Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 753

Zintgraff, Eugen, Afrikaforscher, Dr. jur., geb. 16. Jan. 1858 zu Düsseldorf, gest. 4. Dez. 1897 auf Tenerife. Nach Beendigung seines Studiums begleitete Z. 1884 den Forscher Chavanne nach dem unteren Kongo. 1886 trat er in den Dienst der deutschen Kolonialverwaltung, die ihm die Erforschung des nördlichen Kameruner Hinterlandes von der Küste her übertrug. Nach Z.s ursprünglichem Plane, mit dem er aber nicht durchdringen konnte, sollte diese Erforschung in umgekehrter Richtung vom Ubangi her gegen die Küste erfolgen. 1886/87 unternahm Z. zunächst einige Vorexpeditionen in die Umgegend der Kamerunbucht. Januar 1888 gründete er mit Zeuner (s.d.) die Barombi-Station, von wo Z. im Februar nach Batom und im Juli - August über den Kreuzfluß nach Banjang vordrang. Auf einem dritten Vorstoß gelangte er im Januar 1889 in das Grasland nach Bali, wo er freundlich aufgenommen wurde und die Station Baliburg gründete. Von hier erreichte er unter großen Schwierigkeiten den Benue bei Ibi, um von dort über Gaschka nach Jola weiter zu marschieren. Von dem Emir in Jola abgewiesen begab sich Z. auf etwas abweichenden Routen nach Bali zurück und trat im Dezember 1889 die Heimreise an. 1890 fand sich Z. mit mehreren Europäern wieder in Bali ein, hatte aber das Unglück in einem sonst erfolgreichen Gefecht gegen Bandeng vier seiner Gefährten zu verlieren. Bis 1892 suchte er durch Stationsgründungen eine gesicherte Verbindung zwischen der Küste und Bali zu schaffen, dessen Bewohner er zu brauchbaren Plantagenarbeitern und Soldaten zu erziehen hoffte. 1892 trat er vom Kolonialdienst zurück, bereiste 1893 Südafrika und wandte sich 1896 mit Dr. Esser als erster dem Plantagenbau in Kamerun zu. Schriften: Nord - Kamerun, Berl. 1895.