Deutsches Kolonial-Lexikon(1920), Band III, S. 757 ff.

Zölle und Zolltarife.

1. Allgemeines. 2. Beschränkungen der Zollgesetzgebung durch internationale Vereinbarungen. 3. Einfuhrzölle. 4. Ausfuhrzölle. 5. Togo. 6. Kamerun. 7. Deutsch-Südwestafrika. 8. Deutsch-Ostafrika. 9. Südsee-Schutzgebiete.

1. Allgemeines. Jede deutsche Kolonie bildet ein abgeschlossenes Zollgebiet mit einem eigenen Zolltarif, der den finanziellen Bedürfnissen und den wirtschaftlichen Verhältnissen des Gebietes angepaßt ist. Für den Verkehr mit dem Deutschen Reiche gelten dieselben Zollsätze wie für den Verkehr mit anderen Staaten (s. Handelspolitik). - Die Z. dienen in der Hauptsache zur Erzielung von Einnahmen für den Kolonialfiskus. Für die Finanzen fast aller Kolonien sind die Einnahmen aus den Z. von hervorragender Bedeutung, und zumal im Anfang der kolonialen Entwicklung haben die Z. vielfach die einzigen nennenswerten Einkünfte für den Fiskus geliefert. Die Bevorzugung der Z. vor anderen Steuerabgaben liegt in verschiedenen Eigenschaften begründet, welche sie zur Einführung in unentwickelten Gebieten besonders geeignet machen. In jungen Kolonien ist es aus naheliegenden Gründen, vor allem wegen des niedrigen Kulturzustandes der Eingeborenen und aus Mangel an Machtmitteln und Verwaltungsorganen schwierig, wenn nicht ganz unmöglich, die Eingeborenen durch Steuern, sei es indirekte oder direkte, zur Tragung der finanziellen Lasten heranzuziehen (s. Eingeborenensteuern). Zur Erhebung von Z. bedarf es jedoch keines großen Verwaltungsapparates; da die Küste fast durchweg nur an wenigen Punkten gut zugänglich ist, genügen wenige Beamte, um den über die Grenze gehenden Handelsverkehr fast vollständig zu erfassen. Von der Erhebung von Abgaben an der bedeutend schwieriger zu überwachenden Landgrenze kann zunächst leicht abgesehen werden, da alle Gegenstände, die sich zur Zollbelastung in erster Linie eignen, von Übersee her eingeführt oder nach dorthin ausgeführt werden. Größere Unzuträglichkeiten bringt die mangelnde Besetzung der Landgrenze mit Zollposten nur dann mit sich, wenn die Nachbarkolonien geringere Z. erheben und die für die Kolonie bestimmten Waren nicht den natürlich-wirtschaftlichen direkten Weg von der Küste zum Verbrauchsort nehmen, sondern sieh auf Grund des durch den Zollunterschied zu erreichenden Geschäftsgewinns ein Schmuggelverkehr von den Nachbarkolonien her entwickelt. Abhilfe in diesem Zustande ist nur möglich durch internationale Vereinbarungen über die Höhe der Z., am vollständigsten durch Zollunionen. - Die Zahl der Abgabepflichtigen ist beim Zoll gering, während durch die Überwälzung des Zolls die große Menge der Bezieher ausländischer Waren, insbesondere auch die Eingeborenen, steuerlich herangezogen wird. Die Kosten der Zollerhebung stellen sich daher verhältnismäßig sehr niedrig. Der Verbrauch an Einfuhrwaren bietet in Kolonien mehr als sonstwo einen Anhalt für die steuerliche Leistungsfähigkeit, da die Einfuhrwaren europäischer Herstellung für die Eingeborenen zunächst wenigstens reine Luxusgegenstände darstellen. Rohstoffe und Halbfabrikate zu industrieller Verarbeitung werden in die Kolonien nicht eingeführt, unentbehrliche Nahrungsmittel, von einigen Ausnahmen abgesehen, hauptsächlich nur für den Verbrauch der weißen Bevölkerung. - Die Erzielung von Einnahmen ist jedoch nicht immer der einzige Zweck, welcher zur Auferlegung von Zöllen geführt hat. Neben den reinen Finanzzöllen finden sich in den Zolltarifen auch solche Zölle vor, bei denen der Finanzzweck teilweise oder ganz hinter wirtschafts- oder sozialpolitischen Zwecken zurücktritt. Näheres s. Abschn. 8 u. 4.

2. Beschränkungen der Zollgesetzgebung durch internationale Vereinbarungen haben in weitem Umfange stattgefunden. Für die Verzollung von Spirituosen in Togo, Kamerun, Deutsch- Ostafrika und dem nördlichen Teil von Deutsch- Südwestafrika gelten die Bestimmungen der Generalakte der Brüsseler Antisklavereikonferenz (s.d. und Alkohol) mit ihren späteren Abänderungen, welche bestimmte Mindestsätze der Spirituosenzölle vorschreiben. Noch weitergehend sind die Beschränkungen der Zollgesetzgebung durch die Generalakte der Kongokonferenz; die Kongoakte (s.d.) schreibt für ihren Geltungsbereich, zu welchem Ostafrika und der in das Kongobecken fallende Teil von Kamerun gehören, völlige Zollfreiheit der Ein- und Durchfuhr, sowie Ausschluß jeder unterschiedlichen Behandlung fremder Waren gegenüber denen des Mutterlandes oder anderer Nationen vor. In einem wichtigen Punkte wurde die Kongoakte jedoch durch eine der Brüsseler Generalakte beigefügte Erklärung der Signatarmächte der Kongoakte abgeändert, indem sich die beteiligten Mächte das Recht zur Erhebung von Einfuhrzöllen bis zur Höhe von 10 % des Wertes zusprachen; für Spirituosen gilt diese Beschränkung der Zollsätze nicht. - Durch eine Reihe von Verträgen des Deutschen Reiches mit England und Frankreich ist ferner die ungleiche Behandlung der Waren des Vertragslandes in Togo, Kamerun und den; Südseekolonien ausgeschlossen worden.

