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Wirtschaft der Eingeborenen. 1. Wirtschaftfiche Arbeit und Enthaltsamkeit.
2. Nahrungsstoffe: Wasser, Salze, Eiweiß, Fette, Kohlehydrate. 3.
Nahrungsgewinnung: Sammel - W., Jäger- und Fischervölker. - Kultivierende W.:
Hirtenvölker, Bauernvölker. 4.
Nahrungsbereitung. 5. Vierstufentheorie und Pflugbau.
1. Wirtschaftliche Arbeit und Enthaltsamkeit. Die W. umfaßt alle
Handlungen
des Menschen, die zur Gewinnung und Verwertung der zu seiner
Lebensführung
notwendigen Güter erforderlich sind. Obenan stehen unter diesen die
Nahrungs-
und Genußmittel, weiterhin folgen
die technischen Rohstoffe (für Geräte, Waffen, Schmuck, Kleidung,
Bauwerke,
Verkehrsmittel), endlich gehören hierher die Gewerbetätigkeit (s.d.) und
der Handel (s. Tauschhandel,
Märkte, Geld). Die Art des Nahrungserwerbes beeinflußt die
technischen
Rohstoffe und wirkt unmittelbar auf die gesellschaftlichen Zustände
zurück.
Der Jäger und der Hirte haben vor allem tierische Rohstoffe zur
Verfügung,
Bauern dagegen vorwiegend pflanzliche; herumziehende Völker können
keinen
umfangreichen Besitz an Gerät usw. entwickeln, sondern beschränken ihn
auf das Unentbehrliche und leicht Bewegliche, seßhafte verfügen über
größeren
Reichtum an Formen und Stoffen. Andererseits verbietet unsicherer und
mühsamer Nahrungserwerb das dauernde Zusammenleben größerer
Menschenmengen
und erfordert außerdem ein verhältnismäßig großes Gelände; sicherer
Nahrungserwerb
wird zur Voraussetzung für die Entwicklung größerer Verbände auf
kleinerem
Raum, ihre Schichtung und Spezialisierung. Im allgemeinen versteht man
daher unter W. die Grundlage dieser Zusammenhänge, d.h. die dem
Nahrungserwerb
geltenden Tätigkeiten. - Diese beruhen zunächst auf Arbeit, außerdem
aber
auf Enthaltsamkeit, die zur Regulierung des Verbrauches und zur
Herstellung
von Vorräten führt. Freilich erreichen erst die Kulturvölker eine hohe
Stufe rationeller Ausnutzung der Nahrungsmittel. Die Naturvölker
verfügen
über weit geringere technische Hilfsmittel (ganz abgesehen davon, daß
ihr Nahrungserwerb fast ausschließlich ein empirischer ist), so daß
ihrer
W. die Intensität fehlt; andererseits sind ihre Vorräte begrenzt und von
äußeren Einflüssen wie dem Wetter sehr
abhängig, da ihnen der Handel keinen Ausgleich schaffen kann; überdies
verschleudern und zerstören sie wirtschaftliche Werte, so bei Festen,
bei Bestattungen durch reichliche Totenbeigaben und die Brachlegung der
Pflanzungen. Hindernd auf die Ausnutzung des Vorhandenen wirken
religiöse
Vorstellungen, wenn z.B. in Südafrika Fische nicht genossen werden, die
man für Wasserschlangen hält, also für gleichbedeutend mit den
Erdschlangen,
welche Seelentiere sind. Einen gewissen Ausgleich schaffen dann wieder
die Speiseverbote, die bestimmte
Nahrungsmittel zeitweilig oder dauernd einer Gruppe von Personen
entziehen,
während andere sie genießen dürfen (z.B. im Gebiete des Totemismus,
s.d.); radikal wirkt ferner die künstliche Beschränkung der Volkszahl
(Kindesmord) auf die unter normalen Verhältnissen mit den verfügbaren
Mitteln zu erhaltende Menge. Bei aller oft erstaunlichen Spezialisierung
einzelner Methoden des Nahrungserwerbs ist daher seine Grundlage auch
dort keine sichere, wo an sich ausreichende Nahrungsmittel vorhanden zu
sein scheinen; die W. ist vielmehr durch gesellschaftliche und religiöse
