird von Kraftwagen befahren. Im Gebiete der Mittellandbahn ist die Straße von Mikesse
nach Kissaki im Bau begriffen, deren
Fortsetzung
bis zum oberen schiffbaren Rufiji geplant
ist. Bemerkenswerte Wege finden sich auch auf den Hochländern an den Seen.
- Im Schutzgebiet Deutsch - Neuguinea
ist der Bau von Kunststraßen am weitesten auf Neumecklenburg vorgeschritten. Hier fährt
eine mit Schotter befestigte 160 km lange Straße, die schon mit Kraftwagen
befahren wird, von Käwieng ,längs der Ostküste der Insel nach Panakondo.
-Auch auf der Westseite der Insel gibt es eine befestigte Fahrstraße. In
Neupommern ist zu erwähnen die ebenfalls schon
für Kraftwagen benutzbare Straße von Rabaul,
dem Sitze des Gouvernements, um die Blanchebucht herum nach Herbertshöhe und Kabakaul, und von dort landeinwärts nach Bitapaka,
der Station für Drahtlose
Telegraphie.
Ein schon gut ausgebauter Weg zieht sich von Rabaul über den Ratawulpaß
längs der Küste des Weberhafens hin. Die lnstandhaltung der Wege ist
geregelt
durch die V. vom 25. Aug. 1911 (KolBl. 1912 S. 3). - Samoa hat ein verhältnismäßig weit ausgedehntes Netz
gut befestigter Fahrstraßen, auf denen schwere Fuhrwerke verkehren können.
Der größte Teil davon liegt auf der Insel Upolu
im Pflanzungsbezirk Apia. - In Kiautschou ist
die wichtigste Verkehrsstraße die von Tsingtau ungefähr parallel zur Bahn
führende, die sich an der Grenze nach Kiautschou und nach der Kreisstadt
Tsimo gabelt. Eine gut ausgebaute, für Kraftwagen benutzbare Kunststraße
geht von Tsingtau über den Marktplatz Litsun in das Lauschan - Gebirge. Eine dritte vielbefahrene
Straße
erschließt einen Teil der Südküste des Schutzgebiets. Im Stadtgebiet
Tsingtau
sind chaussierte Straßen nach europäischem Muster hergestellt worden, die
an den Seiten Granitbahnen für die Einradkarren haben.