Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 704 ff.

Westkarolinen. Sie umfassen im Sinn der deutschen Verwaltung den Teil der Karolinengruppe, der westlich vom 148° ö. L. v. Gr. liegt. Die Gruppe der W. kam im Jahre 1899 zusammen mit den Ostkarolinen, den Palauinseln und den Marianen an Deutschland (s. Karolinen, 6. Geschichte und Verwaltung), und zwar wurde sie mit den eben genannten Inselgruppen dem Schutzgebiete Deutsch-Neuguinea angegliedert. Sie. bildet zusammen mit den Palauinseln und den Marianen unter der verantwortlichen Leitung des Gouverneurs einen selbständigen Verwaltungsbezirk, dem ein Bezirksamtmann vorgesetzt ist. Dieser hat seinen dienstlichen Sitz auf der Insel Jap. Der W.Bezirk gliedert sich in 4 Lokalverwaltungen, die eine mit dem Sitz in Jap, die von dem Bezirksamtmann daselbst wahrgenommen wird, eine Station auf Korror für die Palauinseln mit Ausnahme von Angaur, das eine eigene Station hat, und eine Station auf Saipan für die Marianen. Das Bezirksgericht und das Seemannsamt, befinden sich gleichfalls in Jap, und zwar werden die Geschäfte dieser Behörden durch den Bezirksamtmann im Nebenamt mit besorgt. Standesämter bestehen in Jap, Saipan, Korror und Angaur. Standesbeamter ist jeweils der lokale Verwaltungsbeamte. In den eben genannten Orten, Korror ausgenommen, ist jeweils auch ein Regierungsarzt stationiert. Für die oberrichterlichen Geschäfte ist der Ksl. Oberrichter in Rabaul zuständig. Die Eingeborenengerichtsbarkeit auf den einzelnen Inseln der Gruppe wird von den lokalen Verwaltungsbeamten ausgeübt. Die Missionierung der W. liegt heute noch ausschließlich in den Händen der katholischen Kapuziner - Mission (s.d.), die auf allen wichtigeren Plätzen Stationen unterhält, denen nach Bedarf Schulen angegliedert sind (s. Karolinen, Marianen und Palauinseln, Apostolisches Vikariat). Regierungsschulen befinden sich außer in Saipan (Marianen) im Bezirk der Westkarolinen noch nicht. Der Handel in den W. beschränkt sich, wie auch in den übrigen Teilen der Südsee, in der Hauptsache auf den Ankauf von Kopra von den Eingeborenen. Ursprünglich vollzog sich dieser Kauf lediglich im Wege des Tausches. Dabei waren das Haupttauschmittel der - amerikanische Stangentabak und daneben die sonstigen von den Eingeborenen begehrten Gegenstände, wie Lawa - Lawas (Hüftentücher), Messer, Beile u. dgl. Der Koprahandel ist kein bedeutender, da die Kokospalmenbestände im Gebiete der W., so namentlich auf Jap und den Palauinseln jahrelang. in, erheblichem Maße durch die Schildlaus beschädigt worden sind. Außer Kopra kommen für den Handel sodann noch in, geringem Umfeng Steinnüsse, Schildpatt, Perlmutterschalen und Haifischflossen in Frage. Die Ausfuhr aus den W. (einschließlich den Palauinseln und Marianen), betrug 1912 an Kopra 1 103 059 kg im Werte von 301 827 M, 7190 kg Trepang im Werte von 3513 M, 1508 kg Tabak im Werte von 3566 M, 50 kg Schildpatt im Werte von 2000 M, 1127 kg Haifischflossen im Werte von 563 M, 71 415 kg Perlmutterschalen und andere Muscheln im Werte von 23 605 M. Neben diesen Handelsartikeln nimmt den breitesten Raum in dem Ausfuhrhandel das Phosphat ein, das auf der zur W. - Gruppe gehörigen Insel Angaur gewonnen wird und im Jahre 1912 in einer Menge von 54 400 000 kg im Werte von 1 523 200 M verschifft wurde. Der Wert der Einfuhr nach den W., Palauinseln und Marianen betrug 