Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 775 f.

Zwerge, Individuen, deren Größe wesentlich unter dem Durchschnitt der Art (Rasse) bleibt. Kleiner Wuchs (unter 150 cm Körperlänge) findet sich
a) physiologisch bei allen Individuen bestimmter Völker, den Pygmäen (s.d.) und bildet eine Eigentümlichkeit der Rasse;
b) pathologisch bei einzelnen Individuen der mittel- und großwüchsigen Rassen, den eigentlichen Z. Hier sind 4 Hauptformen des Z. wuchses zu unterscheiden: 1. als Folge von Erkrankungen der Schilddrüse (Kretinismus), 2. als Folge schwerer Rhachitis, 3. ungenügende Entwicklung und vorzeitige Verknöcherungen, gleichzeitig Kleinbleiben der Röhrenknochen (Mikromelie, angeborene Achondroplasie), 4. "echter Z.wuchs", bei dem normalgeborene Kinder im Laufe der Entwicklung, und zwar meist vor Eintritt der Geschlechtsreife im Wachstum stehen bleiben. Das Skelett ist Proportioniert, aber schwach, die Knochenkerne verschmelzen nicht usw. (Ateleiose). Wahrscheinlich beruht diese Form auf einer Erkrankung de§ Hirnanhanges. Bei allen Formen außer der Achondroplasie tritt häufig Infantilismus auf. Achondroplastischer und ateleiotischer Z. wuchs sind erblich, indessen haben achondroplastische Z. meist normale Kinder, die freilich stets durch Kaiserschnitt entbunden werden müssen, während ateleiotische zwar oft infolge des gleichzeitig vorhandenen Infantilismus steril sind, aber in den seltenen Fällen von Fruchtbarkeit normal verlaufende Geburten aufwiesen. Die Ableitung der Pygmäen aus den immerhin selten auftretenden Z. großwüchsiger Völker ist daher nicht möglich.

Literatur: H. Rischbieth, Dwarfism in: K. Pearson, Treasury of human Inheritanse, Vol. 1 ,Lond. 1912.

Thilenius.