Beziehungen belastet und, ganz abgesehen von technischen Fragen,
beschränkt
durch die psychologischen Besonderheiten des Naturvolkes, unter denen
die Irrationalität voransteht. - Der Stoffwechsel verlangt den Ersatz
verbrauchten Materials und umfaßt die Aufnahme der Nahrungsstoffe, ihre
Umwandlung und die Ausstoßung des Nichtverwendbaren. Die Nabrungsstoffe
sind in den Nahrungsmitteln enthalten, von denen alle Organismen Luft,
Wasser, Salze brauchen, Tier und Mensch außerdem Eiweiß, Kohlehydrate,
Fette, die von Pflanzen und Tieren geliefert werden können. Der Mensch
ist daher im allgemeinen an die Gebiete gebunden, in denen Wasser und
Pflanzen vorhanden sind; andererseits hat er sich eine Reihe von
Hilfsmitteln
geschaffen, die eine wesentliche Steigerung seiner Körperkräfte
darstellen
und ihm den Nahrungserwerb erleichtern. Er geschieht in zwei Formen.
Entweder
der Mensch liest die Nahrungsmittel auf, wo er sie findet (aneignende
oder Sammel - W.), oder er züchtet sie (kultivierende oder produzierende
W.). Allerdings schließen sich diese Formen nicht aus, sondern
überwiegen
nur in verschiedenem Grade. Die aneignende Form gleicht äußerlich der
des Tieres, doch besteht der grundlegende Unterschied, daß das Tier sich
in seiner Organisation den Nahrungsmitteln anpaßt oder nur die aufnimmt,
die ihr ohne weiteres entsprechen, während der Mensch die Nahrungsmittel
sich anpaßt, indem er sie zubereitet. Er sorgt ferner für die Gegenwart,
denkt aber auch an die Zukunft, indem er vorsorgt.
2. Nahrungsstoffe. Unter den Nahrungsstoffen findet der Mensch das Wasser in
Quellen, Teichen, Wasserläufen, das ihm auch in geringer Menge Salze zuführt,
ferner dient ihm das Regenwasser, das sich in Felshöhlungen, Tümpeln,
Blattscheiden usw. sammelt. Er genießt es in pflanzlichen und tierischen
Nahrungsmitteln und kennt überdies Pflanzen, die ihm Grundwasser anzeigen, und andere, die es
aufspeichern, so daß deren Zweige, Blätter und vor allem Früchte es ihm liefern.
können (Kokosnuß, Narakürbis). Der Buschmann versteht es, das kapillare Wasser
in der Kalahari durch Ansaugen mittels eines
Halmes zu gewinnen; man gräbt Brunnen, die bis
zum Grundwasser reichen oder fängt in der Südsee das an den Palmstämmen herabfließende
Regenwasser mit großen Muscheln oder
Schneckenschalen auf. Einen Wasservorrat hält man in Kokosschalen, Töpfen,
Bambusstücken, Fellsäcken usw., der Buschmann vergräbt mit Wasser gefüllte
Straußeneierschalen. - Die Salze sind gleich dem Wasser in pflanzlichen und
tierischen Nahrungsmitteln enthalten, doch wird vor allem das Kochsalz außerdem
gewonnen. In einfachster Weise wird es dem Haushalt zugeführt durch Verwendung
von Meerwasser, das getrunken und den Speisen zugesetzt wird (Ozeanien), nachdem
es gelegentlich auf weiten Wegen herbeigeschafft ist. Durch Sieden von
Meerwasser wird Salz in Melanesien gewonnen, durch Auslaugen von
Pflanzenasche und Versieden der Lauge in Afrika; man sammelt es in den
Ausblühungen salzhaltigen Bodens und gewinnt es aus salzhaltigem Gestein. Da
Salz nicht überall erhältlich ist, wurde es Gegenstand des Gewerbes und eines
weitreichenden Handels, dient auch stellenweise als Wertmesser (s. Geld). -
Eiweiß und Fette überwiegen in den tierischen Kohlehydraten in den pflanzlichen
Nahrungsmitteln, die den Hauptgegenstand des Nahrungserwerbs darstellen.
