Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 697 f.

Weiden, geschlossene Bestände krautiger Pflanzen, die durch Beweidung ausgenutzt werden. Man unterscheidet nach Art ihrer Entstehung Naturweiden und Kunstweiden, und bei letzteren wiederum Wechselweiden, d.h. "auf Zeit" angelegte und ständige W. (Dauerweiden). In den Schutzgebieten sind Kunstweiden selten. Die Naturweide bildet daselbst die Betriebsgrundlage der Viehwirtschaft bei Eingeborenen und Europäern (Steppenwirtschaft, reine Graswirtschaft, wilde Feld - Graswirtschaft und gemischte Farmwirtschaft, s. Landwirtschaft). In Südwestafrika und gewissen Gegenden Ostafrikas sind Lage und Beschaffenheit der Weide ausschlaggebend für Einrichtung und Rentabilität des Farmbetriebes. In Südwestafrika auf den W. auch vielfach strauchige Gewächse, die das Vieh ebenfalls abweidet. Die Güte der "Narbe" (s. Wiesen) ist bestimmend für den Besatz oder die "Bestockung" der W. Ist der Besatz zu schwach, so leiden die Weidetiere Not, ist er zu stark bemessen, so wird das vorhandene Futter ungenügend ausgenutzt. Die Anzahl der Tiere, welche durchschnittlich auf die normale Ausnutzung von 1 ha Weidefläche gerechnet werden, heißt die "Bestockungsziffer"; letztere schwankt erheblich je nach Art der Tiere und Güte der Narbe. Die Güte einer allein aus krautigen Gewächsen bestehenden W. nimmt mit deren Alter zu. Daher soll man bei Umwandlung von Naturweiden in Kunstweiden und bei Anlage von letzteren diejenigen Futterpflanzen verwenden, die auf guten alten W. vorwiegen; dasselbe gilt bei Verbesserung von Naturweiden durch Anreißen der Narbe und Einsaat von Futterpflanzen. (Über die Weidepflanzen Deutsch - Südwest- und -Ostafrikas vgl. Dinter, Heering und Grimme, Eichinger, Schellhase.) In Deutsch - Ostafrika werden zurzeit Versuche zur Weideverbesserung durch Düngung vorgenommen (Eichinger). Ein in den Schutzgebieten für den Weidebetrieb sehr wichtiges Moment besteht in der Einzäunung der W. zum Schutz gegen Verschleppung von Viehseuchen (s. Seuchen der Tiere und Viehzucht).

Literatur: S. Wiesen, Futterbau, Futterpflanzen. Ferner Falke, Die Dauerweiden. 2. Aufl., Hannover 1911. - Schneider, Die Anlage von Dauerweiden. 2. Aufl., Breslau 1913. Schellhase, Beobachtungen über Weiden, Weideund Futterpflanzen in Deutsch -Ostafrika (Berliner Tierärztl. Wochenschr. 1912 Nr. 42). Eichinger an den bei Futterbau genannten Stellen, außerdem in "Pflanzer" 1911 S. 698 (Düngungsversuche). - Dinter, Deutsch -Südwestafrika. Leipz. 1909 und verschiedene Abhandl. im Amtsbl. f. Deutsch-Südwestafrika.

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