Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 701 f.

Wembäre oder Wembere ist der Fluß, der die W.steppe Deutsch- Ostafrikas, meist kurz die W. genannt, von S nach N durchfließt, um als Sibiti in den Njarasa (s.d.) zu münden. Damit gehört der W. und seine Zuflüsse zu dem großen abflußlosen Gebiet der W.- Njarasa- Senke, an dessen Gesamtfläche das W.system mit etwa 9/10, mit 56300 qkm, beteiligt ist. Der W. entspringt in etwa 1400 m Mh. in der Landschaft Ujansi (s. Ukimbu) des zentralen Hochlandes von D. - O. und mündet bald in ein rund 1000 qkm großes, ganz flaches Becken der W.Steppe, das durch die ihm meist radial zufließenden Flüsse und Bäche zur Regenzeit völlig überschwemmt wird. Das Wasser fließt dann nordwärts im W.fluß über, um sich unter 4° s. Br. nochmals in der unteren W.steppe während der Regenzeit über sehr weite Flächen hin auszubreiten. Hier münden in den W. von den hochgelegenen Schollen im O kommend, von r. der Kironda (s. Iramba) und der Dulumo (s. Issansu), zwischen beiden von W, von 1. der Manjonga. Wo letzterer sich mit dem W. vereinigt, ungefähr 1040 m ü. d. M., bleibt das ganze Jahr hindurch ein Sumpf. Etwas weiter westl., etwa da, wo der 4° s. Br. und der 34° ö. L. sich schneiden, ist eine Gegend, nach der hin einst fast die ganze Entwässerung des nördl. W.gebietes strebte. Die Oberläufe vieler Zuflüsse, so z.B. Semu und Msaju, die beide von NO kommen, zeigen noch heute diese radiale Anordnung, während der Unterlauf im Sinn der Richtung des W. abgelenkt ist. Dies auffallende Verhältnis steht im Zusammenhang mit der Geschichte der ganzen Senke. Der Lauf des W. bis zur Vereinigung mit dem Manjonga entspricht der nordsüdl. Hauptrichtung einer versenkten Scholle, der des W.grabens. Daß seine Bildung sehr weit zurückliegt, beweist das weithin ausgebreitete Einzugsgebiet und die stark zerschnittenen Formen des westlich begrenzenden Steilrandes, der mit 50 - 200 m Höhe aJs Granitwall südlich von 4 1/4 ° südl. Br. oft deutlich hervortritt. Der östliche Grabenrand ist je weiter nach N, desto kräftiger ausgebildet. Die Iramba- (s.d.) Scholle erhebt sich in ihrem W - Rand um etwa 500 m in schroffen Formen über die W.senke. Sie verdankt ihre heutige Höhenlage einer jüngeren Hebung, die zeitlich wohl etwa mit der Entstehung des Njarasagrabens (s.d.) zusammenhängt. Diese letztere Grabenbildung schnitt von NO her in den alten W.graben ein. Ohne allzu große Höhenunterschiede zu schaffen, zwang sie die Entwässerung der W.steppe in nordöstliche Bahnen. Fast überall ist das Urgesteinsland der W. senke von mächtigen Deckschichten verhüllt (s. Sekenke). Das Klima ist abgesehen vom Njarasagebiet nicht allzu trocken; 600 mm Regen dürfte das Mittel sein. Die Flächen der W.senke weisen außer sehr verschiedenartigem Graswuchs auch Salzsteppenflora auf. Nachdem die Überschwemmung vorbei ist, stellt sich viel Wild ein. Buschsteppe und Dornbusch umrahmt die W. Der größte Teil der ganz dünn bevölkerten oder menschenleeren W. gehört zu Groß-Unjamwesi (s. Wanjamwesi), hierher auch noch die kleine, volkreichere Landschaft Ussure, ö. der W. Weite Flächen der W.- und der westlich angrenzenden Manjonganiederung haben sehr fruchtbare Böden, die nur der Bewässerung bedürfen. Die Wasserscheide zwischen Manjonga und den südlichen Zuflüsse des Smith-Sundes (s. Muansa) liegt unter 32° 50' und 3° 45' südl. Br. nur 1156 m ü. d. M. d.h. 20 m über dem Victoriasee. Das durch Pumpwerke auf diese Höhe gehobene Wasser könnte südöstlich jener Stelle durch eine Talsperre festgehalten werden, deren Spiegel auf 1148 m Mh. zu liegen käme. Von hier ist das Gefälle zur Manjonganiederung so stark, daß an zwei Stellen Gefällsbrüche um 34 und um 23 m erstellt werden könnten. Sie würden die nötige Kraft zum Betrieb der Pumpstationen liefern 230 000 ha guter und sehr guter Baumwollboden könnten so bewässert werden. Die Ausführung des Projekts würde gegen 50 Mill. M kosten.

Literatur: s. Njarasa und Sekenke; ferner: P. Vageler, Über die Böden des Mbala- Wembäre - Steppenzuges, "Der Pflanzer"' Daressalam 1912. - Verhandl. der Kolonial - Technischen Kommission des Kolonial - Wirtschaftlichen Komitees 1913, Nr. 1.

Uhlig.