Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 750 f.

Zimt, eines der ältesten in der Alten Welt bekannt gewordenen Gewürze (s.d.). Er galt im Altertume als besonders wertvoll. Der Kaiser Vespasian weihte den Göttern Kränze aus Z., die von getriebenem Golde zusammengehalten wurden, und in einem römischen Tempel wurde nach Plinius eine Zimtwurzel in einer goldenen Schale aufbewahrt. Auch für die Geschichte der Handelsbeziehungen im Altertume bietet der Z., interessante Anhaltspunkte. Der chinesische Z. ist dem Abendlande viel früher bekannt geworden als der heute in erster Linie als Gewürz gebrauchte Z. aus dem viel näher liegenden Ceylon. - Die Zimtbäume, Cinnamomum, gehören zu den Lorbeergewächsen und sind mit vielen Arten in den Tropen der Alten Welt verbreitet. Als Gewürzpflanzen von allgemeiner Bedeutung sind aber nur zwei zu nennen, C. Cassia, der chinesische oder Holzzimt und C. ceylanicum oder der Ceylonzimt. Es sind mittelhohe Bäume, die eine Höhe von 7 - 10 m erreichen, mit dichter, fast bis an den Boden reichender Krone. Die Blätter sind eirund, lederig, jung rosa, später dunkelgrün, und besitzen drei bis fünf von der Basis ausgebende, parallele Nerven. Die Blütenrispen tragen kleine, unscheinbare Blüten, aus denen sich längliche, etwas über 1 cm lange, einsamige Beeren entwickeln. Der chinesische Z. ist in allem etwas größer und derber. - Die Zimtbäume bevorzugen ein möglichst gleichmäßiges, mehr trockenes Tropenklima mit kurzen Regenzeiten. Der Boden soll nicht zu schwer, locker und von mittlerem Humus- und Nährstoffgehalt sein. Der Z. wird in der Regel in sog. Zimtgärten gezogen. Diese Kultur erinnert an unsere Korbweidenpflanzungen und Eichenschälwälder. Die Anzucht kann aus Samen oder aus Stecklingen erfolgen. Die Samen werden entweder an Ort und Stelle oder in Saatbeeten ausgesät. Sie verlieren ihre Keimkraft sehr schnell. Nach 30 Tagen soll diese fast vollständig erloschen sein. Beim Auspflanzen an Ort und Stelle werden Vierecke von etwa 1 m zu 3 1/2 m mit Leinen abgesteckt und an den Schnittpunkten 4 - 5, manchmal sogar 12 Samen wenige Millimeter tief in den Boden gebracht. Der Boden wird vorher mit der Asche, die beim Abbrennen der Felder gewonnen ist, gemischt. Die Pflanzstellen werden zum Schutze gegen Austrocknung mit Zweigen bedeckt. In manchen Pflanzungen werden die Samen in etwa 3 m voneinander entfernten Reihen einzeln in etwa 30 cm Abstand ausgesät. In den gut vorbereiteten Saatbeeten sät man ziemlich dicht, da ein nicht unerheblicher Teil nicht aufläuft. Nach ein bis zwei Monaten werden die jungen Pflanzen auf etwa 15 cm ausgedünnt und die entfernten Pflanzen in neue Beete gebracht. Nach einem Jahr kann man dann ev. auspflanzen. - Wo man der Sortenechtheit nicht sicher ist, bedient man sich besser der Stecklinge, der Ableger oder der sog. Stumps. Die erste kleine Ernte kann nach zwei bis drei Jahren gemacht werden. Der Stengel wird kurz über dem Boden abgeschnitten und der Stumpf wieder mit Erde bedeckt. Derselbe treibt neue Schosse, von denen man 4 - 6 sich entwickeln läßt, die in ein bis zwei Jahren erntereif werden. Die geernteten Stengel werden zunächst der Blätter beraubt und dann durch gegenüberliegende Längsschnitte und bei großer Länge durch einige Ringelungen entrindet. Die so gewonnene Binde wird zunächst in Tücher gewickelt, 24 Stunden einer Gärung überlassen und dann auf geeigneten Stöcken durch Schaben mit einem Messer von der Außenrinde befreit. Es bleibt dann nur die zarte und besonders aromatische Innenrinde zurück. Mehrere solcher Rinden werden ineinander gelegt und bilden durch das Zusammenrollen beim Trocknen die bekannten Röhren des Ceylonzimtes (Kaneel). - In ähnlicher Weise vollzieht sich die Kultur und Aberntung des chinesischen Zimtes. Die Rindenstücke sind aber wesentlich stärker, so daß in der Regel nur zwei Rindenröhren ineinander gesteckt die Handelsware bilden. Die Abfälle des Ceylonzimts bilden die sog. Chips und worden zum Teil an Ort und Stelle auf ätherisches Öl verarbeitet, zum größeren Teil aber exportiert. Dagegen dienen die Abfälle, Blätter und jungen Zweige des chinesischen Zimtes an Ort und Stelle einer umfangreichen Industrie der Eingeborenen, die in großen Mengen das chinesische Zimtöl oder Cassiaöl herstellen und exportieren. Die Blütenknospen des chinesischen Z. werden als Cassia flores in beschränkten Mengen für die Ölgewinnung exportiert. - Die Produktion der beiden wichtigsten Handelssorten ist im wesentlichen auf die ursprünglichen Verbreitungsgebiete Ceylon und das südliche China (Kwangsin und Kwangting) auch heute noch beschränkt. Bemerkenswerte Mengen liefern außerdem nur noch Java und andere Gebiete Holländisch - Indiens. Ceylon exportiert heute etwa 1400 tons Z. und 1000 tons Abfälle und nur geringe Mengen Öl. Die Abfälle kosten immerhin noch etwa 1 M das Kilo, der Z. selbst das Vier- bis Fünffache. Die Menge der aus China ausgeführten Cassia lignea wird auf 3000 - 4800 tons geschätzt. Die Produktion von Cassiaöl kann nur sehr annähernd angegeben werden, ebenso die wirklich ausgeführte Menge. Diese wird mit etwa 100 tons und der Wert der ausgeführten Ware etwa mit 500000 M angegeben. Der Preis für 1 kg Öl schwankte in dem letzten Jahrzehnt zwischen 7 und 12 M. - Hamburg importierte 1913 ca. 675 t Ceylonzimt für 1 1/4 Mill. M und etwa 1000 t Holzzimt für 750 000 M.

Literatur: H. Ridley, Spices, Lond., Mac Millan, 450 p. - Sr. H. J. Wigman, Specereijen (Kaneel) in: Van Gorkoms Oost - Indische Cultures, Amsterdam, Bussy, 1913, pag. 853 bis 871. - Ferguson, All About - Ciunamon, Colombo, Ceylon, 43 pag.

Voigt.