Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 752

Zinsbürgschaft von Eisenbahnen. Die Gewährung einer Z. bei Eisenbahnen auf eine längere Reihe von Jahren von seiten des Mutterlandes an das Schutzgebiet oder an die Privatgesellschaft, welche die Bahn bauen und betreiben will, hat sich in Afrika im allgemeinen zwar wohl als ein geeignetes Mittel erwiesen, das sonst fehlschlagende Zustandekommen des Bahnbaues herbeizuführen; aber es dient erfahrungsgemäß nicht dazu, den Betrieb der Bahn zu vervollkommnen und die gedeihliche Entwicklung des Unternehmens zu fördern, weil es der Bahnverwaltung eine sichere Einnahme gewährleistet, somit den wesentlichsten Ansporn zu eifriger Betätigung in der Richtung nach Verbesserung des Betriebes und Hebung des Verkehrs benimmt. Die Gewährung von Z. v. E. wird aber auch vom Mutterlande um deswillen mit Recht beanstandet, weil dadurch das Wagnis des Unternehmens, unter Entlastung des Schutzgebiets, auf die Steuerzahler im Reich abgewälzt würde. Die Z. v. E. wird auch bisweilen mit einer Landkonzession oder anderen Vorrechten verbunden, und in solchem Falle kann die Z. niedriger gehalten werden. Wegen der finanziellen Inanspruchnahme des Mutterlandes wird die Z. bei Eisenbahnkonzessionierungen (s. Eisenbahnkonzessionen) durch ein besonderes Gesetz festgelegt. Für deutsche Schutzgebietsbahnen erhielten eine 3% ige Z. des Reichs: die Ostafrikanische Eisenbahn-Gesellschaft (s.d.; Gesetz vom 31. Juli 1904) auf das Anlagekapital von 21 Mill. M für den Bahnbau Daressalam - Morogoro und die Kamerun- Eisenbahn-Gesellschaft (s.d.; Gesetz vom 4. Mai 1906) auf 11 Mill. M Stammanteile des Anlagekapitals für den Bau der Manengubabahn auf 90 Jahre. Weitere Z. sind bis jetzt nicht gewährt worden.

Baltzer.