Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 736

Zahlensysteme. Das verbreitetste Zahlensystem gründet sich auf die Fünfzahl, weil die Hand fünf Finger hat. In der Regel wird aber die Zehn wieder als Einheit aufgefaßt, selbst da, wo 6 aus 5 + 1, 7 aus 5 + 2 usw. besteht. 20, 30 usw. werden dann als Plurale von 10 angesehen. So ist es die Regel im Gebiet der Bantu- und Hamitensprachen (s.d.). In den Sudansprachen (s.d.) findet sich vielfach ein Z., das 20 als Einheit behandelt, also den Menschen mit Händen und Füßen, und das dann 40 aus 2 x 20, 60 aus 3 x 20 usw. bildet. Auch kommt es vor, daß z.B. 40 Kaurimuscheln als Einheit angesehen werden, so daß dann 80 aus 2 x 40 entsteht. Wie weit das Z. eines Volkes reicht, hängt vor allem davon ab, was gezählt wird "Bei einem Volk von Rinderhirten, wie den Massai, ist 60 schon eine hohe Zahl, die man nicht überschreitet. In Uganda ist man gewöhnt, Kauri zu zählen und man rechnet ohne Schwierigkeit bis zu sehr hohen Werten. Man stellt sich als gezählten Gegenstand eben verschiedene Mengen von Kauri vor: Stränge, zu Ringen zusammengebundene Stränge, kleine Haufen solcher Ringe, große Haufen usw. Durch den Wechsel des Präfixes vor dem Zahlwort wird die verschiedene Vorstellung angedeutet, z.B. m-kaga 6, n-kaga 60, lu-kaga 600; kumi 10, ki-kumi 100, lu-kumi 1000. Die Einerzahlen sind aber nicht streng an die Fünfzahl gebunden. So z.B. kann 6 entstehen aus 5+1 oder 3+3, 7 aus 5+2 oder aus 4+3 oder aus 8-1, 8 aus 5+3, 4+4, 10 - 2 usw. Dem entspricht dann der Gebrauch der Finger beim Zählen. Unter arabischindischem Einfluß ist in Ostafrika auch eine Methode an den Fingern zu zählen verbreitet, die auf 12 bzw. 15 als Einheit führt, indem man die Glieder der Finger zählt. Das ergibt ohne den Daumen 12, mit dem Daumen 15. (S.a. Zahlwörter.)

Meinhof.