Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 710 f.

Wilhelmstal, Ort und Bezirk in Deutsch-Ostafrika 1. Der Ort W. liegt in Westusambara in einer nach S geöffneten Talmulde 1930 m ü. d. M., das Bezirksamtsgebäude etwa 30 m höher. Die Regenmenge beträgt 1041 mm (zehnjähriges Mittel). Die nähere Umgebung, einst ebenso wie die weitere gut bewaldet, ist heute mit Europäerpflanzungen und Eingeborenenkulturen bedeckt. In W. gab es 1913 Bezirksamt (mit 64 Mann Polizeitruppe), Forstamt, Vermessungsbureau und Post, zwei Gasthäuser, vier europäische und zwei indische Firmen. Von W. führt Automobilstraße nach Mombo (s.d.) zur Usambarabahn. - 2. Der Bezirk W. ist 15 600 qkm groß und umfaßt Westusambara, das südl. und mittlere Pare, das Mkomasital, ein großes Stück des Panganitals, sowie den größten Teil der Umba-, einen kleinen der Massaisteppe (s. die Einzelartikel). Anfang 1913 betrug die Zahl der Eingeborenen 98 600, wozu 385 nichteinheimische Farbige und 423 Europäer kamen, was die Volksdichte 6,4 ergibt. Nur Westusambara (s. Usambara) ist dicht, das übrige Gebiet teils dünn, teils gar nicht bevölkert. Im W. liegen 17 Missionsstationen, davon 13 in Westusambara. - W. ist einer der wichtigsten Plantagen- und Ansiedlungsbezirke. 1912 besaßen hier 13 Plantagenfirmen 17 Niederlassungen, 60 europäische Ansiedler waren im Bezirk, wozu noch 10 andere selbständige Gewerbetreibende kamen; 41 Inderfirmen waren vertreten. 1908 waren 446 qkm Landes in W. im Besitz von Europäern; dazu wurden vom Gouvernement 1909/12 208 qkm verkauft, 296 qkm verpachtet. 1912 wurden 12 480 farbige Arbeiter im Bezirk beschäftigt. Anfang 1913 waren im Besitz der Eingeborenen 47 500 Rinder, 50 200 Schafe, 81 400 Ziegen, 280 Esel, 250 Schweine, in dem der Europäer in 56 Betrieben 1506 Rinder, darunter 678 Kreuzungstiere, 510 Schafe, 494 Ziegen, 969 Schweine, 226 Esel, 76 Pferde und Maultiere.

Literatur und Karte s. Usambara.

Uhlig.