|
Wind. 1. W.richtung, W.stärke und W.geschwindigkeit. 2. W.gesetze. 3.
Allgemeine W.verteilung. 4. Einfluß des Landes auf die W.verteilung. Periodische
und unperiodische W. 5. Stürme. 6. Besondere W.
1. W.richtung, W.stärke und W.geschwindigkeit. Beim W. sind zu unterscheiden
W.richtung, wie W.stärke und W.geschwindigkeit. Die W.richtung wird bezeichnet
nach der Richtung, aus der der W. weht. Die W.stärke wird nach der Beaufortskala
von 0 - 12 geschätzt, so daß "0". W.stille, "12" Orkan mit verwüstenden
Wirkungen bezeichnet. Die W.geschwindigkeit wird in Metern pro Sekunde oder in
englischen Meilen pro Stunde gemessen. Nach Köppen: "Neuere Bestimmungen über
das Verhältnis zwischen der W.geschwindigkeit und der Beaufort - Stärkeskala"
ist

2. W.gesetze. Die engen Beziehungen zwischen der
Verteilung des W. und des Luftdrucks geben die aus
dem Studium der synoptischen Wetterkarten
gewonnenen Gesetze.
a) Das Buys - Ballotsche Gesetz: Die Luft
strömt von der Gegend höheren nach der niederen
Luftdrucks und wird auf der nördlichen
Halbkugel nach rechts, auf der südlichen nach
links abgelenkt.
b) Das Stevensonsche Gesetz: Die W.stärke und
W.geschwindigkeit ist
um so größer, je größer der Luftdruckgradient
ist, je dichter gedrängt also die Isobaren
sind.
Am schärfsten ausgeprägt findet man beide
Gesetze bei den ozieanischen W., während auf
dem Festland durch die Reibung an der
Erdoberfläche größere Beeinflussungen eintreten.
Regelmäßig nehmen W.stärke und
W.geschwindigkeit wegen der wachsenden Reibung
an der
Erdoberfläche vom Ozean gegen die Küste,
von der Küste gegen das Binnenland ab. Aus
diesem Grunde nehmen sie auch mit der Erhebung
über dem Erdboden zu, zuerst sehr
schnell, nachher langsamer; nicht selten erfolgt in
größeren Höhen sogar eine Abnahme.
Auf dem Meere fehlt eine tägliche Periode von
W.stärke und W.geschwindigkeit fast völlig. Auf
dem Festlande erreichen sie ihr Minimum in den
Morgenstunden, ihr Maximum einige Stunden nach
Mittag. In den höheren Luftschichten ist hingegen
der W. bei Nacht bedeutend stärker als am Tage.
Die allgemeine Zunahme der mittleren
W.geschwindigkeit nach dem Meere hin und
innerhalb der gemäßigten Zonen auch nach den
Polen hin ist in der kalten Jahreszeit erheblich
größer als in der warmen.
3. Allgemeine W.verteilung. Die Ozeane der Erde, besonders der Atlantische,
zeigen folgende Verteilung der W., die sich wahrscheinlich auf der
ganzen
Erde finden würde, falls diese gleichmäßig von Wasser oder ebenen Land
gebildet würde. Ein Gürtel niedrigen Luftdrucks mit W.stillen und
schwachen
veränderlichen W. (Mallungen) zieht sich längs des Äquators hin. Diesem
strömt aus den Gebieten hohen Luftdrucks in etwa 35° nördlicher und
südlicher
Breite, den subtropischen Hochdruckgürteln, in den unteren Schichten
Luft
mit großer Beständigkeit zu, wodurch zwischen etwa 30° nördlicher und
südlicher Breite die Passatgürtel entstehen. Durch die Erdrotation
werden
auf der nördlichen Halbkugel die so hervorgerufenen Nord- W. zu Nordost-
,
auf der südlichen die Süd- W. zu Südost- W. abgelenkt. Der kräftigere
und das größere Gebiet einnehmende ist der Südostpassat.
Im nördlichen Sommer sind diese 3 Zonen nordwärts, im nördlichen Winter
südwärts verschoben. Von unseren Kolonien haben das ganze Jahr hindurch
Südostpassat das Samoagebiet wie der. Süden von Deutsch - Ostafrika; im
nördlichen Winter Nordostpassat, im nördlichen Sommer Südostpassat bzw.