3. Nahrungsgewinnung. Die tierische Nahrung (s. Haustiere) liefern
wilde
und zahme Säuger (Hund, Schaf, Ziege, Schwein, Rind), wilde und gezähmte
Vögel (Hühner, Tauben, Enten), ferner niedere Wirbeltiere, vor allem Fische,
endlich Wirbellose, wie Heuschrecken,
Käferlarven, Bienen und die große Zahl
von Tintenfischen, Schnecken,
Muscheln,
Würmern, die das Meer enthält. Die Pflanzennahrung liefern neben den
Wurzeln,
Blättern, Früchten wildwachsender Pflanzen, dem Mark von Palmen, Farnstämmen usw. die kultivierten Getreide-
und Gemüsearten, dann Banane, Brotfrucht,
Kokospalme, Erdnuß, Sesam; Zuckerrohr bildet schon den Übergang zu den
Genußmitteln,
zu denen auch Tabak, Betelnuß, Kaffee
gehören (s. Nutzpflanzen). Ein Teil
der Nahrungstiere kann durch Aneignung gewonnen werden, doch ist ihre
Zahl gering, solange dem Menschen nur seine Gewandtheit zur Verfügung
steht; erst mit der Ausbildung technischer Hilfsmittel vergrößert sich
der Kreis der erreichbaren Arten erheblich und umfaßt dann auch die
großen
Tiere, die reichlich Fleisch liefern. Zum Einsammeln von Kleintieren,
wie es auf den Riffen der Südsee und auf dem Lande Frauen und Kinder
betreiben,
tritt dann die Jagd (s.d.) und die Fischerei
(s.d.) des Mannes. Ihr Umfang ist verschieden und bei der Leistung, die
sie verlangen, -durch die Menge bestimmt, in welcher Masse
Nahrungsmittel
verfügbar sind; wo Jagd und Fischerei die Hauptnahrung liefern, tritt
die Abhängigkeit der Gesellschaft von der W. hervor, so daß man solche
Völker als Jäger- oder Fischervölker bezeichnet, ohne damit sagen zu
wollen,
daß diese W.form ihnen ausschließlich die Nahrung liefert. Jägervölker sind z.B. die Pygmäen (s.d.) und Buschmänner (s. d.), Fischervölker die
Bewohner
der ärmsten und kleinsten Atolle der
Südsee;
letztere gewinnen daneben ihre Pflanzenkost durch den Anbau, erstere
durch
Sammeln, wobei sie zum Ausgraben von Wurzeln und Knollen den Grabstock verwenden, der auch ein wichtiges Gerät
des Landbaus ist. Da das Meer für Erneuerung der Tiere sorgt, sind die
Fischervölker seßhaft, während die Jägervölker in kleinen Horden.
ständig
umherschweifen. Jene können einen gewissen Reichtum an stofflichem
Kulturbesitz
haben, diese müssen sich auf das notwendigste und zweckmäßigste Gerät
beschränken, das sie mitführen können. - Die kultivierende W. erstreckt
sich auf Tiere und Pflanzen. Sie gibt der Lebenshaltung größere
Sicherheit
und Stetigkeit und ermöglicht den dauernden Bestand zahlreicherer
Gemeinschaften
mit einer stärkeren Entfaltung des materiellen Kulturbesitzes. Die Tier
- W. ist zunächst einfache Tierhaltung; sie gilt wilden Tieren, die man
zum Vergnügen (Schmucktauben, Papageien)
oder zur Nahrung einfängt (Schildkröten);
wenig mehr ist die extensive Zucht der Haustiere, die nach Afrika und
Ozeanien eingeführt sind, und die man bis auf den Bau von Ställen im
wesentlichen
sich selbst überläßt; nur für das Rind wird durch Auswahl der Weide
besonders
gesorgt. Eine bewußte Tierzucht ist auf sehr wenige Gebiete beschränkt,
so auf die Tussi, die ihre Rinder auf Körperform, Größe der Hörner usw. züchten (s. Viehzucht). Die Tiernutzung umfaßt die Verwendung
der Tiere als Verkehrs- (Pferd, Esel, Kamel, Rind) und als Nahrungsmittel. Das Hausgeflügel
spielt dabei eine geringe Rolle, und es ist bezeichnend, daß Huhn und
Ei in Westafrika einen besonderen Wert nur als Opfer haben. Wertvoller
ist das Kleinvieh (Schaf, Ziege, Schwein), doch kommt die
größte Bedeutung dem Rind zu. Die Nutzung selbst ist dabei eine ganz
verschiedene.
