Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 694 f.

Wegebau. In den tropischen Kolonien mit ihrer üppigen Vegetation und ihren vielfach recht schwierigen Geländeverhältnissen mußte sich der W. anfangs auf die Herstellung einfacher Fuß- und Reitwege beschränken. Der Bau von Fahrstraßen, der größere Mittel und geschultes Personal erfordert, konnte erst später, als die wirtschaftliche Entwicklung weiter vorgeschritten war, in Angriff genommen werden. Hindernd wirkte dabei der Umstand, daß in vielen tropischen Gebieten infolge des Vorkommens der Tsetsefliege (s.d.) keine Zugtiere gehalten werden können, wodurch der Wert der Fahrstraßen, natürlich eine erhebliche Einbuße erleidet. Im Laufe der Zeit sind aber auch in solchen Gebieten Fahrstraßen entstanden, die trotz des Mangels an Zugvieh gute Dienste geleistet haben, weil Menschen mit Hilfe von Fuhrwerken das Mehrfache der Last fortbewegen können, die sie zu tragen imstande sind. In neuerer Zeit hat der W. in den tropischen Kolonien durch die Einführung von Kraftwagen eine starke Anregung erfahren. - In dem subtropischen Südwestafrika spielt der W. bei weitem nicht dieselbe Rolle. Da hier die kräftige Vegetation fehlt, Wasserläufe, die eine Überbrückung verlangen, nicht vorhanden sind, und Zugtiere in reichlicher Menge zur Verfügung stehen, konnte sich ein Verkehr mit Fuhrwerken ohne nennenswerte Straßenanlagen entwickeln. Der W. hat sich deshalb im wesentlichen nur auf die Ausbesserung besonders schlechter Stellen in gebirgigem, felsigem Gelände und an den Flußrivieren erstreckt. - Im Schutzgebiet Kiautschou erhält der W. ein besonderes Gepräge durch das eigenartige Verkehrsmittel Chinas, die Einradkarre, die meist nur von einem Menschen geschoben, oft aber auch unter Zuhilfenahme eines Vorspanns von Menschen oder Zugtieren oder bei günstigen Windverhältnissen unter Zuhilfenahme eines Segels fortbewegt wird. Für das Rad dieser Karre genügt ein schmaler Pfad. In neuerer Zeit sind gute chaussierte Fahrstraßen angelegt worden. In Togo waren bis zur Eröffnung der Eisenbahn die wichtigsten Straßen die von Lome nach Palime und von Lome nach Atakpame. Sie haben der Eisenbahn vorgearbeitet. Nach Eröffnung der Eisenbahn verloren sie naturgemäß ihren Wert als Hauptverkehrsadern. Indessen haben sie als Lokalwege Bedeutung behalten. An diese durchgehenden Straßen haben sich mehrere Zweigstraßen angegliedert, die nunmehr als Zubringerwege der Eisenbahn dienen. Die wichtigsten davon sind der Weg von Assahun nach Ho, die über das Togogebirge von Palime nach Kpandu führende Straße, sowie die Straße von Atakpame in den Sokodebezirk, sämtlich fahrbar. Außerdem bestehen noch gute Fahrwege hauptsächlich im Bezirk Anecho. Auf den Straßen Togos beginnt der Kraftwagenverkehr sich einzubürgern. - In Kamerun sind mehrere wichtige Erschließungswege im Bau begriffen. Am weitesten vorgeschritten sind die Arbeiten an dem für den Süden des Schutzgebiets bedeutungsvollen Wege Kribi - Jaunde, der soweit fertiggestellt ist, daß er schon von leichten Kraftwagen befahren werden kann. In den nächsten Jahren soll er noch weiter vervollkommnet werden. Von Lolodorf zweigt von diesem Wege die Straße nach Ebolowa ab, die ebenfalls schon befahren wird und demnächst zu einem für Kraftwagen, benutzbaren Wege ausgebaut werden soll. Von Kribi aus führt ein fahrbarer Weg