östliche W., und in den Zwischenzeiten Mallungen mit gelegentlichen
Südweststürmen
die Marshallinseln und Karolinen; im nördlichen Winter Nordost-Passat,
und im nördlichen Sommer südwestliche W. das Innere von Kamerun
und Togo; das ganze Jahr hindurch südwestliche W. die Küsten dieser
beiden
Kolonien, wie auch die von Deutsch-Südwestafrika.
Im Innern von Deutsch - Südwestafrika dürften östliche W. vorherrschen.
In den subtropischen Hochdruckgürteln senken sich die am Äquator auf
gestiegenen
Luftmassen wieder herab die ihnen in der Höhe auf der nördlichen
Halbkugel
als Südwest- W., auf der südlichen als Nordwest- W. (Antipassate)
zufließen.
In diesen Gürteln, den polaren Grenzen der tropischen Luftzirkulation,
sind ebenfalls Mallungen vorherrschend. Polwärts von ihnen strömt die
Luft an der Erdoberfläche den höheren Breiten zu und bildet, durch die
Erdrotation abgelenkt, die Westwindzonen. In den inneren Polarzonen
herrschen
wieder Ost - W. vor. Schematisch zeigt die großen W. - gürtel der Erde
nebst der Luftdruckverteilung an der Erdoberfläche die nachstehende
Tabelle:

Die senkrechten Striche entsprechen der Einschaltung der windstillen
Gürtel.
Es sind dies die subtropischen sog. "Roßbreiten" und der tropische Kalmengürtel.
4. Einfluß des Landes auf die W.verteilung. Periodische und
unperiodische W.
Dadurch, daß 27 % der Erdoberfläche vom festen Land bedeckt sind, wird
die allgemeine W.verteilung stellenweise wesentlich verändert. Die
Temperaturunterschiede
zwischen Land und Meer erzeugen jahreszeitlich und im Laufe des Tages
wechselnde W., die Monsune wie die Land- und See - W. Die bei weitem
großartigere
Erscheinung sind die Monsune. Sie reichen stellenweise bis in die Mitte
der Festländer und der Ozeane. Besonders entwickelt sind sie an der Süd-
und Ostseite Asiens, des größten Kontinents. Verstärkt wird die Wirkung
des asiatischen Kontinents noch durch die entgegengesetzte jährliche
Schwankung
der Temperatur in den Wüsten
Australiens
und Südafrikas. Von etwa 10 ° - 23 ° n. Br. und von Afrika bis zu den
Philippinen, an der afrikanischen Küste den Nordosten von Deutsch-
Ostafrika,
im Osten die Palauinseln mit
umfassend,
herrscht im Sommer der heftiger wehende Südwest-, im Winter der
schwächer
wehende Nordostmonsun. An der chinesischen Küste reicht der, und zwar
frisch wehende, Nordostmonsun bis 30° n. Br. Sonst wechseln an der
asiatischen
Ostküste schwache südliche bis südöstliche W. im Sommer mit starken
nordwestlichen
im Winter ab. Diesem Gebiet gehören von unseren Kolonien das
Kiautschougebiet
und die Marianen an. Veranlassung zum
Nordwestmonsun gibt während des
südlichen Sommers in Deutsch-
Neuguinea,
den Bismarck-, Admiralitäts- und den deutschen Salomoninseln
wie in den ihnen benachbarten kleineren Inselgruppen die zu dieser Zeit
außerordentlich starke Erhitzung des australischen Kontinents; hingegen
herrscht sonst in diesen Gebieten der Südostpassat. Den Monsunen
entsprechend,
jedoch auf die Nähe der Küsten beschränkt sind die Land- und See - W.
Der Eintritt der Seebrise erfolgt zwischen 9 Uhr vormittags und mittags.
Besonders wichtig für das Wohlbefinden des Menschen ist an den
tropischen
Meeresküsten die meist gegen Mittag einsetzende und Erlösung von der
drückenden
Hitze der, letzten Vormittagsstunden bringende Seebrise. Land- und See
- W. kommen auch an den Ufern größerer Seen, wie wir sie in Deutsch-
Ostafrika
besitzen, zur Entwicklung. Über die Einwirkungen der Monsune wie der
Land-
und See - W. auf das Klima s. Klima 3 e.
