Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 714 f.

Windhuk (s. Tafel 206), der Hauptort des Schutzgebietes Deutsch-Südwestafrika, unter 22 2/3 ° s. Br. in rund 1650 m Meereshöhe am Ursprung des Hauptseitenriviers des Swakop gelegen, Sitz der Regierung. W. ist sowohl Sitz des Gouverneurs wie auch der Post- und Zollbehörde (zugleich Postamt, Telegraphenamt, Zollamt in Groß - W.). Es ist ferner der Sitz des Kommandos der Schutztruppe, gleichzeitig auch Garnison einer größeren Abteilung. Die Rheinische und die Katholische Mission besitzen Stationen in der Hauptstadt. An Schulen für weiße Kinder sind vier vorhanden, eine Regierungs- und eine Realschule sowie eine Mädchenschule der katholischen Mission in Groß-W. und eine Schule in dem unmittelbar benachbarten Klein - W. W. ist Endpunkt der von Swakopmund ausgehenden Bahnlinie und Anfangspunkt der über das Auasgebirge (s.d.) geführten Nordsüdbahn. W. liegt in dem ehemals vom Afrikaanerstamm (s.d.) besetzten Gebiet etwa 10 km unterhalb der Auasberge. Der Hauptort nimmt das Gehänge eines südnördlich gerichteten Tales ein, das nach Westen zu von den zu immer größerer Höhe hintereinander aufsteigenden Hügelwellen des Komasabhanges begrenzt wird. Dem oberen Rande des Stadthügels entströmen die heißen Quellen, denen der Ort seinen hottentottischen Namen "Eikhams" (Feuerwasser) verdankt. Ein niedriger Paß führt über diesen Bergrücken nach Osten in das Tal, des eigentlichen Windhuker Riviers; dem unteren Gehänge eines diese Senke im Süden begrenzenden Berges entströmen ebenfalls einige allerdings den Sprudeln von Groß - W. an Ergiebigkeit nachstehende Quellen. Dieses Tal umfaßt die Siedlung von Klein-W. Klima, Pflanzenwuchs, Wasserreichtum, endlich auch die einige Hauptverkehrswege beherrschende Lage, zugleich an der Grenze der beiden Hauptrassen, das alles waren Vorzüge, welche die Verlegung der Hauptstation der deutschen Herrschaft nach W. durchaus gerechtfertigt erscheinen ließen, obwohl es damals nicht an Stimmen innerhalb des Schutzgebietes fehlte, die diese Gründung bemängelten. Die spätere Entwicklung hat indessen dem Scharfblick des Erbauers von W., K. v. Francois (s.d.), in jeder Hinsicht Recht gegeben, ja sie hat Erwartungen, die man im Anfang der neunziger Jahre auf das Aufblühen des Ortes setzte, weitaus übertroffen. W. ist, Swakopmund und Lüderitzbucht ausgenommen, der einzige Ort im Schutzgebiet, der auf den Namen einer Stadt auch im europäischen Sinne in vollstem Maße Anspruch machen kann. Zudem ist es der Sitz der meisten Einzelfirmen innerhalb des Schutzgebietes und daher der Mittelpunkt des geschäftlichen Lebens im innern Schutzgebiet, eine Stellung, die jetzt, nach Vollendung der Nordsüdbahn, sich noch mehr befestigen wird. W. war bereits früher einmal von den Wesleyanern als Missionsstation eingerichtet, dann aber wieder verlassen worden. 1871 richtete die Rheinische Missionsgesellschaft (s.d.) die Station wieder ein, doch wurde sie abermals verlassen, als die Zwistigkeiten zwischen den Jan Jonkerschen Hottentotten (s. Afrikaaner) und den Herero zur Aufhebung der Europäertätigkeit führten. Erst im Jahre 1890 verlegte K. v. Frangois (s.d.) im Oktober den Standort der Schutztruppe von Tsaobis (Wilhelmsfeste) nach hier. Der 18. Okt. 1890, an dem der Grundstein zu der Feste auf dem Quellhügel von Groß-W. gelegt wurde, ist somit auch der Gründungstag der Hauptstadt von Deutsch- Südwestafrika. Nachdem sich zunächst nur eine Firma am Ort niedergelassen hatte, begann mit den 1893 erfolgten Hinaussendungen von Truppenverstärkungen eine regere Entwicklung Platz zu greifen, zu der auch die im Vorjahre begonnene Besiedlung von Klein-Windhuk das ihre beitrug. Der Aufschwung konnte indessen erst dann in dem heutigen Maßstabe einsetzen, als die 1896 begonnene Bahn von Swakopmund aus den Ort erreicht hatte. Während der Unruhen und Kriege, die das Schutzgebiet in den letzten zwanzig Jahren bisweilen hart mitnahmen, hatte W. eigentlich nur mittelbar, d.h. durch Verkehrs- und Geschäftsstockungen zu leiden. Nur zweimal kam es während dieser ganzen Zeit zu Ansammlungen feindlicher Horden in unmittelbarer Nähe des Ortes; im Juni 1893 erschien eine mehrere hundert Mann starke Abteilung von Witbois vor W., zog sich aber schon nach zwei Tagen wieder zurück. Auch während des großen Hereroaufstandes (s.d.) trieben sich starke Banden der Kaffern in der Umgebung umher, doch beschränkten sie sich nach einigen heftigen Gefechten auf die Beobachtung der Niederlassungen aus größerer Entfernung: Klimatabelle s. Deutsch- Südwestafrika.

Literatur: K. Dove, Südwestafrika, Kriegs- und Friedensbilder aus der ersten deutschen Kolonie. Berl. 1896. - H. v. Francois, Nama und Damara. Magdebg. - K. Schwabe, Mit Schwert und Pflug in Deutsch - Südwestafrika. 2. Aufl., Berl. 1904.

Dove.