Rund, Schwein, Schaf werden um des Fleisches willen gehalten, zum Teil
auch die Ziege; vom Rinde wird in allererster Linie die Milch genutzt, dagegen ißt man der Regel nach nur
gefallenes
Großvieh. Dabei ist der Milchertrag
der einzelnen Kuh gering, so daß sehr große Herden gehalten werden
müssen,
um für sich allein die Hauptnahrung zu liefern,. Andererseits erklärt
sich die Größe der Herden daraus, daß das Rind religiöse Beziehungen zum
Menschen hat (Herero) und seinen
Reichtum,
mit dem er Frauen kauft usw., darstellt. Die Notwendigkeit, dieses
Gebrauchswerte
und Gemütswerte darstellende Kapital zu erhalten und zu mehren, bestimmt
völlig die Lebensweise und Kultur mancher Völker, so daß man sie als Hirtenvölker bezeichnet (Fulbe, Tussi, Massai,
Hottentotten, Herero, s. d. betr.
Art.). Die Überwachung der Rinderherden ist Sache der Männer, das
Melken,
wobei Holzgefäße zur Aufnahme dienen, geschieht auch durch Frauen, die
die Verarbeitung der Milch vornehmen. Die Pflanzenkost gewinnen die
Hirten
durch Sammel - W., durch Tausch, aber auch z um Teil durch einen
allerdings
geringfügigen Anbau. -Den Jägervölkern, die Wüste und Wald bewohnen, und den Hirtenvölkern, die in Afrika
den Süden einnehmen, in Zentralafrika vom Norden her in den Westsudan
und im Osten bis an das Seengebiet
vorgedrungen sind, stehen in dem übrigen Zentralafrika und in Ozeanien
die Bauernvölker gegenüber, deren W. sich auf Zucht und Anbau der
Nahrungspflanzen
gründet, während sie nebenher auch die Jagd und Fischerei betreiben und
Vieh halten, dessen Milch und Fleisch sie genießen. Die regelmäßige
Nutzung
der Kokospalmen oder der Brotfruchtbäume erfordert keine besondere
Pflege;
bei der Sagopalme ist es zweifelhaft, ob auf die Erhaltung der Bestände
überall eine besondere Sorgfalt verwendet wird, doch verlangt hier die
Gewinnung und Verarbeitung des Markes eine wiederkehrende Tätigkeit.
Auch
die Kultur der Bananen bedarf keiner großen Leistungen. Wo sie
nicht
die Hauptnahrung bildet und in Hainen steht (Wakonde, Westafrika), wird sie mit anderen
Nutzpflanzen
am Rande der Hauptpflanzung angebaut; hat eine Pflanze Frucht getragen,
so wird der Schaft umgehauen; die nach einiger Zeit aus dem Stock
sprießenden
Schoße werden gesammelt und als Stecklinge für eine neue Anlage
verwendet.
