Deutsches Kolonial- Lexikon(1920), Band III, S. 736 f.

Zahlungen.

1.Alle Z. der Schutzgebietskassen dürfen nur auf Grund einer ordnungsmäßigen Ausgabeanweisung der zuständigen Behörde an die Kasse geleistet werden und müssen noch am gleichen Tage in die Bücher und Listen eingetragen werden. Alle Z. dürfen ferner erst nach Fälligkeit bewirkt werden, jedoch haben die Kassen auch dafür zu sorgen, daß die Fälligkeitstage pünktlich eingehalten und Ausgabereste möglichst vermieden werden.

2. Z. aus öffentlichen Kassen sind an der Kasse in Empfang zu nehmen (Art. 11 des PrAG. zum BGB. und Art. 92 EG. zur BGB.). In den Kolonien müssen aber wegen der besonderen örtlichen Verhältnisse, der weiten Entfernung usw. häufig Ausnahmen von dieser gesetzlichen Bestimmung zugelassen werden. Dies zu tun sind die den Schutzgebietskassen vorgesetzten Behörden befugt. Werden Z. außerhalb der Kasse geleistet, so dient ein Anerkenntnis des Angestellten, der die Auszahlung bewirkt, einstweilen für die Kasse als Zahlungsausweis, bis der ordnungsmäßige Beleg (Quittung usw.). eingeht. Z. an farbige Angestellte werden in der Regel außerhalb der Kasse auf den Werkstätten, Arbeitsstellen usw. geleistet. Bei der Auszahlung ist nach Möglichkeit ein schriftkundiger Zeuge hinzuzuziehen.

- 3. In verhältnismäßig großem Umfang ist der Zahlungsverkehr der Schutzgebietskassen ein mittelbarer; viele Z. in Deutschland werden durch Vermittlung der Kolonialhauptkasse geleistet, insbesondere an beurlaubte und an pensionierte Beamte, an heimische Lieferanten usw. Hierher gehören auch die sogenannten Familien-Z., durch welche den in den Kolonien weilenden Beamten und Militärpersonen die fortlaufende Überweisung von Geld an ihre Angehörigen erleichtert werden sollte. Diese Einrichtung ist jedoch in neuerer Zeit sehr eingeschränkt, worden. Über die Z. der Kolonialhauptkasse wird mit den Gouvernementshauptkassen im Kontowege abgerechnet, und auf dem gleichen Wege werden auch Z., die von den Schutzgebietskassen für heimische Rechnung bewirkt werden, ausgeglichen. Bei Z., die zu Lasten der Schutzgebiete im Ausland. zu leisten sind, wird in der Regel die Vermittlung der deutschen Konsularbehörden in Anspruch genommen; der Ausgleich erfolgt meist im Wechselverkehr mit Berlin

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4. Über die Kontrolle von Z., über Verwendung von Zahlungsmitteln, über die Prüfung der Empfangsberechtigung, Zahlungsleistung durch die Post, Vorschuß-Z. usw. sind für die einzelnen Schutzgebiete eingehende Vorschriften erlassen, die in ihren Grundsätzen einheitlich sind. Sie sind in den Geschäftsanweisungen für die Kassen (GA. III s. Kassen und Kassenwesen 2) enthalten.

5. Die Bestrebungen zur Einschränkung des Bargeldverkehrs sind auch für die Z. der Schutzgebietskassen von Bedeutung. Auf diesem Gebiete sind wesentliche Fortschritte durch die Begründung der Kolonialbanken (s. Banken) erzielt worden. Mit diesen stehen die Gouvernementshauptkassen im Abrechnungsverkehr, entbehrliche Bargeldbestände werden an die Banken abgeführt, Überweisungen von und nach Deutschland durch sie bewirkt und im Scheckverkehr Gehaltszahlungen verausgabt, Zölle vereinnahmt usw.

Volkmann.