Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 764

Zollverwaltung. Die afrikanischen und Südseeschutzgebiete bilden je für sich ein besonderes Zollgebiet, dem gegenüber das Deutsche Reich und andere Deutsche Kolonien ebenso als Zollausland gelten wie fremde Länder und Kolonien. Die Ein- und Ausfuhr darf nur an bestimmten, mit Zollstellen versehenen, öffentlich bekannt gemachten Plätzen stattfinden. Die näheren Bestimmungen darüber, wie die Vorschriften über die Zollpflicht der Waren, das von den Zollbehörden (s.d.) anzuwendende Verfahren usw. enthalten die für die einzelnen Schutzgebiete erlassenen Zollordnungen (s.d.). Die Höhe der Zölle schreiben die Zolltarife (s. Zölle und Zolltarife) vor. Die Zollbehörde setzt auf Grund dieser Bestimmungen den zu zahlenden Zoll fest. Gegen ihre Entscheidung ist die Beschwerde an den Gouverneur, in zweiter Instanz an den Reichskanzler (Reichs-Kolonialamt) gegeben. Zur Erleichterung des Verkehrs können unter besonderen, vom Gouverneur festzusetzenden Bedingungen öffentliche Zollniederlagen errichtet, sowie auf Antrag private Zollniederlagen genehmigt werden. In Kiautschou besteht keine deutsche - Z., sondern die Z. wird von dem chinesischen Seezollamt geführt (s. Kiautschou, Abs. Zollverwaltung). Die zurzeit. in den afrikanischen und Südseeschutzgebieten geltenden Zollverordnungen sind erlassen: für Togo am 24. März 1910; Kamerun 1. Aug. 1911 (Änderung 8. Juli 1912); Deutsch-Südwestafrika 31. Jan. 1903 (Änderung 25. Sept. 1910); Deutsch-Ostafrika 13. Juni 1903 (Änderungen 28. Febr. 1905, 6. März 1908 , 15. Dez. 1909, 21. Nov. 1912, 14. Nov. 1913); Deutsch-Neuguinea 10. Juni 1908 (Änderungen 26. März 1910, 1. April 1911). In Samoa gelten noch die Zollvorschriften aus der Zeit vor Hissung der deutschen Flagge; der Erlaß einer Zollverordnung ist beabsichtigt.

Kucklentz.