3. Die Einfuhrzölle liefern in allen deutschen Kolonien den weitaus überwiegenden Teil der Zolleinnahmen; nur in Deutsch- Südwestafrika haben die Ausfuhrzölle auf Diamanten währen der Dauer ihres Bestehens das Verhältnis umgekehrt. - (s. Diamanten-Gesetzgebung). - Am höchsten mit Einfuhrzöllen belastet sind überall die alkoholischen Getränke (s. auch Alkohol). In Togo, wo der Spirituosenzoll mit 80 Pf. für das Liter 50%igen Branntweins, den niedrigsten Stand im deutschen Kolonialreich aufweist, beträgt er für die billigen Negerspirituosen, deren Wert auf ungefähr 50 Pf. für das Liter angesetzt werden kann, 160 % des Wertes; in Ostafrika beläuft sich der Zoll für gewöhnlichen Branntwein zurzeit auf 1 Rupie = 1,83 M in Samoa 2,50 M, in Kamerun: 3,00 M, in Deutsch-Südwestafrika und Deutsch-Neuguinea 4,00 M Höherwertige Spirituosen sowie, solche mit stärkerem Alkoholgehalt sind außer in Deutsch-Ostafrika und Samoa mit höheren Zöllen belegt. Entsprechende Zölle -bestehen für Wein, Schaumwein und Bier. - In Togo und Kamerun, wo allein Spirituosen in großer Menge für den Verbrauch der Eingeborenen eingeführt werden, liefern die Spirituosenzölle einen sehr erheblichen Teil der Zolleinkünfte; in Togo in den letzten Jahren noch über 40 %, in Kamerun schätzungsweise 35-40 % der Einfuhrzolleinnahmen. - Mit höheren Zöllen sind überall belegt Tabak und Tabakfabrikate, Waffen und Munition, sowie in Togo, Kamerun und Deutsch-Ostafrika das Salz. - Die gesamte übrige Einfuhr, soweit sie nicht unter diese und vereinzelte andere spezifische Zölle fällt oder ausdrücklich für zollfrei erklärt ist, ist in allen Kolonien außer Deutsch-Südwestafrika einem allgemeinen gleichen Wertzoll unterworfen, der jetzt überall 10%, nur in Samoa bereits 12 1/2% des Wertes beträgt. - Die bisher erwähnten Einfuhrabgaben sind reine Finanzzölle; nur bei der hohen Zollbelastung der Spirituosen spielt auch das Bestreben, vermittelst der durch den Zoll bewirkten Verteuerung den Konsum einzuschränken eine Rolle. Mit der Erhebung der reinen Finanzzölle sind aber auch Wirkungen auf die Produktion unzertrennlich verbunden. Je höher der Zoll ist, desto mehr begünstigt er die heimische Produktion und gibt erhöhten Anreiz, die wirtschaftlichen Hilfsquellen des Landes soweit wie möglich nutzbar zu machen. Neben der Nahrungsmittelerzeugung wird. vor allem der Tabakbau, die Bierbrauerei und die Branntweinbrennerei begünstigt, da auf die Erzeugung keine oder doch keine dem Zoll gleichkommende Steuer besteht. Aber auch andere Industrien, wie Seifensiederei, Möbeltischlerei, Sägewerke, haben sich in verschiedenen deutschen Kolonien unter dem Zollschutz gebildet. - Ausgesprochenen Schutzzollcharakter haben jedoch die in Südwestafrika erhobenen Einfuhrabgaben auf Schlachtvieh, Fleisch und Butter, die mit. der vollen Absicht eingeführt wurden, die Viehzucht des Landes gegen die fremde Konkurrenz zu schützen. Mit der viehwirtschaftlichen Entwicklung der Kolonie, die binnen kurzem wieder in größeren Mengen Vieh exportieren wird, werden sich die Zölle bald überflüssig gemacht haben. - Wirtschaftspolitische Gründe sind auch bestimmend gewesen für die Auswahl der für zollfrei erklärten Gegend stände, welche das Bestreben offenbart, die wirtschaftliche und kulturelle Hebung der Kolonien zu unterstützen. Außer den für das Gouvernement, die Schutztruppe und die Reichspostverwaltung bestimmten Gütern sind insbesondere von Einfuhrzöllen befreit die zum Wegebau, zum Bau, zur Unterhaltung und zum Betrieb von Eisenbahnen u.a. Transporteinrichtungen, neuerdings auch von Funkentelegraphen- und Kabelstationen bestimmten Güter; gewerbliche und landwirtschaftliche Maschinen; Zuchtvieh, Saatgut und lebende Pflanzen; Düngungs- und Desinfektionsmittel, denaturierter und konsistenter Spiritus, Benzin und Petroleum für motorische Zwecke u. dgl. m. Ferner ist durch Zollbefreiungen die Einwanderung in die Kolonien und Reisen nach ihnen erleichtert; auch die Missionen, Kirchen und Krankenhäuser genießen Zollerleichterungen. Von Lebensmitteln sind zollfrei: frisches Fleisch in Togo und Kamerun; frische Fische, frisches Obst und Gemüse in Kamerun; Salzfleisch, gesalzene Fische sowie Reis in Deutsch-Neuguinea.

