Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 776

Zwischenkulturen (Doppelkulturen) werden in der heimischen Landwirtschaft vornehmlich für Zwecke der Futtergewinnung (s. Futterbau) und Gründüngung (s.d.) angewendet, wobei als "Zwischenfrüchte" fast allein Leguminosen in Betracht kommen, als "Hauptfrüchte" ("Überfrüchte") Getreide ("Stoppelfruchtbau" ,"Einbau" vgl. Krafft- Fruhwirth). Eine andere Art der Z. ist der "Zwischenreihenbau", bisweilen bei Hopfen, Mais und Kartoffeln betrieben. Z. sind bei den Eingeborenen der Schutzgebiete sehr verbreitet und um so mehr vervollkommnet, je höher die Intensität der Bodennutzung entwickelt ist. (Letzteres z.B. in Nord-Togo sowie bei afrikanischen Gebirgsvölkern.) Sie bringen zwar immer eine Steigerung des Arbeitsaufwandes mit sich, gestatten aber eine um so bessere Ausnutzung der Bodenfläche. Voraussetzungen für zweckmäßigen Zwischentruchtbau sind, daß Wasser- und Nährstoffgehalt des Bodens für Haupt- und Zwischenfrucht ausreichen, und weder Bodenbearbeitung noch Ernte gestört werden. Die Einsaat der Zwischenfrucht erfolgt entweder vor der der Hauptfrucht oder gleichzeitig mit dieser, oder nach deren Ernte (z.B. Kiautschou). Das Verhältnis der Zwischenfrucht zur Hauptfrucht wechselt sowohl in bezug auf die wirtschaftliche Bedeutung beider, wie auch auf deren quantitative, Verteilung über die Bodenfläche. In dieser Beziehung und betreffs der Wahl der Früchte finden sich zahllose Übergangsstufen und Variationen: einerseits ausgesprochenes Zurücktreten der Zwischenfrucht (z.B. bei geringfügiger Einsaat von Gurken, Kürbissen usw. in Mais- oder Sorghumfelder) bis zur mehr oder weniger vollkommenen Gleichberechtigung beider Gewächse andererseits. Im letzteren Falle handelt es sich um Mischkulturen im engeren Sinne. Hierbei wird entweder Gemengs aat (z.B. Mais und Sorghum in einigen Landschaften Deutsch-Ostafrikas) oder Reihenbau (z.B. Baumwolle und Yams in Togo) angewendet. Auch mehrgliedrige Mischkulturen sind in Gebrauch. - In Deutsch-Ostafrika sind Mischkulturen auch im Plantagenbau der Europäer häufig, so z.B. Baumwolle als Zwischenfrucht in der Sisalkultur oder in jungen Kautschukpflanzungen. Eine besondere Form der Zwischenkultur stellt der Anbau von Grünfutter- oder Weidepflanzen in Kokosplantagen (s. Kokospalmen) dar, der sich in der Südsee und in Deutsch-Ostafrika im Interesse der Viehhaltung immer mehr einführt. Die damit verbundene Bodenbear beitung und, bei Verwendung von Leguminosen, auch die Stickstoffanreicherung im Boden kommen der Überfrucht (Kokospalme) zugute. S.a. Landwirtschaft.

Literatur: Krafft-Fruhwirth, Ackerbaulehre, 8. 241. Berl. 1910. - Für Kiautschou: Tropenpflanzer 1910, und Wegener in H. Meyer, Das Deutsche Kolonialreich, Bd. IL Leipz. 1910.

Im übrigen s. Ackerbau.

Busse.