Die Fruchtrispen schneidet man gewöhnlich mit einfachen Messern ab, in
Afrika jedoch ist ein besonderes Bananenmesser bekannt, das an einem
längeren,
in den Griff eingelassenen Eisenstab die kurz gekrümmte starke Klinge
trägt. Die Hauptarbeit wird indessen auf den Anbau der Getreide- und
Gemüsepflanzen
verwandt, von denen in Afrika die Kornarten. überwiegen, während in
Ozeanien
Knollenpflanzen allein in Betracht kommen. Dem Anbau voraus geht die
Klärung
des Stückes, wobei die Rodung der Bäume die Arbeit des Mannes ist. Alle
weitere Arbeit fällt ursprünglich ganz der Frau zu, wenn auch hier und
dort in verschiedenem Umfange Männer mitarbeiten, statt sich auf den
Schutz
der Frauen zu beschränken-. Einfach gestaltet sieh der Anbau von Taro und Yams in
Ozeanien;
die Stecklinge werden in Löcher gesetzt, die mit dem Grabstock
hergestellt
wurden; in der Folgezeit wird der Boden sauber gehalten und gejätet, bis
die Pflanzen eine gewisse Stärke
erreicht
haben; sind die Knollen reif, so werden sie mittels des Grabstocks
ausgegraben
und von den Frauen heimgebracht. Da aber z. B. der Taro außer an
sumpfigen
Stellen nur auf dem frischen Waldboden wächst, so kann die Pflanze nur
einmal an derselben Stelle gesetzt werden, so daß dauernd Neuanlagen
erforderlich
sind. Erschwert dies die Arbeit, so ist andererseits ein Schutz gegen
Schädlinge, vor allem Tiere, kaum nötig. In Afrika ist das Verfahren bei
den Knollenpflanzen ähnlich, auch hier ist der Grabstock ein wichtiges
Gerät. Die Getreidearten werden auf Beeten und Feldern angebaut, die man
mitunter erhöht anzulegen versteht. Sie werden von den Frauen mit der
Hacke vorbereitet, die die Erde oberflächlich verwundet; im Sudan
kennt man auch einen kurzen Spaten, der wohl aus dem Grabstock entstand.
Während des Keimens, Wachsens und Reifens bedürfen die Beete der
Überwachung,
Frauen und Kinder jäten und scheuchen das Wild. Bei der Ernte des Korns
werden die Ähren mit der Sichel kurz abgeschnitten und heimgebracht. Die
Halme bleiben auf dem Felde und werden dort ebenso verbrannt wie das bei
der Rodung gewonnene Gestrüpp, um als Asche den Boden zu düngen.
Gegenüber
der überall bekannten Aschedüngung ist die Mistdüngung nur vereinzelt
im Gebrauch. Aus diesem Grunde und auch wegen der oberflächlichen
Bearbeitung
des Bodens ist die Krume bald erschöpft und eine Neuanlage notwendig,
die entweder auf jungfräulichem Lande oder auf der mittlerweile wieder
überwachsenen Stelle alter Beete erfolgt. Der augenblickliche Umfang der
Felder und Pflanzungen eines Dorfes gibt daher auch unter
der Annahme einer gleichbleibenden Bevölkerung keinen Maßstab für den
tatsächlichen Landbedarf, der vielmehr die künftige Anlage und die
zuletzt
aufgegebene mit umfaßt. Während die Pflanzungen und Felder der Regel
nach
an der Siedlung oder doch in der Nähe liegen, hängt in Gebirgen ihre
Lage
von der Bodenbeschaffenheit ab, und die Siedlungen folgen ihnen, soweit
dies möglich ist. Im Gebirge erfordert die Anlage ferner Vorkehrungen,
die ein Fortschwemmen des Bodens hindern, so daß man hier
Terrassenfelder
anlegt; außerdem muß für ausreichende Bewässerung gesorgt werden, was
durch sehr sinnreiche und sorgfältig unterhaltene Gräben geschieht.