4. Ausfuhrzölle. Während Ausfuhrzölle aus den Zolltarifen der europäischen Staaten mit ganz unbedeutenden Ausnahmen verschwunden sind, besteht eine Zollbelastung von Ausfuhrgütern in weniger entwickelten Ländern, wie den südamerikanischen Staaten, der Türkei, China usw. und ebenso auch in den meisten, Kolonien in nicht unerheblich ein Umfange. Daß Exportabgaben hier noch beibehalten sind, findet seine Erklärung im wesentlichen aus denselben Gründen, die in diesen Gebieten für die starke Anwendung von Finanzzöllen überhaupt sprechen. Die Schwierigkeit der Erhebung innerer Abgaben führt dazu, den über die Grenze gehenden Verkehr verhältnismäßig stärker mit Abgaben zu belasten; neben den Einfuhrwaren bilden aber auch die ausgeführten Güter ein Objekt, das vielfach eine Belastung mit Abgaben verträgt. Besonders leicht wird man zur Erhebung von Ausfuhrzöllen bei solchen Produkten schreiten, für welche das betreffende Gebiet ein Monopol der Erzeugung hat oder für deren Erzeugung es besonders günstig gestellt ist, da in diesen Fällen besonders hohe Gewinne erzielt werden und andererseits vielfach eine Abwälzung der Zollast auf das Ausland möglich ist. In den deutschen Kolonien kommen hierfür vor allem mineralische Produkte in Frage, wie - Guano (s.d.), - Phosphate (s.d.) und in erster Linie die südwestafrikanischen Diamanten (s.d.). Während die Ausfuhrzölle auf die in Deutsch-Südwestafrika und einigen Südseeinseln gewonnenen mineralischen Dünger wegen der auf dem Weltmarkt herrschenden Konkurrenz niedrig gehalten werden mußten, konnten die Diamanten mit einem Ausfuhrzoll in Höhe von 33 1/3 % des Verkaufswertes belastet werden. Die Erhebung eines so hohen Ausfuhrzolles war aber nur so lange möglich, als die Steine verhältnismäßig leicht und mit geringen Kosten gewonnen werden konnten. Je höher im Laufe der Zeit die Betriebsunkosten wurden, desto mehr traten die Nachteile des Ausfuhrzolles hervor, der auf die Höhe des Gewinns der einzelnen Produzenten keine Rücksicht nimmt. Die mit hohen Unkosten arbeitenden Betriebe mußten den Abbau einstellen, bis der Zoll in eine Steuer umgewandelt wurde, die den Verhältnissen der einzelnen Betriebe Rücksicht trägt (s. Diamantengesetzgebung). - Anderer Art sind die gleichfalls auch im deutschen Kolonialreich erhobenen Ausfuhrzölle auf Elfenbein (s.d.), Kautschuk (s.d.), Kopra (s.d.) und verschiedene andere Erzeugnisse der Sammeltätigkeit oder der Landwirtschaft der Eingeborenen. Durch sie werden fast ausschließlich die Eingeborenen belastet, da es dem Kaufmann, der die Waren exportiert, in der Regel gelingen wird, den Zoll durch Herabdrückung des Preises, den er sonst gewähren könnte, auf die Eingeborenen abzuwälzen. Damit indessen dem Eingeborenen noch soviel Verdienst übrig bleibt, daß ihm genügender Anreiz geboten wird, Ausfuhrgüter zu sammeln oder anzubauen, kann der Ausfuhrzoll auf Produkte dieser Art nur ziemlich niedrig gehalten werden; er darf über 10 % des Wertes kaum hinausgehen. Eine hohe Zollbelastung der Ausfuhr oder gar eine allgemeine Ausdehnung der Zollpflicht auf alle ausgeführten Güter, wie sie früher in Deutsch- Ostafrika bestanden hat, ist volkswirtschaftlich bedenklich. Ebenso begegnet auch die Belegung von Pflanzungserzeugnissen mit Ausfuhrzöllen in jungen Kolonien schweren Bedenken. Da bei den meisten Pflanzungskulturen (z.B. Kautschuk, Kakao, Kokospalme) erst eine ganze Reihe von Jahren vergeht, ehe sie die ersten geringen Erträge liefern, und noch einige weitere Jahre verstreichen, ehe sie den Zustand der Rentabilität erreicht haben, so stammt in jungen Kolonien der größte Teil der Pflanzungserzeugnisse von solchen Plantagen, die noch keinen Verdienst abwerfen. Ein Ausfuhrzoll auf diese Produkte muß also vom Anlagekapital getragen werden, und es wird dadurch der Zeitpunkt, zu welchem die Pflanzungen rentabel werden, noch weiter hinausgeschoben. Der Zoll schreckt daher leicht das Kapital von der Anlage in kolonialen Pflanzungsunternehmungen ab und ist dem Aufblühen der Kolonie hinderlich. Wo Ausfuhrzölle auf Kautschuk, - Kopra usw. bestehen, genießen daher die von Europäern geleiteten Pflanzungen meistens Zollfreiheit für ihre Erzeugnisse, so daß nur die von den Eingeborenen eingehandelten Produkte vom Zoll betroffen werden. - Soweit sich die Gewinnung von Ausfuhrgütern nicht unter besonders günstigen Bedingungen vollzieht, wird ein Ausfuhrzoll am besten nur auf solche Produkte gelegt, bei denen die Erhebung einer Abgabe auch von anderen Gesichtspunkten als dem rein finanziellen aus wünschenswert ist. So waltet zum Beispiel bei dem Zoll auf Elfenbein und wilden Kautschuk zugleich die Absicht vor, einer zuweitgehenden Ausbeutung der. - Bestände an Elefanten bzw. an Kautschuk liefernden Gewächsen entgegenzuarbeiten; ähnlich liegen die Verhältnisse bei dem hohen Ausfuhrzoll auf Paradiesvögel (s.d.) in Deutsch-Neuguinea. - Auch auf Vieh sind mehrfach Ausfuhrzölle gelegt worden, die weniger finanziellen Zwecken dienen, sondern hauptsächlich einer zu starken Viehausfuhr einen Riegel vorschieben sollen, damit ein genügender Bestand an. Zuchtvieh zu weiterer Produktion erhalten bleibt, wenn günstige Absatzgelegenheiten im Ausland zu einer Überspannung der Viehausfuhr Anlaß geben (s. Viehzucht). - Eigenartige Ausfuhrzölle rein wirtschafts-politischer Art sind eingeführt worden zur Erschwerung des Aufkommens fremder Konkurrenz: in Deutsch- Ostafrika wurde ein Zoll gelegt auf die Ausfuhr von Sisalpflanzgut, uni den Vorsprung, den die Kolonie in der Sisalhanfkultur erreicht