| Windhuk (s. Tafel 206), der Hauptort des
Schutzgebietes Deutsch-Südwestafrika,
unter 22 2/3 ° s. Br. in rund 1650 m Meereshöhe am Ursprung des
Hauptseitenriviers
des Swakop gelegen, Sitz der Regierung. W.
ist sowohl Sitz des Gouverneurs wie auch der Post- und Zollbehörde
(zugleich
Postamt, Telegraphenamt, Zollamt in Groß - W.). Es ist ferner der Sitz des
Kommandos der Schutztruppe, gleichzeitig auch Garnison einer größeren
Abteilung.
Die Rheinische und die Katholische Mission besitzen Stationen in der Hauptstadt. An Schulen für weiße Kinder sind vier vorhanden, eine
Regierungs- und eine Realschule sowie eine Mädchenschule der katholischen
Mission in Groß-W. und eine Schule in dem
unmittelbar
benachbarten Klein - W. W. ist Endpunkt der von Swakopmund ausgehenden Bahnlinie und
Anfangspunkt
der über das Auasgebirge (s.d.)
geführten
Nordsüdbahn. W. liegt in dem ehemals vom Afrikaanerstamm (s.d.) besetzten
Gebiet etwa 10 km unterhalb der Auasberge. Der Hauptort nimmt das Gehänge
eines südnördlich gerichteten Tales ein, das nach Westen zu von den zu
immer
größerer Höhe hintereinander aufsteigenden Hügelwellen des Komasabhanges
begrenzt wird. Dem oberen Rande des Stadthügels entströmen die heißen
Quellen,
denen der Ort seinen hottentottischen Namen "Eikhams" (Feuerwasser) verdankt. Ein niedriger Paß
führt über diesen Bergrücken nach Osten in das Tal, des eigentlichen
Windhuker
Riviers; dem unteren Gehänge eines diese Senke im Süden begrenzenden
Berges
entströmen ebenfalls einige allerdings den Sprudeln von Groß - W. an
Ergiebigkeit
nachstehende Quellen. Dieses Tal umfaßt die Siedlung von Klein-W. Klima,
Pflanzenwuchs, Wasserreichtum, endlich auch die einige Hauptverkehrswege
beherrschende Lage, zugleich an der Grenze der beiden Hauptrassen, das
alles
waren Vorzüge, welche die Verlegung der Hauptstation der deutschen
Herrschaft
nach W. durchaus gerechtfertigt erscheinen ließen, obwohl es damals nicht
an Stimmen innerhalb des Schutzgebietes fehlte, die diese Gründung
bemängelten.
Die spätere Entwicklung hat indessen dem Scharfblick des Erbauers von W.,
K. v. Francois (s.d.), in jeder Hinsicht
Recht gegeben, ja sie hat Erwartungen, die man im Anfang der neunziger
Jahre
auf das Aufblühen des Ortes setzte, weitaus übertroffen. W. ist,
Swakopmund
und Lüderitzbucht ausgenommen, der einzige Ort
im Schutzgebiet, der auf den Namen einer Stadt auch im europäischen Sinne
in vollstem Maße Anspruch machen kann. Zudem ist es der Sitz der meisten
Einzelfirmen innerhalb des Schutzgebietes und daher der Mittelpunkt des
geschäftlichen Lebens im innern Schutzgebiet, eine Stellung, die jetzt,
nach Vollendung der Nordsüdbahn, sich noch mehr befestigen wird. W. war
bereits früher einmal von den Wesleyanern als Missionsstation
eingerichtet,
dann aber wieder verlassen worden. 1871 richtete die Rheinische
Missionsgesellschaft
(s.d.) die Station wieder ein, doch wurde sie abermals verlassen, als die
Zwistigkeiten zwischen den Jan Jonkerschen Hottentotten (s. Afrikaaner) und den Herero zur Aufhebung der Europäertätigkeit führten.
Erst im Jahre 1890 verlegte K. v. Frangois (s.d.) im Oktober den Standort
der Schutztruppe von Tsaobis (Wilhelmsfeste) nach hier. Der 18. Okt. 1890,
an dem der Grundstein zu der Feste auf dem Quellhügel von Groß-W. gelegt
wurde, ist somit auch der Gründungstag der Hauptstadt von Deutsch-
Südwestafrika.
Nachdem sich zunächst nur eine Firma am Ort niedergelassen hatte, begann
mit den 1893 erfolgten Hinaussendungen von Truppenverstärkungen eine
regere
Entwicklung Platz zu greifen, zu der auch die im Vorjahre begonnene
Besiedlung
von Klein-Windhuk das ihre beitrug. Der Aufschwung konnte indessen erst
dann in dem heutigen Maßstabe einsetzen, als die 1896 begonnene Bahn von
Swakopmund aus den Ort erreicht hatte. Während der Unruhen und Kriege, die
das Schutzgebiet in den letzten zwanzig Jahren bisweilen hart mitnahmen,
hatte W. eigentlich nur mittelbar, d.h. durch Verkehrs- und
Geschäftsstockungen
zu leiden. Nur zweimal kam es während dieser ganzen Zeit zu Ansammlungen
feindlicher Horden in unmittelbarer Nähe des Ortes; im Juni 1893 erschien
eine mehrere hundert Mann starke Abteilung von Witbois vor W., zog sich
aber schon nach zwei Tagen wieder zurück. Auch während des großen Hereroaufstandes
(s.d.) trieben sich starke Banden der Kaffern
in der Umgebung umher, doch beschränkten sie sich nach einigen heftigen
Gefechten auf die Beobachtung der Niederlassungen aus größerer Entfernung:
Klimatabelle s. Deutsch-
Südwestafrika.
Literatur: K. Dove, Südwestafrika, Kriegs- und
Friedensbilder aus der ersten deutschen Kolonie.
Berl. 1896. - H. v. Francois, Nama und
Damara. Magdebg. - K. Schwabe, Mit Schwert und Pflug in Deutsch -
Südwestafrika.
2. Aufl., Berl. 1904. Dove.
|