Eßbare
Knollen können bei entsprechender Anlage der Pflanzung während längerer
Zeit geerntet und auf Vorrat in Erde eingeschlagen werden. Auch die
Reife
der Baumfrüchte erstreckt sich über mehrere Wochen und Monate. Das Korn
dagegen reift in kürzerer Zeit und muß rasch geerntet werden, um
Verluste
durch Ausfallen der Körner zu vermeiden; es kann ferner unverändert nur
trocken aufbewahrt werden. Man verwahrt es daher in Speichern, die
entweder
bedachte Gerüste oder Häuschen (Deutsch -Ostafrika) sind oder riesige
Körbe (Ovambo) darstellen, während man
anderwärts (Sudan) Tonurnen größten Maßstabes verwendet; alle diese
Speicher
stehen zum Schutz gegen die Bodenfeuchtigkeit erhöht, meist auf Pfählen,
die einen Stabrost tragen. In Südafrika verwahrt man Vorräte in
Erdgruben,
die mit Steinen bedeckt und mit Rindermist verschmiert werden. Um ein
Keimen zu verhindern, wird das Korn vielfach vor der Aufbewahrung über
Feuer geröstet. Nach dem Ausschlagen der Körner wird
das Enthülsen in dem weit verbreiteten Mörser vorgenommen, der aus einem
Stammabschnitt gehöhlt ist, und zu dem ein hölzerner Stampfer gehört.
Zur Zerkleinerung des täglichen Bedarfes wird das Korn im Mörser
zerstampft
oder auf einer Steinplatte mittels eines runden oder walzenförmigen
Steins
zerrieben. Knollen werden zerschnitten und zwischen Steinen zerstampft.
4. Nahrungsbereitung. Die Zubereitung der Speisen ist meist einfach. Soweit Fleisch, Fische,
Kleintiere nicht roh verzehrt werden, hält man sie an einem Stock über die Glut,
um sie anzurösten, oder legt zumal Fische auf einen Rost aus Stäben, unter dem
dem sich das Feuer befindet. Das Stärkemehl aus Knollen und Korn wird mit Wasser
zu einem steifen Brei angerührt und so genossen oder vorher gekocht. Das Kochen
in einem Topf, der durch Füße oder untergelegte Steine über dem Feuer gehalten
wird, oder dessen Inhalt man durch hineingeworfene glühende Steine erhitzt, ist
heute allgemein bekannt. Verhältnismäßig alt scheint der in Ozeanien verbreitete polynesische Ofen zu sein, in
dem die Nahrungsmittel gedämpft werden. Auf einer reinen Steinschüttung wird
Feuer gemacht, um die Steine zu erhitzen; ist dies erreicht, so entfernt man
Feuer und Asche, legt die Knollen auf die Steine und bedeckt das Ganze mit einer
dicken Schicht grüner Blätter. Fische, Geflügel,
Hunde, Schweine
werden ausgenommen, unzerlegt mit erhitzten Steinen gefüllt und dann ebenso wie
die Knollen gedämpft. Die Zubereitung ist schmackhaft, und zumal die Polynesier verstehen die Herstellung von
Gerichten aus verschiedenen Bestandteilen.
5. Vierstufentheorie und Pflugbau. Anscheinend wissen nur die seßhaften
Bauern lange haltbare Konserven (im
wesentlichen durch Dörren) herzustellen. In Afrika werden Fische getrocknet,
ebenso in Ozeailien, wo man auch aus Bananen oder Pandanus eine sehr brauchbare Dauerspeise gewinnt,
ferner die Brotfrucht in Erdgruben aufbewahrt. - Unter den allgemein
verbreiteten landwirtschaftlichen Geräten fehlt der Pflug, der von Norden und
Osten her im wesentlichen wohl im Gefolge des Islam langsam in Afrika vor drang und den Südrand der
Sahara, Abessinien und das Osthorn erreicht hatte, als die allgemeine
Kolonisationsbewegung einsetzte, die den Pflug zunächst nach Südafrika brachte.