hatte, ihr in möglichst weitgehendem Maße zu erhalten (s. Sisalagaven); Ausfuhrzölle in prohibitiver Höhe bestehen in Deutsch-Ostafrika auf Strauße (s.d.), ähnliche Zölle auf Angoraziegen (s.d.) in Deutsch-Südwestafrika wurden in Ausfuhrverbote umgewandelt. -Früher wurden verschiedentlich auch Ausfuhrzölle auf wichtige Nahrungsmittel gelegt, wenn eine Teuerung drohte Und die Nahrungsmittel im Lande zurückgehalten werden sollten; der Zoll diente also hier wohlfahrtspolizeilichen Zwecken. - Durchfuhrzölle werden, abgesehen von niedrigen Gebühren für die Kosten der Zollkontrolle, in den deutschen Kolonien im allgemeinen nicht erhoben. In den der Kongoakte unterworfenen Gebieten von deutschen Kolonien also Deutsch-Ostafrika und dem größten Teil von Kamerun ist die Erhebung von Durchgangszöllen vertraglich ausgeschlossen. Nur in den nicht zum Kongobecken gehörigen Teilen Kameruns bestehen Durchfuhrzölle; sie betragen in dem Fall, daß die Tarifsätze des Bestimmungslandes niedriger sind als die des Schutzgebietes, die Differenz zwischen dem ersteren und letzteren, in allen andern Fällen jedoch nur 5 % des bei der Einfuhr berechneten Zollbetrages. Durch das deutsch-französische Abkommen vom 4. Nov. 1911 ist indessen den Franzosen Abgabenfreiheit der Durchfuhr durch die Landesteile westlich vom Ubangi und über die Niger- Benue- Tsadseestraße zugestanden worden, so daß auch für Kamerun Durchfuhrzölle praktisch kaum mehr in Betracht kommen. - Binnenzölle bestehen in den deutschen Kolonien nicht. In den einzelnen deutschen Kolonien ist die Entwicklung der Zolltarife folgende gewesen

.5. Togo. Die geringe Küstenerstreckung der Kolonie bringt es mit sich, daß bei der Zollerhebung hier nur in engem Anschluß an die Zollverhältnisse der Nachbarkolonien vorgegangen werden kann, da bei jeder Zollabgabe, die über die dort erhobenen Sätze hinausgeht, die Gefahr vorliegt, daß der Zoll in weitem Umfange durch Schmuggelverkehr über die schwer zu überwachenden Landgrenzen umgangen wird.. Ein charakteristischer Zug für das Zollwesen Togos ist daher besonders in früheren Jahren seine Abhängigkeit von internationalen Vereinbarungen, die sogar verschiedentlich zu Zollunionen mit den Nachbarkolonien geführt hat. Bereits der erste Zolltarif vom Jahre 1887 vereinigte Togo zollpolitisch mit der östlich benachbarten französischen Kolonie; er belegte mit niedrigen Z. die Einfuhr von Spirituosen, Tabak, Gewehren und Pulver, wozu bei einer Zollerhöhung 1890 noch ein Zoll auf Salz hinzukam. 1892 wurde den Bestimmungen der Brüsseler Generalakte von 1890 über die Spirituoseneinfuhr durch Auferlegung eines Zolles von 12 M für 100 Liter 50proz. Spirituosen nachgekommen. 1894 wurden einer drohenden Hungersnot wegen Ausfuhrzölle auf Mais und Schafe gelegt, von denen 1897 der erstere aufgehoben, der zweite von 5 auf 2 M herabgesetzt wurde. Das Badürfnis nach erhöhten Eigeneinnahmen zur wirtschaftlichen Erschließung der Kolonie, insbesondere zum Wegebau, machte 1894 eine erhebliche Zollerhöhung notwendig, und zwar wurde unter Aufhebung der Zollunion mit Frankreich, das sich der Zollerhöhung nicht anschließen wollte, eine Zollunion mit dem links des Voltaflusses gelegenen Teil der englischen Goldküstenkolonie geschaffen, da hier die Gefahr der Umgehung der Z. wegen der ungünstigen Gestaltung der Grenze besonders hoch ist. Der Spirituosenzoll erfuhr eine Erhöhung von 12 auf 22 Pf. für das Liter, in ähnlicher Weise wurden, die Zölle auf Tabak, Pulver und Feuerwaffen heraufgesetzt; die übrige Einfuhr wurde mit einem 4proz. Wertzoll belegt, von dem jedoch erhebliche Ausnahmen stattfanden. Abgesehen von einer Erhöhung des Spirituosenzolles auf 48 A i. J. 1900 blieb dieser Tarif bis 1904 bestehen, wo der Finanzbedarf für den geplanten Eisenbahnbau Lome-Palime eine Zollerhöhung nötig machte. Da Togo von der Zollunion mit der englischen Kolonie keinen Vorteil gehabt hatte, sondern der Handel der englischen Küstenplätze auf Grund des zollfreien Übergangs der Waren in das Hinterland stark aufgeblüht war, wurde das Zollabkommen nicht erneuert, zumal da die geplante Eisenbahn die Ausschaltung der englischen Küstenplätze zugunsten Lomes befördern mußte. Der Wertzoll wurde durch V. vom 29. Juli 1904 auf 10% heraufgesetzt, neue Z. wurden. auf Salz (100 kg 2 M), Petroleum (1 5,5 Pf.) und Zucker (100 kg 5 M) gelegt. Der Zollerhöhung für Feuerwaffen (3 M das Stück) und Pulver (kg 1 M) schloß sich noch im gleichen Jahr die Erhöhung des Spirituosenzolls auf 48 Pf. an, der 1907 eine neue Erhöhung auf 80 Pf. folgte. Hierzu traten 1907 und 1912 noch Z. auf getrocknete und gesalzene Fische (100 kg 5 M und auf Wein mit hohem Alkoholgehalt. Ausfuhrabgaben bestehen nach V. v. 31. Dez. 1904 auf Rindvieh (Stück 5 M), Kleinvieh (2 M) und Federvieh (0,25 M). Abgesehen von dem anormal niedrigen Spirituosenzoll, dessen Erhöhung wegen des Widerstandes der französischen Regierung gegen eine Zollerhöhung in Dahome Schwierigkeiten macht, entspricht der Zolltarif Togos den Tarifen der in ähnlichen Verhältnissen befindlichen deutschen und fremden Kolonien. - Die Nordbezirke der Kolonie sind dem Zolltarif nicht unterworfen, an Stelle der Z. werden hier Wegegebühren erhoben. - Die Zolleinnahmen betrugen 1892 bis 1900 durchschnittlich 330000 M, 1901/10 1200000 M, 1911: 2061000 M, 1912: 1864000 M. An letzterer Summe sind die Ausfuhrzölle nur mit 45000 M beteiligt. Bis 1904 lieferten die Zölle mehr als 80 % der Eigeneinnahmen der Kolonie, seitdem ist der Anteil der Zolleinnahmen bis auf 53 % gesunken.

