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Witboi, Hendrik, Name des letzten und zugleich des berühmtesten
Führers
des nach der Häuptlingsfamilie als W.hottentotten bezeichneten Stammes
der Kowesin in Deutsch - Südwestafrika. Schon sein
Vater,
Moses W., lag im Kriege mit den Herero
(s.d.), und als sein Sohn Hendrik nach seinem 1888 erfolgten Tode die
Häuptlingswürde übernahm, setzte er den Kampf mit Erfolg fort. Er hatte
Gibeon, den ursprünglichen Sitz der W.s, mit dem am
Gansberg gelegenen Hoornkrans
vertauscht,
von wo aus er seine Züge gegen die Herero leichter auszuführen
vermochte.
Erst 1892, als er bereits ein Einschreiten der deutschen Truppe
befürchten
mußte, ließ er sich auf Verhandlungen mit dem Gegner ein, die
schließlich
zu einem Waffenstillstand zwischen dem schwarzen und dem gelben Volke
führten. Da er aber immer noch zögerte, die deutsche Herrschaft
bedingungslos
anzuerkennen, griff ihn Major v. Francois (s.d.) am 12. April 1893 in
seinem Raubnest Hoornkrans an. Indessen gelang es Hendrik, mit dem
größten
Teil seiner Leute zu entkommen, und nun begann der erste große Krieg der
Truppe mit den Hottentotten, der unter großen Schwierigkeiten
geführt werden mußte. Erst nach langen Mühen und unendlichen Strapazen
und nach mehrfachen Verstärkungen gelang es dem Nachfolger K. v.
Francois',
dem Obersten Leutwein (s.d.), den
Gegner
in das unwegsame Gebiet der Naukluft
(s.d.) abzudrängen, wo nach verschiedenen schweren Gefechten der zähe
und gefährliche Feind am 9. Sept. 1894 sich zur Unterwerfung bereit
finden
ließ. Erwurde mit seinem Stamme nach Gibeon überführt, durfte aber mit
ihnen die Waffen behalten und erhielt ein Jahresgehalt von der
Regierung.
Von nun an hielt Hendrik dem Reiche zunächst lange Zeit die versprochene
Treue. Ja, seiner entschiedenen Stellungnahme und seiner tätigen
Unterstützung
war es in zwei verzweifelten Fällen zu danken, daß es nicht plötzlich
zu einem allgemeinen Aufstande aller Eingeborenen kam. Das war sowohl
1896, während der Erhebung der Kauashottentotten (s.d.), und der Ovambandjeru (s.d.), der Fall, wie auch im
Beginn
der großen Hereroerhebung im Januar 1904 (s. Hereroaufstand). Fraglos hätten im
entgegengesetzten
Falle sich alle Namastämme gleichzeitig erhoben, und der Verlauf der
Kämpfe
wäre ohne Zweifel dann ein anderer gewesen, als es geschah. Dann aber,
Anfang Oktober 1904, kam es dennoch zu demAbfall Hendriks von den
Deutschen,
dessen innere Gründe wohl niemals mehr recht erklärt werden dürften. In
dem nun folgenden zweiten Abschnitt des großen Eingeborenenkrieges ist
er dann in einem Gefecht am 29. Okt.
1905
bei Fahlgras gefallen. - Der Charakter dieses berühmtesten unter allen
Eingeborenen von Südwestafrika, der selbst seinem Landsmann Jonker Afrikaaner (s.d.) an Bedeutung beinahe
gleichkam,
ist schwer zu enträtseln. Ein Gemisch von europäischer und
hottentottischer
Denkweise, ein Zug von an feudale Zeiten erinnernder Romantik, gepaart
mit einem lebhaft entwickelten praktischen Sinn, dazu eine unverkennbare
Herrschaft über Willen und Gemüt seiner Leute zeichnete diesen Mann aus,
der dazu noch in rein militärischer Hinsicht die meisten
Hottentottenführer
übertraf. Sicher ist in seinem Innern der Haß gegen die alten Bedränger
seines Volkes, die Herero, stets stärker gewesen als der gegen die
Weißen.
Und wenn man auch zugeben muß, daß er fallen mußte, wenn anders das
Schutzgebiet
auf die Dauer als befriedet gelten sollte, so wohnt dem Lebensgange
dieses
letzten "Königs von Namaland", wie er sich selbst gerne nannte, infolge
seiner die Hererohäuptlinge an Geist und Fähigkeiten weit überragenden
Persönlichkeit eine viel ergreifendere Tragik inne als dem Ende der
Selbständigkeit
des Hererovolkes. Er war der letzte Vertreter derjenigen Hottentotten,
die noch einige der auch nach europäischen Begriffen anerkennenswerten
Eigenschaften in eine Zeit der allgemeinen Auflösung der Rasse mit
hinübergerettet
hatten. S.a. Hottentotten.
Literatur: K. Dove, Südwestafrika, Kriegs-
und Friedensbilder aus der ersten deutschen Kolonie. Berl. 1896. - H. v.
Francois, Nama und
Damara. Magdebg. -K. Schwabe, Mit Schwert und Pflug in Deutsch-Südwestafrika. 2.
Aufl., Berl. 1904. - Ders., Im deutschen Diamantenlande. Berl.
1909. - Th. Leutwein, Elf Jahre Gouverneur in
Deutsch-Südwestafrika. Berl.
1908. Dove.
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