- Im Gebirge weht der W. tags meist als warmer Wind talaufwärts, nachts
als kalter talabwärts. S. Klima 3 f. - Im Gegensatz zu diesen
periodischen
W., periodisch nach der Jahres- bzw. Tageszeit, stehen die
unperiodischen
der mittleren und höheren Breiten. Sie werden meist durch die Bewegung
von Luftdruckwirbeln bedingt; die Wirbel mit niedrigem Luftdruck in der
Mitte werden als Zyklone, die mit hohem in der Mitte als Antizyklone
bezeichnet. Ihrer Unbeständigkeit entspricht die Launenhaftigkeit der
W.richtung in diesen Breiten. Da die Zyklone sich meist an der polaren
Grenze der gemäßigten Zone von Westen nach Osten fortbewegen, so dreht
sich der W. in der nördlichen gemäßigten Zone vorwiegend im Sinne des
Uhrzeigers, in der südlichen im umgekehrten Sinne des Uhrzeigers.
5. Stürme. Am genauesten untersucht
sind wegen ihrer praktischen Wichtigkeit die stärksten W., Stürme, Orkane und Taifune. Meist gehören sie zyklonalen
Luftwirbeln
an, doch ist oft nicht der ganze Umkreis der Zyklone stürmisch. Die
Unterscheidung
in Wirbelstürme und andere Stürme ist daher nicht immer streng
durchführbar.
Am häufigsten treten sie in mittleren und höheren Breiten auf;
verhältnismäßig
selten sind sie in den Tropen, wo sie
sich
jedoch um so schärfer von der sonstigen Regelmäßigkeit und Ruhe des
Wetters
abheben. -Dafür erreichen sie aber dort ihre regelmäßigste Ausbildung
und zuweilen die größte Heftigkeit. Sie entstehen meist in etwa 10°
Breite,
bewegen sich etwa bis zum Wendekreis westwärts und zugleich polwärts und
biegen darauf, in die allgemeine Bahn der Wirbel der gemäßigten Zone
einschwenkend,
ostwärts ab. Zugleich verbreitert sich ihr Durchmesser rasch, während
ihre Intensität meist abnimmt. Frei von ihnen sind die Gebiete von etwa
5° n. Br. bis 3° s. Br., also von den deutschen Kolonien
Deutsch-Neuguinea mit den Bismarck- und Admiralitätsinseln, Deutsch-Ostafrika abgesehen von
gelegentlichen
Verstärkungen der Monsun- W., Kamerun und Togo
abgesehen von den Tornado (s.d.); am,
häufigsten von den berüchtigten, Taifun
genannten, Orkanen heimgesucht sind die Marianen; auch auf den Karolinen wie den Marshallinseln scheinen sie nicht selten zu
sein; gelegentlich treten sie ferner auf den Samoainseln wie im
Kiautschougebiet
auf. Die Dauer der Taifune beträgt meist 8 bis 24 Stunden, steigt selten
auf 3 Tage und erreicht nur in ganz besonderen Fällen 7 Tage.
Charakteristisch
für die Taifune ist der sie begleitende jähe Barometersturz und das
folgende
ebenso heftige Wiederemporschnellen. Außerordentlich sind die
Verheerungen,
welche die Taifune begleiten können. Bäume werden entwurzelt, Häuser
umgestürzt
und ein Stück fortgeführt; und was der Taifun selbst übrig gelassen hat,
vernichten dann öfter zum Schluß, namentlich auf kleineren und niedrigen
Inseln, die ihm folgenden Flutwellen.
6. Besondere W. An besonderen in den deutschen Kolonien vorkommenden W. sind
zu erwähnen Föhn, Harmattan, Windhosen und Tornado (s. Sonderartikel).
Literatur: Segelhandbuch für den Stillen Ozean, Hamburg 1897; Jür den
Atlantischen Ozean, 3. Aufl., Hamburg 1910; für den Indischen Ozean, Hamburg
1892, mit zugehörigen Atlanten hrsgb. von der
Deutschen Seewarte. - S.a. Literatur unter Klima und Meteorologie.
Heidke.
|