6. Kamerun. Die Südostecke von Altkamerun und der größte Teil von Neukamerun fällt in das konventionelle Kongobecken; die Zollgesetzgebung ist daher hier den Beschränkungen der Kongoakte unterworfen. Für das Gebiet der Kolonie kommen die Bestimmungen der Generalakte der Brüsseler Konferenz in Betracht. - Nach vorübergehender Erhebung von Ausfuhrzöllen auf Palmöl und Palmkerne 1885/87 wurden 1887 alkoholhaltige Getränke, Waffen und Schießbedarf, Tabak, Salz und Reis mit niedrigen Einfuhr-Z. belegt, die 1891 beträchtlich erhöht und durch einen Zoll auf Gewebe ergänzt wurden. Da ähnliche Schwierigkeiten für die Zollerhebung wie in Togo nicht bestanden, konnte insbesondere der Spirituosenzoll mit 20 Pf. für das Liter höher angesetzt werden, als die Brüsseler Akte es vorschrieb (12 Pf.), 1898 wurde der Spirituosenzoll bereits auf 50 Pf. erhöht (1900 auf 56 Pf.) und neben den spezifischen Z. ein allgemeiner 5proz. Wertzoll eingeführt. Ein neuer Finanzbedarf führte zu dem Zolltarif von 1904, der den Wertzoll auf 10 %, den, Spirituosenzoll auf 75 Pf., den Salzzoll auf 20 M für die Tonne erhöhte und neue Z. auf Zigarren und Zigaretten aufwies; dagegen wurde die Zollfreiliste erweitert, insbesondere wurden darin aufgenommen frisches Fleisch, frische und getrocknete Fische, Eis, Mineralwasser. Nachdem schon seit mehreren Jahren in dem der Kongoakte unterworfenen Sanga- Ngokogebiet (Zolltarife von 1899 u. 1904) Ausfuhrzölle auf Kautschuk und Elfenbein erhoben worden waren, wurde 1906 auch für das übrige Gebiet der Kolonie, ein ertragreicher Kautschukausfuhrzoll in Höhe von 40 Pf. für das Kilogramm festgesetzt, von dem 1907 Pflanzungskautschuk ausgenommen wurde. 1907 folgte ein Ausfuhrzoll auf Elfenbein (kg 2 M); der Spirituosenzoll (für geringwertige Spirituosen mit höchstens 50% Alkoholgehalt) wurde auf 1 M heraufgesetzt und 1910 auf 1,20 M erhöht. Mit einer Neuordnung der gesamten Bestimmungen über das Zollwesen durch V. vom 1. Aug. 1911 waren Zollerhöhungen für Wein mit hohem Alkoholgehalt, Waffen und Schießbedarf verbunden; neu kamen hinzu Z. auf Reis (t 20 M) und getrocknete Fische (t 50 M), so wie Ausfuhrzölle auf Kolanüsse (1000 Stück 6 M) und Vieh (darunter weibliches Rindvieh 20 M männliches 10 M für das Stück). 1912 schloß sich auf Anregung des RT. eine Erhöhung des Spirituosenzolles auf 1,60 M an. Nachdem 1913 der Gouvernementsrat der Kolonie 1 Mill. M für Wegebauten in Südkamerun bewilligt hatte, wurden bereits wieder starke Zollerhöhungen notwendig. Eine V. vom 10. Sept. 1913 setzte folgende Zollerhöhungen fest: Spirituosen Liter 3 M Salz t 60 M, Tabak kg 1,50 M, Textilwaren jeder Art 15 % v. W., Eisenwaren jeder Art 20 % v. W. An Stelle der über 10 % d. W. hinausgehenden Z. auf Salz, Tabak, Textil- und Eisenwaren werden in den zum konventionellen Kongobecken gehörigen Gebietsteilen nur 10 % d. W. erhoben. Die Zollbelastung hat damit eine sehr beträchtliche Höhe erreicht, zumal da die Ausfuhr-Z. bestehen geblieben sind, von denen der bei weitem wichtigste, der Kautschukzoll, wegen der im Sommer 1913 eingetretenen Krisis auf dem Kautschukmärkte suspendiert werden mußte. Das 1911 von Frankreich erworbene Gebiet wurde durch V. vom 12. Dez. 1912 zollpolitisch mit Altkamerun vereinigt. - Die Zolleinnahmen betrugen zu Anfang der 1890er Jahre ½ Mill. M, sie stiegen mit dem 5proz. Wertzoll 1899 auf fast 1 Mill., 1902 last 1½ Mill., 1905 erreichten sie infolge der Erhöhung des Wertzolls auf 10 % 2 Mill. und stiegen dann unter dem Einfluß des Kautschukzolls, erhöhter Spirituosen-Z. und wachsenden Handelsverkehrs 1909 auf 3 ¼ , 1910. 4, 1911: 4 ¾ , 1912: 5 ½ Mill. M Die Ausfuhr-Z. lieferten in den letzten Jahren fast ein Viertel der Zolleinkünfte. Der Anteil der Zolleinnahmen an den gesamten Eigeneinnahmen sank von 87 % i. J. 1900 auf 57 % i. J. 1910 und 55 % i. J. 1911.