1912 1 372 587 M, die sich in der Hauptsache außer auf Bau- und Nutzholz auf Proviant aller Art, wie Körner, Hülsenfrüchte, Fleisch, Fische und sodann noch Metallwaren verteilt. Im übrigen sind die Einfuhrgegenstände die gleichen wie im übrigen Schutzgebiet Deutsch - Neuguinea (s. Deutsch - Neuguinea, 15. Handel). Die Haupthandelsfirma in den W. ist die Westkarolinen - Gesellschaft m. b. H., die die frühere Firma O'Keete in Jap aufgenommen hat und unter der Führung der namentlich in den Ostkarolinen und Marshallinseln tätigen Jaluit - Gesellschaft den Handelsbetrieb und die Anlage von Kopraplantagen bezweckt. Sonst sind noch einige kleinere Händlerstationen auf den Inseln vorhanden. Von eigentlichen europäischen Unternehmungen kommt außer der eben genannten Westkarolinen - Gesellschaft m.b.H. nur noch die Deutsche Südsee - Phosphat - Aktiengesellschaft auf Angaur (s. d.) in Frage. Die Eingeborenenproduktion beschränkt sich, wie auch sonst in der Südsee, in der Hauptsache auf die Gewinnung von Kopra. In geringem Umfang bringen sie noch Perlmutterschalen und Schildpatt sowie etwas Trepang an, im übrigen Pflanzen sie für den eigenen Gebrauch außer Kokosnüssen namentlich Bananen, Ananas, Süßkartoffeln sowie andere Knollenfrüchte, ferner Zuckerrohr, Brotfrucht und Betelnüsse (letztere zum Kauen). Die europäische Bevölkerung in den W., einschließlich der Palauinseln und Marianen, belief sich am 1. Jan. 1913 auf 195 Personen, darunter 157 erwachsene Männer und 23 Frauen. Der Staatsangehörigkeit nach verteilen sich diese auf 81 Deutsche, 67 Japaner, je 3 Engländer und Spanier und je einen Holländer und Nordamerikaner, und sonstige Amerikaner. Über die Eingeborene Farbige Bevölkerung liegt eine Zählung vom Jahre 1911 vor, die im ganzen rund 15 000 Köpfe ergab. Außerdem leben auf den W. 192 Chamorros, 389 verbannte Ponapeleute und 37 Mischlinge. Den Verkehr der Inselgruppe mit der Außenwelt vermittelt der Reichspostdampfer "Germania" der Jaluit - Gesellschaft, der sechsmal jährlich die Plätze Jap und Saipan und nach Bedarf auch andere Plätze berührt. Überdies laufen in Jap vierwöchentlich die Reichspostdampfer der Austral - Japan - Linie des Norddeutschen Lloyd vor (s. Dampfschiffahrt), die auch 8 wöchentlich Angaur berühren. Durch die Kabelstation der Deutsch - Niederländischen Telegraphengesellschaft (s. d.) in Jap sind die W. an das Welttelegraphennetz angeschlossen. Außerdem befindet sich auf Jap noch eine große drahtlose Station, die für den Verkehr mit gleichen Stationen in Nauru und Rabaul bestimmt ist. Eine kleine drahtlose Station ist überdies noch in Angaur für die Zwecke der Deutschen Südsee - Phosphat -Aktiengesellschaft errichtet. Postanstalten bestehen, in Jap, Saipan, Angaur, Korror. Der Schiffsverkehr umfaßte im Jahre 1912 für die W. einschließlich Palau und Maxianen 95 Dampfer mit einem Gehalt von 135 981 Registertonnen, ferner 43 Segelschiffe mit 7 713 Tonnen. Von den Dampfern liefen 10 mit einem Tonnengehalt von 43 186 Registertons unter nichtdeutscher Flagge. Der Verkehr zwischen den einzelnen Inseln vollzieht sich, abgesehen von den eben erwähnten Dampfern durch Segel- und Motorschoner der einzelnen Gesellschaften sowie vermittelst der Boote der Eingeborenen. Die bedeutenderen Inseln, wie Jap, Saipan und namentlich die Palauinseln, sind für den Inlandsverkehr nach Bedarf von Wegen durchzogen.

Krauß.