Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 751 f.

Zinnerz (Zinnstein, Kassiterit) findet sich in den deutschen Kolonien in bemerkenswerten Mengen nur in Deutsch-Südwestafrika im Damaraberglande, besonders östlich, südlich und südwestlich vom Erongo am Eiseb, Omarurufluß und Khanfluß, westlich von Okombahe und östlich vom Brandberg bei Uis. Die Hauptlagerstätten scheinen bei Ameib, Katzpütz, bei Okawajo, Etiro, Neineis, Otjimbojo, Okombahe, Otjimbinjo zu liegen. Die primären Lagerstätten sind Gänge von Pegmatit (s.d.), die in Verbindung mit den großen Granitmassiven stehen und zwar, wie es scheint, nur mit den älteren Graniten, die schon bei der Faltung des Schiefergebirges, der Primärformation, in die Höhe gekommen sind. Die Pegmatitgange, die von sehr wechselnder Stärke - durchschnittlich 3 - 4 m, aber, auch bis 30 m mächtig - sind, sind oft "greisenartig" ausgebildet mit sehr großen, zahlreichen Tafeln von ganz hellem (Lithion?) Glimmer und wenig Feldspat; sie treten öfter zusammen mit Aplit- (s.d.) gängen auf. Die Z.führung scheint in gewissem gesetzmäßigen Zusammenhang mit der Entfernung der Pegmatitgänge von den Granitmassiven zu stehen, derart, daß in der Nähe der großen Granitmassive die Pegmatite vorwiegend Turmalin, aber kein Z. führen, denn eine schmale, zinnreiche und eine zinnärmere Zone derselben Pegmatitgänge folgt ohne oder ohne wesentlichen Turmalingehaft. Auch in der Vertikalen ist die Z.führung der Pegmatite sehr ungleichmäßig; neben reichen bzw. sehr reichen Stellen, die bis über kubikmetergroße Massen Z. und dicke, reiche Trümmer enthalten, treten ganz arme oder völlig taube Stellen auf, und nach der Tiefe zu, in 20 - 30 m, ja oft schon in 5 - 10 m, scheinen die Gänge ganz allgemein schnell zu verarmen. Bei den Pegmatitgängen, die im allgemeinen in horizontaler Richtung , im speziellen aber in schwach welliger Form in die gefalteten Glimmerschiefer eingedrungen sind, ist eine auffällige Anreicherung des Z.gehalts in den Wellenbergen, ein Fehlen in den Wellentälern zu beobachten, was wahrscheinlich in der Art der Zinnsteinbildung begründet ist. Umgekehrt soll bei steil stehenden, oberflächlich ganz tauben Pegmatitgängen zum Teil in größerer Tiefe doch wieder reicher Zinngehalt festgestellt sein. Apatit, Topas und, wenn auch selten, Wolframit und Monazit treten zusammen mit dem Zinnerz auf; das Nebengestein der Pegmatitgänge ist oft in sehr auffälliger Weise turmalinisiert. Im allgemeinen setzen diese z.führenden Pegmatite in Glimmerschiefern, in Phylliten und Knotenschiefern auf, die der Primärformation angehören. In den Flußtälern, neben diesen zinnführenden Pegmatiten, tritt das Z. auch auf sekundärer Lagerstätte in den Flußsanden, ("Seifen") auf, zum Teil in solchen Mengen, daß es auch hieraus durch Wäscherei und Setzmaschinen gewonnen werden kann, so bei Neineis, Katzpütz und Otjimbojo, wo im Jahre 1911/12 für etwa 150 000 M Zinn gewonnen sein soll. - Der Zinngehalt der Pegmatite schwankt zwischen 0,2 - 10 % und mag im Durchschnitt etwa 2 % betragen, was in diesen Gebieten etwa die Grenze der Abbauwürdigkeit bezeichnet; zu einem regelrechten, großzügigen Abbau auf den Gängen scheint es bisher nicht gekommen zu sein. - Die angeblichen Z.funde aus Kamerun haben bisher keinerlei Bestätigung gefunden; nur im Benuesand scheinen einmal ganz kleine Gerölle von Zinnstein gefunden zu sein.

Gagel.