7. Deutsch-Südwestafrika. Seit 1888 bestanden niedrige Ausfuhr-Z. auf Vieh, Straußenfedern, Elfenbein und Felle, die jedoch infolge der damaligen Schwäche der deutschen Herrschaft keinen nennenswerten finanziellen Erfolg hatten. Eine geordnete Zollerhebung fand erst seit 1896 statt. Der Tarif wies für die Einfuhr keinen allgemeinen Wertzoll, jedoch eine große Reihe von zum Teil recht hohen spezifischen Z. auf, darunter solche auf Spirituosen (l 2 M), Waffen und Schießbedarf, Tabak, Kaffee, Salz (kg 2 Pf.), Zucker (kg 10 Pf.), Konserven (kg 20 Pf.), Zeuge und Zeugwaren (kg 1 M), Schuhe und Sattlerwaren. Mit Ausfuhr-Z. wurden belegt Robben- und Seehundsfelle, Straußenfedern und insbesondere Guano (Registertonne 35 M). Einige der drückendsten Härten des Tarifs wurden 1898 durch teilweise Herabsetzung der Lebensmittel-Z. und Unterteilung der Position Zeugwaren beseitigt, zumal da die Rinderpest den Ansiedlern großen Schaden zufügte. Nach Erlöschen der Seuche wurden zur Verhütung einer zu starken, den Zuchtviehbestand gefährdenden Viehausfuhr Export-Z. auf Vieh gelegt, die 1900 dahin geändert wurden, daß männliches Vieh zollfrei blieb, weibliches Vieh mit prohibitiven Z. (Rindvieh 100 M, Kleinvieh 10 M das Stück) belegt wurde; 1902 wurden diese Z. jedoch schon auf 20 bzw. 2 M ermäßigt. Ein neuer Zolltarif von 1903 mit. erhöhten Zollsätzen blieb wegen des 1904 ausbrechenden großen Aufstandes nicht lange in Wirksamkeit, ist aber theoretisch von Bedeutung dadurch, daß er Fleisch und Fleischwaren sowie gewöhnlichen Tabak mit höheren Z. belegte, die neben dem finanziellen Ertrag eine Begünstigung der südwestafrikanischen Farmwirtschaft bezweckten. Während des Krieges wurden sämtliche Einfuhr-Z. mit Ausnahme der auf Branntwein, Feuerwaffen und Munition außer Kraft gesetzt. 1907 wurde der Spirituosenzoll auf 4 und 6 M je nach dem Alkoholgehalt erhöht und wieder Z. auf Bier, Wein, Schaumwein und Tabak gelegt; der Ausfuhrzoll auf Straußenfedern wurde fallen gelassen, die Export-Z. auf Vieh und Robbenfelle blieben bestehen, während der Guanozoll, der, um eine Fortsetzung des Abbaus zu ermöglichen, schon 1898 und 1902 ermäßigt worden war, weiter herabgesetzt wurde und Betriebe unter 500 t Jahresausbeute frei ließ, so daß jetzt keine Guanozolleinnahmen mehr aufkommen. Bereits im Jahr, darauf machte es die schnelle Entwicklung der Kolonie nach dem Aufstand möglich, durch einen neuen, noch heute gültigen Zolltarif vom 18. April 1908 die Zollbelastung höher zu schrauben. Es betragen danach die Z. auf: Branntwein bis 60% Alkoholgehalt Liter 4 M, über 50 % 6 M, Bier kg 15 Pf. Wein 50 Pf. Schaumwein 1M, Essenzen und Äther Liter 6 M, Tabak kg 4 M, Zigarren 5 M, Zigaretten 10 M, Dagga 10 M, Hinterladegewehre Stück 20 M, andere Feuerwaffen 5 M Pulver kg 1 M, Schrot 10 Pf., Patronen 20 Pf., Zündhölzer 50 Pf., Zucker 10 Pf., Rindvieh zu Schlachtzwecken Stück 30 M, Hammel und Karpater 5 M, frisches Fleisch kg 40 Pf., Butter und Margarine 50 Pf.. Die letztgenannten Z. sind wieder zum Schutz der Viehzucht bestimmt. Ausfuhr-& lasten auf weiblichem Rindvieh (Stück 20.M) und Kleinvieh (5 M; 1913 aufgehoben), auf Angoraziegen (Stück 2000 M ; der seit 1907 bestehende prohibitive Zoll wurde 1909 in ein Ausfuhrverbot umgewandelt; Zoll bzw. Ausfuhrverbot gelten nicht für die Ausfuhr nach den durch Gegenseitigkeitsverträge verbundenen südafrikanischen Nachbarkolonien), Robbenfelle (Stück 1 M) und Guano in alter Höhe. - Die Entdeckung der Diamanten 1908 gab Anlaß, die Ausfuhr von Rohdiamanten mit einem Zoll von 10 M für das Karat zu belegen, der jedoch nachdem durch die Errichtung der Diamantenregie eine genaue Ermittlung des Wertes der Steine ermöglicht war, 1909 in einen Wertzoll von 33 1/3 % des um 5 % Verwertungsgebühr verminderten Verkaufspreises umgewandelt wurde. Die Schwierigkeiten, die der Zoll für die mit hohen Betriebskosten arbeitenden Diamantenunternehmungen herbeiführte und die 1911 die Diamantenkrisis verursachten, führten Ende 1912 zur Umwandlung des Zolls in eine Steuer, welche eine Berücksichtigung der Höhe der Betriebskosten zuläßt (s. Diamantengesetzgebung). - Die Zolleinnahmen betrugen 1900/03: 800.000-900.000 M, gingen während des Aufstandes nur wenig zurück und hoben sich schon 1906 auf 1 Mill., 1907 auf fast 2 Mill. M, 1908 auf 2 1/2 Mill. M. An letzterer Ziffer sind bereits Einnahmen aus dem Diamantenzoll beteiligt, der die Zollerträge auf 9,5 Mill. M i. J. 1909 und 1910 erhöhte. Die Diamantenkrisis verursachte 1911 einen Rückgang auf 9 Mill. M. Die Einfuhr-Z. brachten 1909 und 1910 2,5 Mill. und sind infolge zunehmender Eigenerzeugung von Lebens- und Genußmitteln im Schutzgebiet 1912 , auf 2,1 Mill. gefallen. Die Ausfuhr-Z. auf Vieh und Robbenfelle ergaben nur 1000-2000 M jährlich. Die Zolleinnahmen spielen nach der Umwandlung des Diamantenzolls im Etat nur eine verhältnismäßig geringe Rolle; nach den Ziffern des Etats für 1913 bringen sie 14,7 % der Eigeneinnahmen gegenüber 50-60 % in den Vorjahren.