Trotz des Übergewichtes des Pfluges über die Hacke ist der Ozeanier ebenso wie
der Afrikaner beim Hackbau geblieben. Bei ersterem eignet sich der
Anbau von Taro und Yams überhaupt nicht für die Verwendung des Pfluges, aber
auch in Afrika, wo Getreide auf Feldern gezogen wird, macht der Pflug nur ganz
ausnahmsweise raschere Fortschritte (Basutoland), mag ihn der Eingeborene Arbeiter auch im Dienste des Europäers führen. Wo
eine leichte und allgemeine Annahme des Pfluges etwa erwartet wurde, geschah
dies vielleicht im Vertrauen auf seine zweifellose Überlegenheit, vielleicht
auch unter dem Einflusse einer jetzt aufgegebenen Theorie, die die systematisch
unterschiedenen Jäger-, Hirten-, Bauern - W. als aufeinanderfolgende
Entwicklungsstufen ansah. Wenn auch Beispiele dafür vorhanden sind, daß Jäger
bereitwillig die ihnen von Europäern gebrachten Haustiere annahmen und zu
Viehzüchtern wurden, Hirten Hackbau trieben und den Pflug annahmen, so läßt sich
doch der Pflugbau nicht mit dem Hackbau entwicklungsgeschichtlich verknüpfen,
mag auch technisch der Pflug auf Grabstock oder Hacke zurückgeführt werden. Zunächst mochte der Jäger
wohl einmal gefangene Tiere halten, doch konnte er sie nicht auf seinen
Jagdzügen mitführen, und noch weniger konnte er eine Herde aus ihnen bilden, die
ihm Nutzen versprach, da gefangene Tiere sich der Regel nach nicht fortpflanzen
und Milch nur liefern, soweit und solange sie für das Junge nötig ist. Auf der
anderen Seite hat Ed. Hahn darauf hingewiesen, daß
das Rind als Zugtier gezähmt und dann zum Milchtiere für den Menschen gezüchtet
wurde; beides steht im Zusammenhangr, mit religiösen Vorstellungen und geschah
durch ein Bauernvolk in Westasien. Die Tierzucht ist also nicht von Jägern
erfunden worden, sondern von Pflanzenzüchtern, und konnte von diesen zu Jägern
gelangen, aber auch in günstigen Gebieten den Pflanzenbau weit überwiegen und
verdrängen, so daß also Bauern sich einseitig zu Hirten entwickelten. Eine
geradlinige Entwicklung ist dagegen sehr wohl denkbar von der einfachen
Pflanzenlese zum Anbau der Nutzpflanzen, den etwa die aus Bequemlichkeit
eingeschlagenen Knollen oder verstreute Grassamen einleiteten, wenn man ihre
Keimung und ihr Wachstum beobachtete. Nach den Geräten würde eine Zeit des
Stockbaus und eine des Hackbaus anzunehmen sein. Der Hackbau, der sich an die
Hackfrüchte knüpfte, führt nun aber durch intensivere W. zum Gartenbau, nicht zum Pflugbau. Die Einführung des
letzteren erfordert vielmehr technisch die Verbindung des Pflanzenbaus mit der
Viehzucht, um die Zugtiere für den Pflug zu erhalten. Wichtiger ist aber die
gesellschaftliche Umwälzung. die er verlangt. Alles, was mit dem Vieh
zusammenhängt, ist ursprünglich Männerarbeit, Pflanzenlese und Hackbau
Frauenarbeit. Die Verwendung des Pfluges bedeutet also mindestens die
Beteiligung des Mannes an Frauenarbeit, die gemeinsame Feldbestellung. Erst nach
Überwindung dieser in der hergebrachten Arbeitstrennung liegenden
Schwierigkeiten kann sich daher der Pflugbau unter günstigen äußeren
Verhältnissen ebensowohl bei den Hirten wie bei den Hackbauern einführen, und
vielleicht gelegentlich bei den ersteren leichter als bei den letzteren, die den
Übergang zum Gartenbau näher finden werden.
Literatur: Ed. Hahn, Das Alter der wirtschaftlichen
Kultur der Menschheit, Heidelbg. 1905.
- Derselbe, Die Entstehung der Pflugkultur,
Heidelbg. 1909. - H. Schurtz, Urgeschichte der
Kultur, Lpz. 1900. Thilenius.
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