längs der Küste nach Longji. Die an der Küste des Kamerunberges gelegenen Ortschaften werden durch den Weg Victoria - Bibundi verbunden. Von den übrigen im Bau begriffenen Erschließungswegen sind hervorzuheben: der Weg von Ebolowa über Sangmelima zum Dscha, von Longji über Dehane nach Edea, die Fortsetzung des Weges Victoria -Bibundi bis zum Meine, der Weg Mundek - Ossidinge und Zubringerwege am Ende der Nordbahn und an der Mittellandbahn zwischen Duala und Edea. Wege geringerer Bedeutung, sog. Buschwege, sind in allen Teilen des Schutzgebiets in ausgedehntem Umfange angelegt. - In Deutsch-Südwestafrika hat sich ein Netz von Wegen herausgebildet, auf denen die landesüblichen schweren Ochsenwagen und zum Teil Personenkraftwagen verkehren. Die Hauptstraßen sind die, welche sich an das Eisenbahnnetz angliedern, im Norden die Wege von Omaruru nach Outjo und Waterberg, in der Mitte der von Windhuk nach Gobabis, im Süden die Wege von Gibeon nach Maltahöhe, von Keetmanshoop nach Has uur und von Aus nach Maltahöhe, Der Bau und die Unterhaltung der öffentlichen Wege, sowie die Benutzung der Weiden und Wasserstellen an den Wegen ist geregelt durch die V. vom 14. Juni 1912 (KolBl. 1912 S. 710). - In Deutsch-Ostafrika sind Kunststraßen bisher hauptsächlich im Gebiete der Usambarabahn ausgeführt worden, von Korogwe nach Wugiri, ferner von Korogwe nach Handeni, von Mombo nach Wilhelmstal und von Mkomasi auf der Ostseite des Paragebirges nach Same. Die mit Steinschlag befestigte Straße Mombo - Wilhelmstal wird von Kraftwagen befahren. Im Gebiete der Mittellandbahn ist die Straße von Mikesse nach Kissaki im Bau begriffen, deren Fortsetzung bis zum oberen schiffbaren Rufiji geplant ist. Bemerkenswerte Wege finden sich auch auf den Hochländern an den Seen. - Im Schutzgebiet Deutsch - Neuguinea ist der Bau von Kunststraßen am weitesten auf Neumecklenburg vorgeschritten. Hier fährt eine mit Schotter befestigte 160 km lange Straße, die schon mit Kraftwagen befahren wird, von Käwieng ,längs der Ostküste der Insel nach Panakondo. -Auch auf der Westseite der Insel gibt es eine befestigte Fahrstraße. In Neupommern ist zu erwähnen die ebenfalls schon für Kraftwagen benutzbare Straße von Rabaul, dem Sitze des Gouvernements, um die Blanchebucht herum nach Herbertshöhe und Kabakaul, und von dort landeinwärts nach Bitapaka, der Station für Drahtlose Telegraphie. Ein schon gut ausgebauter Weg zieht sich von Rabaul über den Ratawulpaß längs der Küste des Weberhafens hin. Die lnstandhaltung der Wege ist geregelt durch die V. vom 25. Aug. 1911 (KolBl. 1912 S. 3). - Samoa hat ein verhältnismäßig weit ausgedehntes Netz gut befestigter Fahrstraßen, auf denen schwere Fuhrwerke verkehren können. Der größte Teil davon liegt auf der Insel Upolu im Pflanzungsbezirk Apia. - In Kiautschou ist die wichtigste Verkehrsstraße die von Tsingtau ungefähr parallel zur Bahn führende, die sich an der Grenze nach Kiautschou und nach der Kreisstadt Tsimo gabelt. Eine gut ausgebaute, für Kraftwagen benutzbare Kunststraße geht von Tsingtau über den Marktplatz Litsun in das Lauschan - Gebirge. Eine dritte vielbefahrene Straße erschließt einen Teil der Südküste des Schutzgebiets. Im Stadtgebiet Tsingtau sind chaussierte Straßen nach europäischem Muster hergestellt worden, die an den Seiten Granitbahnen für die Einradkarren haben.

Fischer.