8. Deutsch-Ostafrika fällt in seiner ganzen Ausdehnung in den Geltungsbereich der Kongoakte und der Brüsseler Generalakte. Vor der deutschen Herrschaft erhob der Sultan von Sansibar im Küstengebiet 5 proz. Einfuhr- und eine große Reihe von 5-15 proz. Ausfuhr-Z. auf alle wichtigen Ausfuhrprodukte; 1888 wurde die Zollerhebung pachtweise durch die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft (s.d.), 1891, nach dem Araberaufstand (s.d.), durch die Regierung übernommen. Die Zollsätze blieben bestehen und wurden 1891 noch durch eine "Verbrauchssteuer" oder "Umschlagsabgabe" von 1 1/2 % d. W. auf alle ein- und ausgehenden Waren und 1892 durch einige weitere Ausfuhr-Z. ergänzt. Bereits 1893 wurde ein neuer Zolltarif erlassen, nach welchem die wichtigsten Zollsätze (mit Berücksichtigung von i. J. 1896 getroffenen Änderungen) einschließlich der Umschlagsabgabe betrugen: beider Einfuhr: Spirituosen 20 %; alle anderen Waren außer Mais, Reis, Negerkorn u. ähnl., die spezifischen Z. unterlagen, 10 %; bei der Ausfuhr: Elfenbein 16,5 %, Kautschuk 100 Pfd. 18 Rupien, Rindvieh 12 Rupien; Kopra und Pflanzungserzeugnisse zollfrei; alle nicht genannten Waren 1 1/2%. 1899 wurde ein neuer Einfuhrzoll auf getrocknete und gesalzene Fische von 15 % d. W. gelegt; lebende Tiere aller Art wurden für zollfrei erklärt, dagegen die Ausfuhr-Z. auf Fleisch und Vieh erhöht (Rindvieh 20 Rp.). Die bisherigen Zolltarife galten nur für das Küstengebiet; an der Binnengrenze wurden seit 1898 Z. erhoben, die für die Einfuhr nach einem Abkommen mit England und Italien betr. den Tarif der östlichen Zone des konv. Kongobeckens von 1890 im allgemeinen 5 % betrugen, für die Ausfuhr ähnliche Sätze aufwiesen wie die Küsten-Z. Nach Kündigung des Abkommens wurde am 13. Juni 1903 ein neuer Zolltarif erlassen, der sowohl für die Küste wie für die Binnengrenze gilt und seit der Zeit seiner Einführung nur wenige Änderungen außer rein formellen infolge Umgestaltung des Münzwesens 1904 (s. Geld und Geldwirtschaft) und Einführung des metrischen Gewichtssystems 1909 erfahren, hat. Es betragen danach die Einfuhr-Z. für Branntwein Liter 1 Rp.; Roh- und Negertabak 100 kg 50 Rp., Zigarren und Zigaretten 100 Rp.; Opium, Hanf, Haschisch 25 %; Reis ungeschält 100 kg 1,50 Rp., geschält 2,20 Rp., Chiroko 2,20 Rp., Mtama, Mais, Bohnen usw. 1 Rp.; Salz 0,60 Rp. (und innere Verbrauchsabgabe von 2,75 Rp.); nicht genannte Waren 10 % d. W. Die wichtigsten Ausfuhr-Z. sind die auf Elfenbein 15%, Hörner von Haustieren 12 %, Häute und Felle 15 bzw. 10%; Maultiere, Maulesel und Maskatesel 20 Rp., andere Esel 7 Rp., männliches Rindvieh 8 Rp., weibliches 20 Rp., Schafe und Ziegen 1 Rp.; frisches Fleisch 15 %; Kautschuk 100 kg 40 Rp. (Pflanzungskautschuk frei); Kopal 15%; Holz 10% (1908 auf 0,60 und 1,50 Rp. für das Festmeter herabgesetzt), Wachs 2%, Salz 10%; die 1 1/2 proz. Verbrauchsabgabe ist fortgefallen. Später kamen noch Ausfuhr-Z. hinzu auf Strauße und Straußeneier in prohibitiver Höhe (1911), auf Nester wilder Seidenraupen (1908) und besonders auf Sisalpflanzgut (Bulbillen 10 Heller, Pflänzlinge 25 Heller für das Stück; erlassen 1907), um das Aufkommen der Sisalhanfkultur in andern Ländern, besonders Britisch-Ostafrika, zu erschweren. 1913 wurden die Waffen-Z. erhöht: Feuerwaffen 15, 10 und 5 Rp. das Stück, Schießbedarf 15% d.W. Unter den Einfuhr-Z. des Tarifs ist jetzt der Spirituosenzoll verhältnismäßig niedrig; dagegen ist die Ausfuhrzollpflicht, wenn auch gegen, früher eingeschränkt, noch recht umfassend. Die Zolleinnahmen erreichten schon Ende der 1890er Jahre die Höhe von, 1 1/2 Mill. M, sie stiegen 1905 auf 2 Mill., 1910 auf 4 Mill., 1912 auf über 5 Mill. M; an Ausfuhr-Z. sind in dieser Summe 3/4 Mill. M enthalten. Die Binnengrenzstationen liefern 1/5 der gesamten Zolleinnahmen, die infolge der Ausbildung der Eingeborenensteuer (s.d.) nur 1/3 der Eigeneinnahmen ausmachen.

