Deutsches Kolonial- Lexikon(1920), Band III, S. 475

Tendaguru, eine Erhebung im Vorland von Deutsch-Ostafrika (s.d. 5), 7 km s. vom Mbemkuru (s.d.), 50 km von der Meeresküste. Der T. wurde berühmt durch die Funde versteinerter Knochen riesiger Dinosaurier, die zuerst an seinem Fuß gemacht wurden, dann in der Umgebung, schließlich zerstreut über 80 km von S nach N. Das Gebiet gehört den stark zerschnittenen Teilen der Plateaulandschaft des Vorlandes an (Deutsch-Ostafrika 2). Nördlich von Muera-, Noto- (s.d.) und den Likonde-Plateaus (s. Rowuma) ziehen sich niedrigere Plateaureste bis nach Kiturika (s. Mavudji) hin. Die Oberfläche dieser kleinen Hochländer wird zum Teil aus Makondeschichten (Aptien der Unterkreide) gebildet. Wo sie und der Neokom in ihrem Liegenden der Erosion zum Opfer gefallen sind, treten die oberen Saurier führenden Schichten zutage, gerade über der Grenze gegen den oberen Jura. In letzterem treten u. a. eine mittlere und eine untere Saurierschicht auf. Die Schichtstufenformen der Landschaft sind wesentlich bedingt durch den Wechsel zwischen härteren Schichten, Sandsteinen und marinen Kalken, und den weniger harten, mergeligen Schichten; die letzteren enthalten außer den Sauriern noch andere terrestrische, nebenbei aber auch brackische, ja marine Formen. Die Saurier lebten auf der Grenze zwischen Meer und Land, gingen auf Marschen und Watten ihrer Nahrung nach. Neben Formen, die über 30 m Länge erreichten, kommen ganz kleine vor. Der T., in dessen Nachbarschaft diese Schichten besonders gut entwickelt das Urgestein überlagern, ist ein kleiner Plateaurest mitten in einem Kessel, der durch die besonders kräftige Erosion, die der Mbemkuru gerade hier entfaltet, bedingt ist. Seit 1909 ist die T.expedition (s.d.) im Gebiete tätig und hat sehr umfangreiche Fossilfunde geborgen.

Literatur: E. Fraas, 0stafrikanische Dinosaurier, Palaeontographica. Bd. LV, 1908. - H. von Staff, Geschichte der Umwandlungen der Landschaftsformen im Fundgebiet der Tendagurusaurier, Sitzber. Ges. naturf. Freunde, Berl. 1912. E. Hennig, Am Tendaguru,. Stuttg. 1912. Ders., Beitr. zur Geol. und Stratigr. von Deutsch-Ostafrika (wissensch. Ergebnisse der Tendaguru-Exp.), Archiv für Biontologie, Berl. 1913.

Uhlig.