Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 767

Zoologische Sammlungen sollen wie die botanischen der Wissenschaft dienen. Was für Botanische Sammlungen gilt, ist auch für sie wertvoll, und es darf deshalb auf das Stichwort Jotanische Sammlungen", verwiesen werden. Während die Schausammlungen nur eine Auswahl besonders auffallender Formen den Besuchern vorführen,. sollen die wissenschaftlichen S. eine möglichst große Menge von Tieren aller Art aus möglichst verschiedenen Gegenden, aus möglichst verschiedenem Lebensalter beider Geschlechter, in den verschiedensten Abänderungen, der wissenschaftlichen Forschung bereit stellen, alle mit genauen Angaben über den genauen Fundort, den Tag, an dem sie gesammelt sind, und den Namen des Sammlers versehen. Der Wert dieser S. für die Wissenschaft ist um so größer, je besser sie geordnet und bearbeitet sind, je größere Mengen von Einzelstücken derselben Gattung aus den verschiedensten Gegenden sie enthalten. Darum ist es bedauerlich, wenn die Liebe zur engeren Heimat viele in den Schutzgebieten arbeitende Naturfreunde veranlaßt, die Ergebnisse ihrer sammlerischen Tätigkeit den kleinen Museen ihrer Heimatstadt zuzuwenden, ohne vorher einer der großen, für die Wissenschaft wichtigen S. diese Ausbeuten vorgelegt zu haben. So schlummern in vielen kleinen S. sehr wichtige Beweisstücke, die wissenschaftlicher Forschung entzogen werden. Würden sie zunächst einem großen Museum zugänglich gemacht worden sein, so hätten sich wohl Wege gefunden, um das Heimatmuseum gebührend durch Austausch lehrreicher Schaustücke entschädigen zu können und ihm wahrscheinlich mehr willkommene, weil für die Beschauer wichtigere Gegenstände zuzuführen. Es ist für die Förderung der Artenkenntnis eine um so größere Schwierigkeit, je mehr S. der Forscher zur Bearbeitung einer kleineren Tiergruppe untersuchen muß. Am besten wäre es, wenn in Deutschland die wissenschaftlich wichtigen Stücke an einer einzigen Stelle vereinigt wären, wo auch die, nötige Zahl wissenschaftlicher Bearbeiter vorhanden ist oder die Möglichkeit, die Sammlungen von anderen bearbeiten, zu lassen; wo auch dafür gesorgt werden kann, daß alles vor dem Verderben geschützt wird. Das Berliner Zoologische Museum ist die größte S. dieser Art in Deutschland, sie übertrifft das British Museum in London in vieler Hinsicht und überragt jedes andere europäische Museum in der Reichhaltigkeit seiner S. Auch die Museen in Hamburg, besonders für niedere Tiere, in München, Stuttgart und Frankfurt a. M. (Senckenbergisches Museum) enthalten sehr wichtige S. aus unseren Schutzgebieten. - Über Anlage von Sammlungen s. Sammeln 3.

Matschie.