Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 752 f.

Zinsfuß. Der Z., d.h. die prozentuale Höhe der Vergütung, die für Gelddarlehen gewährt wird, ist in den Schutzgebieten durchweg größer als in der Heimat. Eine relativ große Höhe des Z. ist eine Erscheinung, die in jungen und sich stark entwickelnden Wirtschaftsgebieten allgemein zu beobachten ist. Das Angebot an Leihkapital ist in den Kolonien gering im Verhältnis zur Nachfrage, auch wird der durchschnittliche Kapitalgewinn, dessen Höhe den üblichen Z. beeinflußt, in den Kolonien höher kalkuliert als in der Heimat, weil eine größere Risikoprämie mitveranschlagt zu werden pflegt. Die Hypothekenzinsen, die Digkont- und Lombardsätze, häufig auch die von den Gerichten zugebilligten Verzugszinsen usw. stehen daher um ein oder meist um mehrere Prozent höher als in Deutschland. Zur Herabminderung des Zinssatzes, dessen hoher Stand auf die wirtschaftliche Entwicklung der Schutzgebiete hemmend wirkt, hat die Kolonialverwaltung die Vermehrung des Kapitalangebots zu fördern gesucht (Errichtung einer Landwirtschaftsbank für Deutsch-Südwestafrika [s.d.], von Sparkassen [s.d.] usw.) Über den Z. bei Handelsgeschäften s.d. - Der Z., den die Schutzgebiete als Darlehensnehmer und Anleiheschuldner zu zahlen haben, ist wesentlich niedriger als der in den Kolonien landesübliche, weil das Reich entweder Darlehensgeber ist oder als Bürge für die aufgenommenen Anleihen haftet. Alle Emissionen von Schutzgebietsanleihen sind bisher zu einem Z. von 4% nach dem Nennbetrage erfolgt; die tatsächliche, also nach dem Durchschnitt der Erlöse berechnete Verzinsung stellt sich bisher auf 4,0001 %. Für die Reichsdarlehen an die Schutzgebiete Togo und Deutsch-Südwestafrika ist ein Z. von 3 1/2 % festgesetzt worden, und der gleiche Satz ist auch, "soweit darüber nicht eine andere gesetzliche Bestimmung getroffen wird", für künftige Reichsdarlehen an die Schutzgebiete in § 4b des Finanzgesetzes vom 18. Mai 1908 vorgesehen. Ein Z. von nur 3 % besteht für die garantierten Anteilscheine der Ostafrikanischen und der Kamerun- Eisenbahngesellschaft, allerdings in Verbindung mit einem hohen Auslosungssatze (120 %).

Volkmann.