Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 746

Zeugengebühren werden im Reiche nach der "Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige" (RGBl. 1898, S. 689) gewährt. Sie sind als Bare Auslagen von den Parteien, in Strafsachen von dem Angeklagten im Falle der Verurteilung, zu erstatten. Als im Sinne des § 19 KonsGG. zu den Vorschriften über die Kosten in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten und in Strafsachen gehörig, gilt die GebO. 1. Z. u. S. nach § 3 SchGG. auch in den Schutzgebieten. Während indes in den afrikanischen und Südsee - Schutzgebieten die Gebühren der Gerichte im allgemeinen zum doppelten Betrage erhoben werden, geschieht dies hinsichtlich der Zeugengebühren nicht (§ 1 Abs. 3 der V. des RK., betr. die Regelung des gerichtlichen Kostenwesens in den Schutzgebieten Afrikas und der Südsee vom 28. Nov. 1901 / 28. Aug. 1908, KolBl. S. 853 bzw. 933). In Kiautschou findet die Gebührenordnung nur auf Nichtchinesen Anwendung. Es können dort auch höhere Beträge als die nach der GebO. zustehenden zugebilligt werden. Die Zeugengebühren der Chinesen werden vom Gericht nach freiem Ermessen festgesetzt. Vgl. hierüber § 39 der GouvV. betr. die Zustellungen, die Zwangsvollstreckung und das Kostenwesen vom 21. Juni 1904 (VBl. f. K. S. 16, Amtsbl. S. 129).

Gerstmeyer.