9. Südsee-Schutzgebiete. Durch deutsch-englisches Abkommen von 1886 und das Samoa-Akommen von 1899 sind Diffelrenzial-Z. ausgeschlossen. Im Gebiet der Neuguinea-Kompagnie wurden seit 1888 mäßige Zölle auf alkoholische Getränke (Branntwein Liter 80 Pf.) erhoben, denen sich 1895 ein niedriger Ausfuhrzoll auf Kopra (t 4 M) anschloß. Erst 1904 traten Tarifänderungen ein; die Einfuhr-Z. auf alkoholische Getränke wurden ungefähr verdoppelt (Branntwein Liter 1,25 M, stille Weine 60 Pf., Bier 12 Pf.), mit neuen Z. wurden belegt Zigarren und Zigaretten, (1000 Stück 20 bzw. 2 M) und Tabak (kg 3 M), dagegen fiel der Kopraausfuhrzoll fort. In Mikronesien hatte bisher außer einem vorübergehend 1904/05 auf den Marshallinseln erhobenen Koprazoll keine Zollerhebung stattgefunden. 1908 wurde jedoch das Inselgebiet mit dem alten Schutzgebiet zollpolitisch vereinigt; der Tarif vom 10. Juni 1908, dessen hohe Zollsätze 1909 zum Teil herabgesetzt wurden, weist unter Berücksichtigung dieser Änderungen folgende Z. auf: Branntwein Liter 2 M Süd-, Süß- und Schaumweine 1,25 M, stille Weine 0,60 M, Bier 0,20 M, Obstweine 0,25 M; Zigarren 1000 Stück 20 M, Zigaretten 4 M, Tabak kg 3 M; alle nicht genannten Waren 10 % d. W.; zollfrei ist u.a. Reis, Salzfleisch, gesalzene und gedörrte Fische. Ausfuhr-Z. lasten auf Kopra (auch Pflanzungskopra) t 10 M Trepang 100, 50 und 30 M, Schildpatt kg 5 M,. Schildkrötenschalen Stück 10 M, Perlmutterschalen t 100 M, andere Muscheln 10 M Paradiesvogelbälge Stück 2 M (1911 auf 5, 1912 auf 20 M erhöht), Krontaubenbälge 0,50 M(1913 auf 5 M erhöht). 1913 wurden neue Ausfuhrzölle gelegt auf Kasuarfedern (kg 25 M, mindestens 0,50 M) und Reiherfedern (kg 1000 M, mindestens 1 M). - Im Alten Schutzgebiet brachten die Z. vor 1905 jährlich gegen 50.000 M, nach der Zollerhöhung von 1905 200.000 M, 1909 500.000 M, 1910 600.000, 1911 700.000 M. Das Inselgebiet lieferte 1911 an Z. gegen 300.000 M. Hierzu wären eigentlich noch die nicht unter den Zolleinnahmen nachgewiesenen Phosphatabgaben (auf Nauru seit 1905 t 0,50 M, auf Angaur und Pililju seit 1908 t 1,25 M) mit 150.000-200.000 M zu rechnen. Von der Zolleinnahme i. J. 1911 entfallen 200.000 M auf Ausfuhr-Z., besonders den Koprazoll. Die Z. bringen mehr als die Hälfte der Eigeneinnahmen auf. - In Samoa bestand schon unter der gemeinsamen Schutzherrschaft Deutschlands, Englands und der Vereinigten Staaten ein Zolltarif mit ziemlich hohen Z. auf alkoholische Getränke, Tabak und Waffen, einem allgemeinen 2proz. Zoll für die Einfuhr und einem 2 1/2 proz. Ausfuhrzoll auf Kopra. Nach der Aufteilung der Inselgruppe wurde im deutschen Gebiet 1901 der Koprazoll aufgehoben und der Wertzoll auf 10% erhöht; die spezifischen Z. wurden auf deutsche Maße und Währung umgerechnet (Spirituosen Liter 2,50 M; Ale, Porter, Bier Liter 20 Pf., Wein 50 Pf., Schaumwein 1,40 M; Tabak kg 4,60 M, Zigarren 9 M; Waffen Stück 16 M, Pulver kg 2,50 M). Diese Z. bestehen noch heute unverändert, nur wurde 1911 der Wertzoll auf 12 1/2 % erhöht. Ausfuhr-Z. werden nicht erhoben. - Die Zolleinnahmen sind von 200000 M i. J. 1900 auf mehr als 700000 M i. J. 1912 gestiegen, sie liefern 50-60% der Eigeneinnahmen. - Für Kiautschou s. Handelspolitik.

Literatur: Handwörterbuch der Staatswissenschaften, Art. Zölle und Ausfuhrzölle. - Paul Leroy-Beaulieu, De la colonisation, VI. éd. 1908, Bd. 11, 603 ff. - K. Kucklentz, Das Zollwesen d. dtsch. Schutzgebiete. Berl. 1914.

Kucklentz.